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Aachen 2013: Ein Wochenende in der Domstadt


Samstag

Aachen Hauptbahnhof, 11:07 Uhr: Pünktlich erreicht unser Zug die westlichste Großstadt Deutschlands. Der Tag verspricht sehr schön zu werden, bereits jetzt ist es angenehm warm, und wir sind froh, dass es nur rund 750 Meter zu Fuß bis zu unserem Hotel sind (Ibis Hotel am Marschiertor). Dort können wir zwar noch nicht die Zimmer beziehen, dafür aber unser Gepäck in einen Tagungsraum einschließen, und so „unbeschwert“ den Tag angehen.

Von hier aus machen wir uns per pedes auf Richtung Innenstadt. Die kleine Eisdiele, an der wir dabei vorbei kommen, bietet uns dabei eine willkommene Erfrischung. Unser erstes Ziel heute ist die Touristeninformation am Elisenbrunnen. Dort ist der Treffpunkt für einen Stadtrundgang, den wir im Vorfeld gebucht haben. Von 12:30 – 14:30 Uhr wollen wir unter fachkundiger Führung einige der Touristenattraktionen Aachens besichtigen. Und die junge Frau, die mit uns diese Tour macht, fängt damit gleich direkt am Elisenbrunnen an.

DER ELISENBRUNNEN



Und der ist unschwer zu erkennen. Oder soll ich sagen, erriechen? Hier „duftet“ es nämlich extrem nach Schwefel, und schaudernd höre ich den Hinweis unserer Stadtführerin, dass die Aachener gerne ein Glas am Tag davon trinken. Und das soll sogar gesund sein. Also wohlwollend ausgedrückt würde ich sagen, dass diese Menge vielleicht gerade noch so eben nicht schädlich für den Körper ist… Trotzdem zeigen mehreren Namenstafeln die Namen der bekannten Persönlichkeiten, die sich hier im Laufe der Geschichte an dem „Heilwasser“ gelabt haben. Aber vielleicht ist das ja auch mit ein Grund, warum die Lebenserwartung in früheren Zeiten nicht wirklich hoch war :-)





Direkt hinter dem Brunnen befindet sich der Elisengarten mit seiner noch recht neuen Attraktion, der Archäologischen Vitrine. Dabei handelt es sich um eine ca. 160 m² große, begehbare Glasvitrine, die Relikte aus mehr als 5000 Jahren Aachener Stadtgeschichte zeigt. Das klingt interessant, und ich nehme mir vor, mir das Morgen früh mal ein wenig genauer anzusehen.



DER GELDBRUNNEN

Unsere Stadtführerin geht mit uns ein paar Schritte weiter zu dem sich am Rande des Elisengarten befindlichen Brunnen „Kreislauf des Geldes“, auch Geldbrunnen genannt. Seit 1976 dreht sich hier das Wasser gegen den Uhrzeigersinn. Übrigens auch im Winter, da er mit dem warmen Wasser aus den Aachener Thermalquellen gespeist wird. Rund um den Brunnen sind mehrere Figuren aufgestellt, die den Geiz, die Gier, die Gönnerhaftigkeit und die Bettelei darstellen. Außerdem erklärt ein Vater seinem Kind den Umgang mit dem Geld. Jeder Besucher kann hier wie beim Trevi-Brunnen in Rom Geld hineinwerfen und sich etwas wünschen. Allerdings verschwinden durch die Drehung des Wassers die Münzen immer wieder in den Wasserüberlauf. Böse Zungen behaupten, von dort würden sie direkt zur Aachener Sparkasse gelangen. Schließlich hat diese den Geldbrunnen aufgrund ihres 75-jährigen Bestehens ja auch gestiftet…





DAS MONSTER

Nicht weit von diesem Brunnen entfernt steht das Monster. Keine Angst, auch hierbei handelt es sich lediglich um einen Brunnen. Ich habe jetzt schon den Eindruck, das Aachen die Stadt der Brunnen ist. Dieses Brunnenmonster, auch Bahkauv genannt, wurde eigentlich nie so richtig gesehen. Schließlich war es ein nachtaktives Geschöpf, und niemand bekam es in der Dunkelheit richtig zu Gesicht. Und es griff auch nicht jeden an, sondern mit Vorliebe alkoholisierte Heimkehrer. Bei denen hängte es sich an den Rücken und lies sich dann von den Betrunkenen bis vor deren Haustür schleppen. Auf diese Weise soll das Monster viele alkoholisierte Männer zurück auf den tugendhaften Weg gebracht haben. Ob aus Angst vor ihm, vor den Ehefrauen oder vor dem Gerede der Nachbarn, das ist nicht so ganz klar. Vielleicht war es aber auch so, wie die Frauen behaupten: Dieses ganze Monster sei sowieso nur eine Erfindung der Männer. Die wollten nämlich nicht zugeben, dass sie ihr ganzes Geld am Tresen gelassen hatten, und behaupteten dann, das Bahkauv hätte ihnen alles abgenommen.



Wie es auch sei: Mit der zunehmender Bebauung Aachens verschwanden auch die unterirdischen Höhlen, in denen sich das Monster tagsüber zurück zog. Und als es irgendwann überhaupt keine Möglichkeit mehr sah, sich zu verstecken, kehrte es Aachen den Rücken zu, um andernorts sein Unwesen zu treiben.



Den Rücken zukehren, das machen nun auch wir mit dem Monster-Brunnen, und stehen nach einigen Schritten vor der Konditorei „Van den Daele“. Und die Auslage im dortigen Schaufenster ist schon fast alleine das Geld für die Stadtführung wert: So viele Leckereien, da läuft einem das Wasser im Munde zusammen.



Direkt daneben befindet sich übrigens die Aachener Printen – Skulptur, eine Bronzeplastik, angefertigt 1989 von Hubert Löneke. Gestiftet wurde sie von Leo van den Daele, dem Besitzer der gerade erwähnten Konditorei.



DER PUPPENBRUNNEN

Wir gehen weiter, durch einen kleine Nebengasse und einem großen Hinterhof bis zum Puppenbrunnen. Ja, schon wieder ein Brunnen, diesmal eine Stiftung der Aachener Bank für die Bürger der Stadt. Und bei denen kommt dieses Wasserspiel auch gut an, genau wie bei den Touristen. An diesem Brunnen befinden sich, wie der Name schon sagt, verschiedene Puppenfiguren. Da gibt es eine Marktfrau und ein Mannequin, einen Professor und den Domherr, und noch so einige mehr. Die Gliedmaßen all dieser Figuren sind beweglich. Dadurch können sie durch den Besucher verändert werden, und dem Brunnen somit immer ein anderes Bild geben. Ein Tummelplatz für kleine (und große) Spielkinder.





DER AACHENER DOM

Wenige Schritte weiter stehen wir dann an der Rückseite des Domes. Bevor wir dem jetzt einen kleinen Besuch abstatten, erzählt uns unsere Stadtführerin noch, warum es direkt neben den großen Dom auch noch eine weitere, kleinere Kirche gibt. Die ist nämlich gebaut worden, als nicht mehr alle Aachener Gläubige in den Dom passten. So mussten dann die armen Leute in die kleine Kirche gehen, während die reichen weiter an dem Gottesdienst im Dom teilnehmen durften.

Apropos Dom: Es ist der Aachener Dom, der 1978 als erstes deutsches Kulturdenkmal in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurde. Worauf die Aachener natürlich mit Stolz immer wieder drauf hinweisen. Wir umrunden also den Dom, und stehen dann vor der wuchtigen Eingangstür. Bevor unsere Stadtführerin uns jedoch mit hinein nimmt, bekommen wir erst einmal eine weitere Sage erzählt, nämlich die Dombausage. Und die darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben:

Kurz vor der Fertigstellung des Doms war den Aachenern das Geld ausgegangen, an den Weiterbau war nicht zu denken. Da stand plötzlich eine Gestalt auf dem Rathausplatz, die den Bürger so viel Geld versprach, wie sie zur Fertigstellung benötigen würden. Die Aachener, nicht dumm, entdeckten den Klumpfuß an der Gestalt, und folgerten daraus, dass es sich dabei um den Teufel handelt. Und richtig: Als Gegenleistung für das Gold forderte die Gestalt die erste Seele, die nach Vollendung den Dom betritt. Die Aachener nahmen das Geld, und bauten dem Dom zu Ende. Vor dem ersten Gottesdienst gingen sie dann in den nahegelegenen Wald, und fingen einen Wolf. Diesen jagten sie als erstes durch die Tür. Schließlich war es ja nicht vereinbart worden, dass es ein Menschliches Wesen sein musste. Der Teufel stürzte sich auf das Tier, riss die ihm Seele heraus, und bemerkte erst dann, dass die Aachener Bürger ihn aufs Kreuz gelegt hatten. Vor Wut schäumend rauschte er durch die Domtür hinaus ins Freie, schlug die Tür hinter sich zu, und blieb dabei mit einem Daumen in dem rechten der beiden Wolfsmünder aus Bronze hängen. Der Daumen brach ab, und ist im Mund des Wolfskopfes noch heute zu ertasten. Vor Wut über den Verlust trat der Teufel noch einmal kräftig unten rechts gegen die Tür, bevor er in Windeseile den Schauplatz verließ.





Und die Moral von der Geschichte, die stammt nun auch nicht von mir, sondern die kennt heute schon jedes Aachener Kind:

„De Oecher send der Düvel ze lous“.

Was auf gut deutsch so viel bedeutet wie: "Die Aachener sind dem Teufel zu schlau".
Nun denn, wenn die es so sagen…

Wem es übrigens gelingen sollte, den Daumen des Teufels ganz herauszuziehen, der erhält vom Domkapitel ein goldenes Kleid. So sagt man zumindest :-)

Nun aber hinein in den Dom. Wir machen nur einen Kurzbesuch, schließlich haben wir Morgen eine Dom- und Domschatztour gebucht. Aber sofort fällt mir der riesige Leuchter auf, der in der Mitte des Gebäudes von der Decke hängt. Bis ganz oben geht die Kette, die dieses Ungetüm hält, und ich nehme mir vor, unseren morgigen „Guide“ mal darauf anzusprechen.



Einmal gehe ich innen den Rundweg entlang, das steigert die Vorfreude auf die morgige Besichtigung. Es ist, das kann ich für mich jetzt schon sagen, auch von innen ein imposantes Bauwerk.

Wir verlassen den Dom wieder durch die vom Teufel malträtierte Tür, und machen uns auf dem Weg zum Rathaus. Dabei kommen wir, natürlich, an einem weiteren Brunnen vorbei, dem Fischerbrunnen, oder, wie die Aachener sagen, dem „Fischpüddelchen-Brunnen“. Der erinnert an die Zeit, als hier an dieser Stelle Fische aus den umliegenden Teichen und Bächen verkauft wurden. Das Original aus dem Jahre 1912 wurde übrigens im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Die jetzt zu bewundernde Statue wurde 1954 neu gegossen und aufgestellt.



Direkt gegenüber befindet sich das Grashaus. Es wurde im Jahr 1267 fertiggestellt, und dort war bis Mitte des 14. Jahrhunderts das Aachener Rathaus untergebracht. Heute beherbergt es das Stadtarchiv.



DAS RATHAUS

Jetzt aber endlich hinüber zum Rathaus. Vor diesem, auf dem Rathausplatz, befindet sich übrigens … ein Brunnen. Hier steht Karl der Große, und zeigt sich in seiner vollen Pracht. Allerdings ist auch diese Statue nur eine Kopie: Das Original wurde im Krönungssaal des Rathauses untergebracht, nachdem es mehrfach den Streichen von (vermutlich) Studenten zum Opfer gefallen war.







Unsere Stadtführung beinhaltet auch eine Besichtigung dieses Rathauses, und genau das nehmen wir nun in Angriff. Zwischen 1330 und 1349 wurde es gebaut, und beherbergt unter anderem auch einen festlichen Krönungssaal. Hier fanden bis in die frühe Neuzeit die prunkvollen Festmähler der Könige statt, nachdem sie zuvor im Dom gekrönt worden waren. Heute findet hier unter anderem die Übergabe des Aachener-Karl-Preises statt. Auch ohne solche Veranstaltung finde ich den Raum sehenswert. Zurückhaltend ausgestattet, bietet er einen schönen Rahmen für eine solche Festivität. Auch der Rest des Rathauses kann sich sehen lassen. Und alles kann besichtigt werden, bis auf die Amtsräume des Oberbürgermeisters und dem Granusturm. In letzterem werden unter anderen Urkunden der Stadt gelagert. Alte Papiere, denen man kein Massentourismus zumuten möchte.











Unsere Stadtführung ist an dieser Stelle dann zu Ende. Nach der vielen Kultur und dem langen laufen ist es Zeit für eine Stärkung, und die finden wir gleich hier auf dem Rathausplatz. Im Schatten unter einen großen Sonnenschirm sitzen, eine Kleinigkeit essen und etwas trinken - so einfach kann man Menschen zufrieden stellen. Einige nutzen die Zeit, um zurück zum Hotel zu gehen, und dort einzuchecken. Die anderen wollen das am Abend machen, und genießen einfach nur die Pause.



DAS ZEITUNGSMUSEUMS

Und diese Pause geht bis 16:30 Uhr. Dann steht unsere Besichtigung des Zeitungsmuseums an.



Eine Stunde lang werden wir durch die Räume in den verschiedenen Etagen geführt, und uns wird schnell klar, dass es nicht nur ein Zeitungsmuseums ist, sondern eigentlich mehr ein MEDIENmuseum. Viele Themenbereiche werden hier angeboten, unter anderem:

a) Wie entstehen Nachrichten?
b) Beispiele für Bildmanipulation
c) Beispiele für Zensur
d) Nachrichten der Zukunft

Und noch so einiges mehr. Interessant finde ich den Versuch, eine Zeitung von einem bestimmten Stichtag aus allen Ländern der Welt zu bekommen. Ganz hat das leider nicht geklappt, es ist ein Zeitraum von zwei Monaten geworden. Die einzelnen Exemplare wurden digitalisiert und können nun über eine große Weltkarte visuell angezeigt werden. Überhaupt ist hier viel Interaktivität möglich. Ich wäre gerne nach der Führung noch eine Weile durch die verschiedenen Räume gestromert, aber es gibt hier leider keine Klimaanlage. Dadurch ist es in dem Gebäude sehr, sehr war. Zu warm für uns, wir sind froh, als wir wieder draußen an der Luft sind.
Ein Zitat ist mir dann aber doch noch besonders in Erinnerung geblieben, und zwar von Robert Lembke. Er hat gesagt: „Seit der Erfindung des Fernsehers ist aus dem Kreis der Familie ein Halbkreis geworden“. Da ist was dran, finde ich. Oder besser gesagt, da WAR was dran. Denn während wir langsam durch die Innenstadt zurück Richtung Elisengarten gehen, denke ich mir, dass dieser Satz heute wohl schon keine Gültigkeit mehr hat: Mittlerweile steht in jedem Zimmer so ein Fernseher, und jeder guckt für sich allein. Wobei der Fernseher nunmehr auch schon so nach und nach durch den Computer ersetzt wird…



Wir erreichen den Elisengarten. Hier gibt es mehrere Lokale, und alle sind überfüllt. Daher sind wir froh, bereits im Vorfeld in dem Restaurant „Elisenbrunnen Aachen“ einen Tisch vorgebucht zu haben. Für elf Personen findet man ohne Reservierung nämlich nicht so leicht genügend freie Plätze. Aber so haben wir einen schönen Platz mit Blick in den Garten, und lassen uns Essen und Trinken schmecken. Leider sind die Portionen dort nicht gerade üppig: ALLE elf essen wir unsere Teller ratzekahl leer…

Später dann, auf dem Weg zu unserem Hotel, legen wir in einem Biergarten noch eine kleine Pause ein, um etwas zu trinken. So ist es ungefähr 22:30 Uhr, als wir schließlich im Hotel ankommen.



Gute Nacht, Karl ...




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