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Bremen 2014: Ein Wochenende in der Hansestadt an der Weser


Samstag

Es geht gleich „gut“ los in Bremen: Die Deutsche Bahn erreicht den Hauptbahnhof mit Verspätung. Daher müssen wir uns beeilen: Zunächst zum Hotel, um dort unsere Koffer und Taschen abzugeben, dann in die zum Glück nicht allzu weit entfernte Kaffeerösterei Münchhausen. Eigentlich war ja entspanntes einchecken angesagt, aber die DB hat wohl etwas dagegen …


In der Kaffeerösterei Münchhausen


-> Die Kaffeerösterei Münchhausen


-> Die Kaffeerösterei Münchhausen


So sind wir ein wenig aus der Puste, als wir vor der kleinen Privatrösterei stehen. Diese befindet sich in einer Nebenstraße unweit des Zentrums und als wir durch die Eingangstür in das Gebäude hinein gehen, fühlen wir uns unversehens einige Jahrzehnte zurück versetzt. Raumhohe Holzregale und Vitrinenschränke drücken sich hinter dem Verkaufstresen an der Wand entlang, und allen Möbeln sieht man an, dass sie schon einige Jahre „auf dem Buckel“ haben.

Herzlich begrüßt werden wir in diesem Ambiente von Natalie Prüße, der Enkelin des Unternehmensgründers August Münchhausen. Und sie kommt auch gleich zur Sache, erzählt von ihrem Großvater und den Anfänger der Rösterei. Sehr kurzweilig spannt sie dann den Bogen über die nun fast schon 80 Jahre andauernde Kaffeeleidenschaft der Familie Münchhausen, die 1935 auf dem Teerhof in Bremen begann und bis heute anhält: Von dem bereits erwähnten August Münchhausen über dessen Tochter, Frau Dr. Münchhausen-Prüße bis hin zur Enkelin Natalie Prüße, die vor nicht allzu langer Zeit auch in das Familienunternehmen eingestiegen ist.



-> Im Verkaufsraum der Kaffeerösterei Münchhausen


Nach diesem verbalen Ausflug in die Firmengeschichte folgen wir einem Mitarbeiter in einen Vorführraum. Hier bekommen wir einen Vortrag über die verschiedenen Kaffesorten, die es auf der Welt gibt. Insbesondere aus Afrika und Südamerika bezieht die Firma Münchhausen ihren Rohkaffee und verarbeitet ihn hier vor Ort weiter. Wir bekommen je einen Kaffee aus Äthiopien und einen aus Costa Rica zum probieren eingeschenkt, und dann natürlich auch noch ein Tässchen von der Festtagsmischung, dem „Aushängeschild und Verkaufsschlager“ der Firma.

Im Anschluss daran werden wir, nun wieder von Natalie Prüße, durch die Produktionsräume geführt, die zum Teil auch als Museum dienen: In der Röstanlage aus dem Jahr 1958 wird auch heute noch der Rohkaffee geröstet, und zwar je nach Sorte zwischen 12 und 20 Minuten bei einer Temperatur von um die 200° C. Alle drei bis vier Minuten unterbricht Frau Prüße den Röstvorgang und zeigt uns, wie die Bohnen sich allmählich vom Rohkaffee in die uns bekannte und genießbare Kaffeebohne verwandelt. Wirklich sehr interessant und sehenswert.



-> Führung durch das kleine Kaffeemuseum


-> Führung durch das kleine Kaffeemuseum


-> Kaffeepflanze und -bohne in verschiedenen Wachstums- bzw. Röstphasen


Zum Abschluss unseres Besuches darf dann natürlich auch der Kauf des Kaffees nicht fehlen. Und fast alle greifen zu. Nur ich als Teetrinker halte mich zurück. Interessant war der Besuch hier für mich auf jeden Fall, aber zum Kaffee wechsle ich deswegen trotzdem nicht :o)

Unweigerlich kommt ganz zum Schluss natürlich noch die Frage auf, ob Großvater August Münchhausen etwas mit dem berühmten Lügenbaron zu tun hat. Aber die Antwort auf diese Frage könnt ihr ja auch selbst herausfinden… (Kaffeerösterei Münchhausen)


Wir verlassen die Kaffeerösterei Münchhausen und machen uns auf den Weg in Richtung Marktplatz. Dort wollen wir uns um 13:45 Uhr mit Frau Hannelore Hohmann, einer Stadtführerin, treffen, die mit uns einen Rundgang durch die historische Altstadt machen wird. Wir haben bei den Münchhausen’s überzogen, daher reicht unsere Zeit so gerade noch für ein Erfrischungsgetränk in einem der zahlreichen Lokale, die es rund um den Bremer Marktplatz gibt. Wir haben Glück mit dem Wetter, es ist recht warm und die Sonne scheint vom blauen Himmel. Da ist eine Erfrischung immer sehr willkommen.


-> Bremens Zentrum: Der Marktplatz


Frau Hohmann startet direkt hier am Marktplatz mit ihrer Führung. Er bildet sozusagen das Herzstück der Stadt und hier finden wir Rathaus, Dom und Roland sowie verschiedene Kaufmannshäuser aus der Zeit der Weser-Renaissance. Und natürlich die weltbekannten Bremer Stadtmusikanten. Und auch das "Haus der Bürgerschaft", also das Bremens Landesparlament befindet sich hier. Immerhin ist Bremens Bürgermeister gleichzeitig auch Ministerpräsident des Bundeslandes Bremen. Unsere Frage, ob der auch für beide Posten Gehalt bezieht, konnte unsere Stadtführerin aber leider nicht beantworten…


In der Böttcherstraße

Danach verlassen wir den Markplatz mit all seinen Sehenswürdigkeiten. Auf die kommen wir später noch zu sprechen. Jetzt gehen wir erst einmal Richtung Südwesten bis zur Böttcherstraße. Die gilt als die heimliche Hauptstraße Bremens und ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Noch berühmter ist allerdings ihr Erbauer, Ludwig Roselius. Wie, den kennt Ihr nicht? Das ist doch der Erfinder des koffeinfreien Kaffee HAG! Na gut, ich gebe zu, der Name Roselius sagte mir bis heute ehrlich gesagt auch nichts :o) Aber es ist schon beeindruckend, was er hier zwischen 1922 und 1931 erschaffen hat. Viele kleine Fachgeschäfte, Esslokale und Museen finden wir, alle Architektonisch hübsch anzusehen. 108 Metern ist die Böttcherstraße lang und jeder davon ist sehenswert.


-> In der Böttcherstraße



-> In der Böttcherstraße


Bremens Vorzeigeviertel: Das Schnoor

Wir verlassen diese schöne Straße, gehen weiter in Südwestlicher Richtung, schlendern ein wenig an der Weser entlang und biegen schließlich links ab Richtung „Schnoor“. Das ist eines der ältesten Stadtviertel hier in Bremen, das aber mit viel Aufwand restauriert wurde, ohne dabei die ursprüngliche Bausubstanz zu zerstören.

Früher wurde das Viertel in erster Linie von Fischern und Seeleuten bewohnt, da unmittelbar nebenan die Balge verlief, ein Nebenarm der Weser. Heute findet man hier exquisite Läden, viele Kunsthandwerksbetriebe, Antiquitätengeschäfte und urige Kneipen, Cafés und Restaurants.

Unsere Reiseleiterin erklärt uns, dass der Begriff „Schnoor“ ursprünglich von 'Schnur' abstammt und auf die kleinen, wie an einer Schnur angereihten Häuser anspielt. Und genau so sieht es hier auch aus. Manche der Gassen zwischen diesen Häusern sind so schmal, dass gerade mal genau ein Mensch hindurch passt. Bei „Gegenverkehr“ staut sich alles und Geduld ist gefragt. Die vielen kleinen Geschäfte laden zum stöbern ein und wir beschließen, das wir hierher unbedingt noch einmal zurück kommen möchten.


-> Typische Häuserfront im Schnoorviertel



-> Durch enge Gassen...


Heini Holtenbeen, das Bremer Original

Wir verlassen den Schnoor, allerdings nicht ohne vorher noch einen kurzen Halt an der Bronzeskulptur von Heini Holtenbeen gemacht zu haben. Dieses Bremer Original, der eigentlich Jürgen Heinrich Keberle hieß, lebte von 1835 bis 1909 hier in Bremen und es ranken sich jede Menge mehr oder wenige lustige Geschichten um ihn. Ein „Holtenbeen“, als ein Holzbein, hatte er zwar nicht, nach einem Sturz durch eine Dachluke behielt er allerdings ein steifes Bein. Und einen leichten Hirnschaden, der ihn durchaus so etwas wie Narrenfreiheit garantierte.



-> Heini Holtenbeen, das Bremer Original


-> Gedenktafel für Heini Holtenbeen


Unsere Reiseleiterin, Frau Hohmann, erzählt uns an dieser Stelle ihre Lieblingsgeschichte von Heini:


Als Heini merkte, dass es mit ihm zu Ende ging, sagte er zu seiner Frau:
„Bevor nun bald der Teufel kommt, um mich zu holen, möchte ich, dass Du Dich noch einmal so richtig schön für mich machst. Aber so richtig, richtig schön“.
Also ging Heini's Frau zum Friseur, zog sich dann ihre neusten und schönsten Sachen an, und trat zu Heini an das Krankenbett. Heini sah sie an und sagte:
„Also wenn nun der Teufel kommt, um mich zu holen, und dann sieht, wie schön Du bist, dann nimmt er doch lieber Dich..."



Ja, ja, das war schon ein listiger Busche, dieser Heini …


Das Birgitten-Kloster

Wir gehen weiter und kommen an einem Kloster vorbei, genauer gesagt, dem Birgitten-Kloster. Immer, wenn ich an ein Kloster denke, kommen mir alte Gemäuer in den Sinn, mit grauen Wänden, dunkel, kahl und kalt. Aber hier ist alles anders. Erst im Jahre 2001 wurde mit dem Bau begonnen und ein Jahr später war es bezugsfertig. Das, was wir sehen können, ist hell, bunt und freundlich. So ganz anders als in meiner Phantasie. Zurzeit sind es sieben Ordensfrauen, die hier leben. Unter anderem betreuen sie auch 12 Zimmer, in denen bis zu 18 Gäste übernachten können. Auch eine Möglichkeit, seine Zeit in Bremen zu verbringen.



-> Eingang zum Birgitten-Kloster


-> Kleiner Altar im Birgitten-Kloster


Wir setzen unseren Weg fort zurück Richtung Marktplatz. Wir gehen vorbei an der Propsteikirche St. Johann und später auch am Dommuseum, bis wir schließlich das Rathaus erreichen. Hier endet unsere Führung mit Frau Hohmann. Uns hat es Spaß gemacht, sie hatte eine Menge zu erzählen. Aber die Führung endet nicht ohne Grund direkt am Eingang des Rathauses: Um 16:00 Uhr haben wir eine Rathausführung gebucht und dazu kommen wir genau richtig.


Das Bremer Rathaus


-> Das Bremer Rathaus


Die Führung beginnt unten im Eingangsbereich. Hier erfahren wir zunächst ganz allgemeine Fakten: Zwischen 1405 und 1410 wurde es im gotischen Stil erbaut, die Fassade in der in dieser Zeit für diese Gegend typischen Weserrenaissance. Es ist der Sitz des Bürgermeisters und des Senats. Und außerdem auch Dienstsitz für rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bremer Stadtverwaltung. Deren Büros bekommen wir zwar nicht zu sehen, aber ganz ehrlich: Das finde ich nicht wirklich schlimm.

Wir gehen eine breite Treppe hinauf nach oben. Leider ist es ziemlich voll hier und so kann ich nicht alles verstehen, was der Mann erzählt, der uns durch das Rathaus führt. Oben angekommen betreten wir den Festaal. Er ist beeindruckend groß, sogar der größte Raum im Neuen Rathaus. Er wird genutzt für größere Empfänge, Vorträge, festliche essen usw. Von einer Galerie aus, sich sich im rechten und im hinteren Bereich des Raumes befindet, kann man dem Festtreiben zusehen. Und hinten links befindet sich noch ein kleiner Raum, das Kaiser-Zimmer. Hierhin konnte sich der Kaiser, wenn ihm der Feier-Trubel zu groß wurde, zurück ziehen.


-> Der Festsaal


-> Das Kaiser-Zimmer direkt neben dem Festsaal


Wir gehen weiter in die Obere Rathaushalle. dem bedeutsamsten Raum im Rathaus. Früher Fest- und Sitzungssaal des Rates und des Gerichts finden heute hier Feiern, Empfänge und Konzerte statt. Mit ihren 41 Metern Länge, 13 Meter breite und 8 Meter Höhe gehört er zu den Nordeuropas größten stützenlosen Hallen des Mittelalters. Auffällig sind die vielen, von der Decke herabhängenden Kriegsschiffsmodelle. Einige von ihnen sind mit Miniaturkanonen ausgestattet, die frühen zu besonderen Anlässen sogar Böllerschüsse abgegeben haben.


-> Die obere Rathaushalle


-> Die obere Rathaushalle


Direkt nebenan befindet sich die sogenannte Güldenkammer. Sie hat ihren Namen aufgrund der vergoldeten Ledertapeten, mit denen die Wände geschmückt sind. Der Raum darf leider nicht betreten werden und so wirft jeder Besucher durch die offene Tür nur einen kurzen Blick hinein.


-> Die Güldenkammer, Schmuckstück im Rathaus


Wir gehen wieder die Wendeltreppe hinab, wobei unser Ratshausführer auf einen Rahmen an der Wand aufmerksam macht. Darin befindet sich, wie er mit sichtlichem Stolz erklärt, die Ernennungsurkunde für das Rathaus sowie dem auf dem Marktplatz stehenden Roland zum UNESCO Welterbe.



-> Ernennungsurkunde zum UNESCO Welterbe


Eine Stunde lang dauerte die Ratshausführung und es ist fast 17:00 Uhr. Wir gehen zu unserem Hotel, beziehen die Zimmer und machen uns dann auf zum Ratskeller Bremen. Dort haben wir einen Tisch für das Abendessen reserviert. Unten, in dem angenehm kühlen Gewölbe, lassen wir uns schmecken, was die Küche hergibt. Danach schlendern wir noch ein wenig an der "Schlachte", der Flaniermeile direkt an der Weser entlang und lassen den Abend schließlich in einem Lokal direkt am Fluss ausklingen.

-> Abend an der Weser...


Ach ja, die Bremer Stadtmusikanten: Eigentlich wollte ich auf die ja erst Morgen zu sprechen kommen. Aber warum nicht einen kleinen Vorgeschmack auf die wohl berühmtesten „Bürger“ der Stadt geben. Hier also ein Bild der Stadtmusikanten bei Nacht:



-> Die Bremer Stadtmusikanten bei Nacht


:o)




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