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2014 Brügge: Kurztripp in Belgiens Weltkulturerbestadt


Zwei Tage sind natürlich viel zu kurz, als das man in einer Stadt wie Brügge alles sehen könnte. Daher folgt hier nun auch kein ausführlicher Reisebericht. Dafür aber ein kleiner Bilderbogen über diese wirklich schöne Stadt.


Zunächst aber ein klein wenig Geschichte:

Brügge war im Mittelalter wirtschaftlich und kulturell eine der reichsten Städte Europas. Das lag in erster Linie daran, dass sie seinerzeit direkt mit dem Meer verbunden war. Es wurde mit praktisch allem gehandelt, was damals gefragt und wertvoll war: Wolle, Gewürze, Brokat, Pelze, Hölzer, Lammfelle, Wein, Gobelins … Auch die Hanse, die mächtige Vereinigungen niederdeutscher Kaufleute, hatte ein Kontor in Brügge errichtet. Kurz gesagt: Der Stadt und seinen Bürgern ging es blendend und das sah man auch an den prächtigen Gebäuden, die es in der Stadt gab.

Zum Ende des 15. Jahrhunderts jedoch versandete der „Zwin“, Brügges Zugang zur Nordsee. Die Stadt war dadurch vom Meer abgeschnitten. Andere Städte, wie zum Beispiel Antwerpen, übernahmen nach und nach den Handel, der bisher über Brügge abgewickelt worden war.

In der Folgezeit verarmte Brügge. Wechselnde Herrschaftsverhältnisse trugen auch nicht zur Verbesserung der Situation bei. Nacheinander stand die Stadt unter spanische, habsburger, französischer und niederländischer Herrschaft, bis sie im Jahre 1830 Teil des neuen Königreichs Belgien wurde. Aber erst als 1907 der Anschluss an den Seehafen Zeebrügge geschaffen wurde, ging es mit der Stadt und seinen Bürgern langsam wieder bergauf. Seit 1949 beherbergt Brügge das „College of Europe“ (Europakolleg). 1960 wurde die Stadt für ihre herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken mit dem Europapreis ausgezeichnet. Und im Jahr 2000 ernannte die UNESCO den mittelalterlichen Stadtkern von Brügge zum Weltkulturerbe. So profitiert Brügge heute von dem jahrhundertelangen Stillstand, durch den der mittelalterliche Stadtkern unverbaut erhalten geblieben ist. Und genau wegen dem kommen heute so viele Touristen nach Brügge.
So wie wir :o)




Grote Markt

Zentraler Platz im Stadtkern von Brügge ist der Grote Markt, der große Markt. Dieser war im Mittelalter noch mit dem Schiff erreichbar. Und hier und in den angrenzenden Hallen wurden auch die vielen Waren gelagert und gehandelt.

Heute ist der Platz ringsum von Gebäuden umgeben. An zwei Seiten beherrschen Geschäfte und Lokale das Bild, an den anderen beiden Seiten der Belfried und das Rathaus.



-> Auf dem Grote Markt, dem zentralen Platz von Brügge Stadtkern



-> Auf dem Grote Markt, dem zentralen Platz von Brügge Stadtkern


Belfried

Der wichtigste Turm von Brügge stammt aus dem 13. Jahrhundert, ist 83 m hoch und bereits seit 1999 Weltkulturerbe: Der Belfried. Mehrmals brannte die hölzerne Spitze des Turmes ab, und genau so oft wurde sie wieder ersetzt, bis 1822 schließlich eine steinerne Krone aufgesetzt wurde. In seiner Geschichte hatte er verschiedene Aufgaben: Er war Teil der Markthallen und bot Lagermöglichkeiten, er beherbergte das Stadtarchiv, er diente als Wachturm, von dem aus man Brände innerhalb Brügges oder auch sich nähernde Angreifer schnell entdecken konnte und dessen Glocke ein gut und weithin hörbares Warnsignal war. Und er verdeutlichte den damaligen Besuchern Brügges, wie reich die Stadt und deren Bürger waren.

Heute dient der Belfried in erster Linie für verschiedene Veranstaltungen, wie Messen oder Ausstellungen. Und natürlich als Anziehungspunkt für Touristen.



-> Der Belfried, wichtigster Turm von Brügge



-> Imposante 83 Meter ist der Belfried hoch



-> Infotafel am Belfried


Rathaus

Das Brügger Rathaus ist eines der ältesten Rathäuser Flanderns und stammt aus dem Jahr 1376. Gebaut wurde es also genau zu der Zeit, in der Brügge das wichtigste Wirtschaftszentrum Nord-westeuropas war. Zu jener Zeit wohnten mehr als 40.000 Menschen in Brügge, und das Rathaus zeigt recht eindrucksvoll, wie reich und bedeutend die Stadt zu der Zeit war.



-> Das Rathaus am grote Markt


Denkmal auf dem Grote Markt

1887 wurde auf dem großen Markt das Denkmal für Jan Breydel und Pieter de Coninck errichtet. Die beiden waren die Anführer der Brügger Zünfte im Freiheitskampf gegen die französische Be-satzung. Am 11. Juli 1302 gelang es den aufständischen Zünften unter ihrer Leitung, die französi-schen Soldaten vernichtend zu schlagen und somit eine weitgehende Autonomie von Frankreich zu erlangen. In Gedenken an diesen Tag ist der 11. Juli ein Nationalfeiertag in Flandern.



-> Denkmal für den Freiheitskampf


Heilig-Blut-Basilika

In der Nähe des großen Marktes befindet sich der „Burg“, der architektonisch als der wohl bedeutendste Platz von Brügge bezeichnet wird. Dort, wo im 9. Jahrhundert noch eine Festung zum Schutz der Küste vor den Wikingern stand, steht heute eine Kirche. Und in dieser befindet sich eine Ampulle mit dem Blut Christi, die der aus Brügge stammende Graf und Kreuzritter Dietrich von Elsass für seine Tapferkeit während des Zweiten Kreuzzuges in Jerusalem erhalten haben soll. Diese Reliquie wird seit 1291 immer zu Christi Himmelfahrt während der sogenannten „Heilig-Blut-Prozession“ durch die Stadt getragen. Diese Prozession wurde 2009 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.



-> Die Heilig-Blut-Basilika


Die Godshuisjes

Überwiegend aus dem 14. Jahrhundert sind die kleinen, weiß gekälkten „Godshuisjes“. Diese “Gotteshäuschen” sind zumeist um einen kleinen Innenhof herum angelegt und wurden von den reichen Bürgern der Stadt für die Alten, Armen und Witwen errichtet, damit diese eine Bleibe hatten. Im Innenhof, den heute zumeist bunte Blumen und Sträucher zieren, konnten die Bewohner damals ihr Gemüse anbauen.

Heute sollen es 46 dieser Gotteshaussiedlungen sein, die über die ganze Stadt verteilt sind.



-> Die Godshuisjes, sozialer Wohnungsbau im Mittelalter


Beginenhof

Der „Fürstliche Beginenhof Ten Wijngaarde“ ist ein Kloster, das von den Benediktinerinnen bewohnt wird. Neben dem 1245 gegründeten Kloster gehören auch ein Museum sowie ein hübscher kleiner Klostergarten zu der Anlage.



-> Zugang zum Beginenhof



-> Viel Platz im Beginenhof


Liebfrauenkirche

Wenn weiter oben von dem 83 Meter hohen Belfried die Rede war, so ist diese Höhe nichts im Vergleich zu der des Kirchturmes der Liebfrauenkirche: Stolze 122 Meter misst der und ist damit der zweithöchste Kirchturm ganz Belgiens. Und trotzdem interessieren sich die meisten Besucher weniger für den Turm als vielmehr für das, was IN der Kirche zu sehen ist. Denn dort befindet sich etwas ganz besonderes, nämlich die Marmorstatue "Madonna mit Kind" von Michelangelo, auch “Brügger Madonna” genannt. Diese in den Jahren 1501 bis 1506 entstandene Skulptur ist eines der wenigen Werke Michelangelos, die Italien verlassen haben. Sie wurde im frühen 16. Jahrhundert von wohlhabenden Händlern aus Siena nach Flandern gebracht.

Darüber hinaus befinden sich in der Kirche aber noch weitere Kunstschätze. Wertvolle Skulpturen und Gemälden sowie kunstvoll verzierte Grabplatten und Grabmale können hier vom Kulturinteres-sierte besichtigt werden.



-> Stolze 122 Meter hoch: Die Liebfrauenkirche



-> "Madonna mit Kind": Gesamtansicht



-> "Madonna mit Kind": Detailansicht



-> Infotafel



-> Sehenswerrt auch ohne Madonna


Arentshof und Bonifaciusbrücke

Sozusagen im Schatten der Liebfrauenkirche befindet sich der Arentshof. Er liegt direkt an einer kleinen Gracht, ist umgeben von hohen Bäumen und lädt mit seinen Bänken zum verweilen ein. Die schöne Aussicht auf die Kirche sowie auf die Gracht mit den überhängenden Fachwerkhäusern und den vorbeifahrenden Booten machen diesen Platz zu einem perfekten Ort für eine Pause.

Direkt am Rande des Arentshof liegt die Bonifaciusbrücke. Auch wenn sie nicht so aussieht: Sie wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und ist somit eine der jüngsten Brücken der Stadt. Was aber natürlich niemanden davon abhalten soll, die Aussichten ringsherum nicht von dort zu genießen...



-> Arentshof mit Aussicht



-> Bonifaciusbrücke


Brauerei De Halve Maan

Mitten im Zentrum von Brügge befindet sich “De Halve Maan”, eine Hausbrauerei, die seit 1856 in mittlerweile sechster Generation das “Brugse Zot” braut. Die Brauerei kann besichtigt werden, der Besucher kann sich aber auch einfach nur in den Biergarten setzen und dieses obergärig gebraute Bier verköstigen.



-> Schild neben dem Eingang zur Brauerei



-> Empfangskomitee



-> Jede Menge Biere ...



-> ... auch ungewöhnliche Sorten.


Windmühle am Kruispoort

Brügge war im Mittelalter umgeben von Wällen und Wassergräben- Der Zugang war nur durch eines der Stadttore möglich, die in den Wällen eingelassen waren. Nahe einem dieser Tore, dem “Kruispoort”, befinden sich heute noch vier von ehemals insgesamt zwanzig Windmühlen. Zwei davon sind bis heute voll funktionsfähig.



-> Windmühle am Kruispoort


Grachten

Brügge nennt man häufig auch „das Venedig des Nordens“. Grund dafür sind die vielen Kanäle, „Reie“ genannt, die die Stadt durchziehen und umkreisen. Teils folgen sie natürlichen Wasserläufen, teils wurden sie künstlich angelegt.

Wer mag, kann sich auf einer der zahlreichen Booten, die hier auf den Grachten unterwegs sind, die Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus ansehen.



-> Unzählige Grachten durchziehen Brügge



-> Unzählige Grachten durchziehen Brügge



-> Unzählige Grachten durchziehen Brügge



-> Unzählige Grachten durchziehen Brügge


Zeebrügge

Ein Besuch Brügges ohne seinen Hafen Zeebrügge wäre wohl unvollständig. Schließlich gilt er als einer der modernsten und wichtigsten in ganz Europa. Gründe dafür sind in erster Linie die Nähe zu England sowie sein Zugang mit großen Wassertiefen.

Bauzeit war von 1892 bis 1907 und der damalige belgischen König Leopold II. weihte in persönlich ein.

Zeebrügge ist aber nicht nur ein reiner Hafen. Neben dem Zentrum gibt es dort auch ein Strandviertel, Bad Seebrügge genannt.



-> Blick auf den Hafen



-> Strandansicht



-> Strandansicht



-> Strandansicht


Fazit:

Leider war die Zeit in Brügge viel zu kurz. Gerne hätte ich so manches der hier vorgestellten Bauwerke auch von innen besichtigt. Und neben den historischen Gebäuden bietet Brügge noch einiges mehr. Ein Schokoladen- und ein Diamantenmuseum zum Beispiel. Oder die „Sound Factory”, in der man nach Herzenslust mit Glocken und Klängen experimentieren kann.

Entdeckt werden kann die Stadt auf vielfältiger Art und Weise: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad, mit dem Boot oder der Kutsche, mit dem Bus oder sogar mit dem Heißluftballon.

Aber eines sollte jedem Brügge-Besucher klar sein: Die Stadt ist voll von Touristen. Und besonders bei schönem Wetter müssen Wartezeiten bei allen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten eingeplant werden.



-> By by Brügge ...


Links:

brügge.net

bezoekers.brugge.be



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