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Motorradtour Südnorwegen 2015

 1. Tag  

Mit einem Schlag bin ich hellwach. Unser Schiff hat sich aus den Wellen erhoben und fällt nun mit einem lauten Knall auf das Wasser zurück. Es schlingert und schaukelt, neigt sich nach rechts und nach links, nach oben und nach unten. Einige der Passagiere schreien erschrocken auf, kleine Kinder weinen, Geschirr zerschellt auf dem Boden.

Die Überfahrt von Hirtshalts in Dänemark nach Kristiansand im Süden von Norwegen scheint lustig zu werden…

Dabei hatte ich mich auf ein wenig Schlaf gefreut. Gestern Abend sind wir zu Hause gestartet. Die Motorräder hatten wir hinter einem PKW auf einen Anhänger verladen und waren die ganze Nacht hindurch Richtung Norden gefahren. Wir hatten uns am Steuer abgewechselt und versucht, in den Zeiten dazwischen ein wenig Schlaf zu finden.
Heute Morgen sind wir in Hirtshalts angekommen. Dort haben wir die Motorräder abgeladen, das Auto samt Hänger auf einen Campingplatz abgestellt, und sind anschließend auf unseren Maschinen zum Hafen gefahren. Dort haben wir bei der „Fjordline“ eingecheckt für die Fähre hinüber nach Kristiansand. Und eigentlich ist nun während der Überfahrt schlafen angesagt. Wäre da nicht dieser kräftige Wind, der unser Schiff immer wieder durchschüttelt. Wenn ich mich hier so umsehe, dann weiß ich nun immerhin, was es bedeutete, „ganz grün im Gesicht“ zu sein. Menschen, die unter Seekrankheit leiden, haben hier definitiv keinen Spaß. Zum Glück habe ich damit keine Probleme.


-> Vorfreude: Am Schiffsanleger in Hirtshalts, Dänemark.

-> Wir "fliegen" über das Wasser: Auf dem Weg nach Kristiansand.

-> Kurz vor Kristiansand sind wir wieder in ruhigen Gewässern.


Gegen 14:45 Uhr und somit mehr als dreißig Minuten verspätet erreichen wir schließlich Norwegen. Die Erleichterung, im sicheren Hafen angekommen zu sein, ist bei den meisten regelrecht greifbar. Wir schließen uns den Menschen an, die auf das Autodeck und zu ihren Fahrzeugen strömen. Und kurz darauf rollen wir auch schon vom Schiff hinunter auf norwegischen Boden.

Als erstes fahren wir in die Innenstadt von Kristiansand. Nein, besichtigen wollen wir den Ort nicht. Wir suchen lediglich einen Geldautomat, um uns mit norwegischen Kronen zu versorgen. Hier in der Stadt ist es fast ganz windstill, die Sonne scheint hell und warm vom blauen Himmel und wir sind in unserer Motorradkluft froh, nach erfolgreicher Geldabhebung wieder aufsitzen und fahren zu können. Nichts wie raus aus der Stadt, lautet unsere Parole.

Wir wollen heute noch nach Lindesnes, dem südlichsten Punkt in Norwegen. Dazu verlassen wir Kristiansand, folgen der E39 in westlicher Richtung, bis wir direkt hinter dem Örtchen Veggjeland auf die Landstrasse 460 wechseln und Richtung Süden hinunter zur Küste fahren. Eine schöne Gegend ist das hier, man könnte fast sagen, Norwegen „en miniature“. Wenn der ganze Urlaub ein so entspanntes fahren bei schönem Wetter ist wie hier und jetzt, dann werden wir eine Klasse Zeit haben.

Bald darauf erreichen wir einen kleinen Parkplatz, von dem aus wir uns zu Fuß aufmachen zum „Lindenes Fry“. Das ist der älteste Leuchtturm Norwegens und der steht gleichzeitig am südlichsten Punkt des Landes. Zwei Superlative also. Das ist wohl auch der Grund, warum die Norweger Eintritt verlangen. Allerdings nur solange, wie der ebenfalls hier errichtete Souvenirshop geöffnet hat. Davor und danach können die Touristen umsonst hier durchgehen. Heute hat der kleine Laden bis 17:00 Uhr geöffnet und da wir erst um kurz nach fünf hier ankommen, gehen wir mit einem breiten Grinsen an Shop und Schranke vorbei, folgen einem kleinem Pfad zwischen riesigen Findlingen hinauf und stehen bald darauf vor dem bei Norwegenurlaubern so beliebten Leuchtturm. Jetzt erst einmal tief Luft holen und dann die Aussicht genießen.


-> Am Leuchtturm von Lindenes: Erst kraxeln, ...

-> ... dann gucken.

-> Kann sich sehen lassen: Aussicht am Leuchtturm von Lindenes.

-> Lindenes, ältester Leuchtturm Norwegens und gleichzeitig südlichster Punkt des Landes.

-> Blick hinunter auf den kleinen Parkplatz.


Hier sind wir also am südlichsten Punkt Norwegens. Bis zum Nordkapp, also dem nördlichen Pendant, sind es exakt 2.518 Kilometer.
Woher ich das weiß? Na ganz einfach, das steht doch da :o)


-> Wer von hier zum Nordkapp will, weiß nun, wo es lang geht.


Wir haben genug gesehen, genügend Fotos gemacht und starten unsere Maschinen. Ein paar Kilometer wollen wir heute noch fahren, bevor wir uns eine Unterkunft für die Nacht suchen. Wir haben uns gegen das zelten entschieden, wollen stattdessen unterwegs in Hütten übernachten. Ob auf dem Campingplatz, Privat oder auf der grünen Wiese ist uns dabei egal. Schon mehrmals waren wir in Skandinavien, dabei auch in Norwegen und haben immer problemlos eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Und so machen wir uns gegen 18:00 Uhr optimistisch auf den Weg und achten dabei auch immer auf Hinweise zu Übernachtungsmöglichkeiten. Allerdings ist heute alles anders als sonst. Die Hütten, an denen wir vorbei kommen, sind fast alle noch geschlossen. Einige wenige, die geöffnet haben, werden noch vom Winterschlaf befreit, sprich restauriert bzw. renoviert und daher noch nicht vermietet. Eine Vermieterin weist uns nach einem Blick auf unsere Motorräder mit dem Hinweis ab, dass sie ausgebucht sei. So langsam wird es knapp für uns. Wir fahren und fahren, haben aber um neun Uhr immer noch keine Bleibe gefunden. In Moi fahren wir an einem Motel vorbei. Kurz beratschlagen wir uns, dann fragen wir dort nach einem Zimmer. 1.190 NOK kostet das für uns drei, inklusive Frühstück. Nein, das wollen wir nicht. Oder doch? Mittlerweile ist es fast halb zehn, in der letzten halbe Stunde sind wir an keiner Hütte mehr vorbei gekommen. Schließlich entscheiden wir uns, nehmen das angebotene 3-Bett-Zimmer. Wir laden unsere Sachen ab, duschen und essen, was unsere mitgebrachte Verpflegung hergibt. Dann fallen wir ins Bett.

Und hoffen, dass es Morgen besser klappt mit der Unterkunftssuche … ;-)


-> Das Motel in Moi. Ganz rechts unten ist unser Zimmer.





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