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2017 Die Saline Gottesgabe in Bentlage


“Saline Gottesgabe “, was für ein Name! Allerdings waren solche Namensgebungen Anfang des 17. Jahrhunderts durchaus üblich. Denn ab da wurde die Saline in Bentlage bei Rheine/NRW zum Zwecke des Salzhandels genutzt. Und in Erwartung der erhofften hohen Erträge gab man ihr diesen Namen.



Saline Gottesgabe Eine kurze Salinen-Geschichte

Die Geschichte der Saline geht allerdings noch viel weiter zurück als ins 17. Jahrhundert. Bereits im Jahre 1022 wurde sie das erste Mal erwähnt. Der Pfarrer der Kapelle, die zu der Zeit hier stand, nutzte die noch recht kleine Anlage zur Deckung des Eigenbedarfs. Und auch die Kreuzherren, die Mitte des 15. Jahrhunderts anstelle der Kapelle ein Kloster errichteten (Kloster Bentlage), betrieben die Saline nur für den Selbstverbrauch. Erst als die Anlage im Jahre 1611 an den Lehnherrn Alexander von Velen verpachtet wurde, baute dieser die Saline für den Salzhandel aus. Je zwei Siedehäuser und Siedepfannen sowie ein sogenanntes Leckwerk zur Erhöhung des Salzgehaltes entstanden. Befeuert wurde die Anlage mit Steinkohle.


Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Saline dann großzügig erweitert. Insbesondere ein rund 300 Meter lange Gradierwerk wurde in dieser Zeit errichtet, außerdem Inspektoren- und Arbeiterhäuser.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts konnte das Salz dann industriell und dadurch deutlich preiswerter produziert werden als über eine Saline. Daher suchte man in Bentlage nach weiteren Einkunftsmöglichkeiten für das Salz und eröffnete 1890 den Bade- und Kurbetrieb. Dieser wurde immerhin bis 1975 betrieben, die Saline selbst stellte bereits 1952 ihre Produktion ein.


Was passiert in einer “Saline” nun eigentlich genau?

In einer Saline wird Salz produziert. Dafür wird die sogenannte “Sole” benötigt. Darunter versteht man ein natürliches Vorkommen an Wasser mit einem möglichst hohen Anteil an Salz (Salzgehalt). Hier in Bentlage beträgt dieser fünf bis neun Prozent. Diese Sole wird gefördert, also an die Erdoberfläche geholt, und dann über ein Gradierwerk geleitet. In diesem Gradierwerk fließt das Salzwasser von oben nach unten über Schwarzdornsträucher. Diese Zweige des Schlehenstrauches haben sich im Laufe der Zeit als das ideale Gradiermaterial herausgestellt. Während die Sole also von oben nach unten fließt, verdunstete ein Teil des Wasser, aber das Salz bleibt dabei nicht an den Sträuchern hängen, sondern fließt mit dem restlichen Wasser weiter nach unten. So wird der Salzgehalt in dem Wasser, das unten ankommt, deutlich höher. In der Saline Gottesgabe erreicht man dadurch einen Salzanteil von 18 bis 22 Prozent. Diese hochprozentige Sole wird dann im Salzsiedehaus erhitzt, so dass am Ende nur das begehrte Salz übrig bleibt.


Die Saline Gottesgabe heute

Saline Gottesgabe Einige der alten Gebäude sind bis heute erhalten geblieben bzw. wurden renoviert. Von dem ursprünglich 300 Meter langen Gradierwerk ist nur noch der 35 Meter lange Westteil erhalten. Der fast genauso lange Ostteil wurde 1966 in alter Form neu erstellt. Im Mittelstück zwischen diesen beiden Teilen wurden Bäume gepflanzt, um die beiden Einzelteile optisch miteinander zu verbinden.

Die komplette Anlage, die zu den ältesten technischen Kulturdenkmälern in Westfalen aus vorindustrieller Zeit gehört, ist nun Teil des „Salinenpark Rheine“. Dieser wurde im Jahre 2004 eröffnet. Park und Saline sind das ganze Jahr über für jedermann zugänglich, die Gebäude dagegen, wie zum Beispiel das Salzsiedehaus, können nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Als ich Anfang November an einem Samstag vor Ort war, bestand dazu leider keine Möglichkeit.




PS:
Dafür gab es anschließend in der Teestube des nahegelegenen Kloster Bentlage einen richtigen leckeren Tee.
Und natürlich auch Kuchen :o)





Hier einige Bilder der Saline und des Salinenparks:




-> Das Salziedehaus der Saline Gottesgabe



-> Der Salzsieder - Bronzeskulptur im Salinenpark Rheine



-> Im Salinenpark Rheine, Blick auf das Gradierwerk



-> Im Salinenpark Rheine, Blick auf das Gradierwerk



-> Im Gradierwerk wird die Sole von oben nach unten geleitet



-> Unten wird die Sole in einem Becken aufgefangen



-> Die Sole tropft von den Sträuchern in das Auffangbecken



-> Das Turbinenhaus. Von hier kommt die Energie für die Soleförderung



-> Das Informationszentrum der Saline Gottesgabe



-> Der Speicherturm, in dem Sole für den Bade- und Kurbetrieb gespeichert wurde



-> Das ehemalige Kindererholungsheim, in dem erkrankte Kinder therapiert wurden



-> Blick auf das Gradierwerk im Salinenpark Rheine



-> Im Salinenpark Rheine



-> Teegenuss in der Teestube des nahegelegenen Kloster Bentlage























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