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Hämelschenburg 2013

Wenn man auf der Hauptstraße durch den Ort „Hämelschenburg“ fährt, kommt man ganz zwangsläufig an der gleichnamigen Burg vorbei. Was auch kein Wunder ist, führt diese Straße doch durch mitten durch das Burggelände. Zu „verdanken“ haben die Burgherren (und –Damen) das den Nazis. Aber dazu später mehr.

Wer von Süden kommt, dem fällt als erstes der große Südflügel des Schlosses auf.




Ziemlich imposant stehen die Mauern auf der linken Seite, und ehrlich gesagt, wundere ich mich jetzt schon, warum so ein schönes Schloss in einem verhältnismäßig kleinem Ort wie Hämelschenburg steht. Aber jetzt heißt es erst einmal, mich auf die Straße zu konzentrieren, denn die macht einen Knick nach links, und dann wird auf der rechten Seite ein Parkplatz ausgewiesen. Na, da sage ich nicht nein…

Vom diesem Parkplatz aus führt ein Fußweg durch einen kleinen Park auf den Burghof. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, liegt das Schloss. Hier auf dieser Seite finde ich ein Café, einen Biergarten und einen Museumsshop, wo man sowohl Literatur über die Anlage als auch Karten für eine Schlossführung kaufen kann. Die nächste Führung beginnt in einer Stunde, und so habe ich Zeit, mich noch ein wenig umzusehen. Meinen Helm und auch die dicke Motorradjacke kann ich auch dort abgeben, was mir das umherlaufen doch sehr erleichtert.

Als erstes betrete ich die kleine Kirche, die sich unmittelbar neben dem Infobüro befindet.




Obwohl die Straße direkt vor der Eingangstür entlang läuft, ist es hier drin sehr ruhig, nichts ist von dem vorbeifahrenden Straßenverkehr zu hören. Und so unscheinbar diese St. Marienkirche von außen auch ist, umso mehr beeindruckt sie mich von innen. Ich stelle mich in die Mitte des kleinen Raumes, und drehe mich langsam einmal um mich selbst, um alles hier in Augenschein zu nehmen. Dabei entdecke ich eher zufällig einen kleinen Tisch ganz hinten in der Ecke, hinter dem jemand sitzt. Langsam gehe ich auf die Person zu, sehe dass es eine Frau ist, und auf dem Tisch vor ihr verschiedene Hefte und kleine Bücher liegen. „Darf ich hier fotografieren?“ frage ich die Frau. „Ja, natürlich“ antwortet sie, und so gehe ich erneut zwischen den beiden Sitzreihen nach vorne Richtung Altar, und mache dabei einige Fotos.








Dann gehe ich zurück zu dem Tisch, und sehe mir an, was dort angeboten wird. Dabei unterhalte ich mich mit der Frau. Sie erzählt mir, dass diese Kirche 1563 erbaute wurde, und somit die älteste freistehende evangelische Kirche in Deutschland ist. Und sie erzählt noch so einiges mehr, berichtet von der Weihung, von Renaissanceschmuck und einer Familiengruft, von Feuerbrunst und wertvollen Öldrucken. Die dazugehörigen Jahreszahlen bekomme ich auch zu hören, kann mir aber nicht alles merken. Daher kaufe ich ihr eine kleine Broschüre über diese Kirche ab, und nehme mir vor, zu Hause darin zu lesen.

Anschließend gehe ich wieder durch die Tür ins freie, und bin ein wenig erschrocken, als mir ein vorbeifahrendes Auto fast über die Füße fährt. Der Bürgersteig vor der Tür ist wirklich sehr schmal. (Anmerkung: Im Jahr 2014 wurde der Eingang verlegt, und befindet sich nicht mehr direkt an der Strasse. Die Kirche wird nun durch eine Tür vom Burghof aus betreten)

Ich habe noch etwas Zeit, bevor die Führung beginnt, und beschließe, noch ein wenig durch den Garten zu gehen. Dort finde ich ein Gartenhaus, eine Wassermühle und ein Maleratelier, das heute aber leider geschlossen ist. Außerdem befindet sich dort eine Werkstatt für Holzspielzeug.






Erst zu Hause lese ich, dass zu der ganzen Anlage auch ein Gestüt und eine alte Schmiede gehören.

Jetzt wird es aber Zeit für mich, Richtung Schloss zu gehen, denn die Führung fängt bald an. Treffpunkt ist der kleine Platz vor dem Museumsshop, und als ich dort ankomme, warten dort auch schon einige andere Besucher darauf, dass es losgeht. Auf die Minute pünktlich kommt dann ein Mann, hebt seinen Arm und verkündet lautstark, dass nun die nächste Führung beginnt. Gemeinsam überqueren wir die Straße, und bevor wir durch das schmiedeeiserne Tor gehen, mache ich noch schnell je ein Foto von dem Schloss, sowie dem Wassergraben, der es umgibt.






Nachdem wir das Tor passiert haben (dabei wurden sehr penibel unsere Eintrittskarten geprüft), wird es sorgfältig hinter uns verschlossen, und wir stehen nun im Burghof. Unser Schlossführer erzählt einiges über die verschiedenen Baustile, in denen die Burg durch die Jahrhunderte hindurch gebaut und erweitert wurde. Selbst mir als Laien werden die Unterschiede zwischen Weserrenaissance und italienischen Renaissancestil bewusst. Ich mache noch ein Foto, und folge dann den anderen in das Innere der Burg.




Gleich im ersten Raum, in den wir nun gehen, befinden sich die Porträts von Jürgen Klencke und seine Frau Anna von Holle. Die beiden ließen das Wasserschloss 1588 auf den Ruinen der Burg Hemersen erbauen. Diese stammt aus dem Jahr 1414, und ist 1544 vollständig abgebrannt. Seit damals ist das Schloss nun im Familienbesitz, und ich mach ein Foto von den Bildern der beiden Schloßgündern.




Dies ist aber auch das einzige Foto, das ich im Burginneren mache. Denn sofort macht mir unserer Schlossführer klar, dass fotografieren hier verboten ist, und zwar aus Versicherungs-Rechtlichen Gründen. Es wird befürchtet, dass die umfangreichen Sicherungsanlagen abgelichtet werden könnten, die nach einem Einbruch vor einigen Jahren installiert wurden. Dies war die Bedingung der Versicherung, damit das Gebäude auch weiterhin gegen Einbruch versichert ist.

Dreißig Jahre betrug die Bauzeit, und die Fertigstellung erlebte Jürgen Klencke nicht mehr mit. Er starb 1609, und sein ältester Sohn vollendete das Werk.

Die Führung führt uns durch mehrere Räume, teils noch mit historischen Möbeln. Und in jedem Raum kann unsere Schlossführer interessantes und auch amüsantes berichten. Schließlich stehen wir im Speisesaal, und nun werden wir auch aufgeklärt, warum die Hauptstraße mitten durch den Burghof führt. Und das passierte so:

Oberste Herrschaft der Familie Klencke ist die Herrschaft Gottes. Diesen Grundsatz blieben sie auch unter dem Naziregime treu, und verdeutlichten dies durch die Aufstellung einer Figurengruppe. Diese zeigt Jürgen Klencke und seine Frau Anna von Holle unter dem Kruzifix, gemeinsam mit ihren 14 Kindern. Warum diese Einstellung von den Nazis respektiert wurde, ist nicht klar, aber Schloss und Ort Hämelschenburg blieben immer ohne Ortsgruppenleiter. Nur eines konnten die Schlossbesitzer seinerzeit nicht verhindern: Den Bau der Straße mitten durch das Burggelände. Sie wurde angelegt, um die Anreise der NS-Anhänger zum alljährlichen Reichserntedankfest zu erleichtern, das auf dem Bückeberg in der Nähe von Hameln stattfand.
Während dieser Zeit wurden auch „adlige“ Feriengäste beherbergt, gegen gutes Geld, versteht sich. Diese Einnahmen wurden benötigt, um das Schloss zu finanzieren. Bei Tisch aber war den Anwesenden jegliche politische Diskussion untersagt. Dafür sorgte ein Transparent, das über den Esstisch aufgespannt war, und auf dem stand:


Sauf Dich voll, und fress‘ Dich dick
und halt den Mund von Politik


Na, das nenne ich mal eine Ansage … :-)

Eine knappe Stunde lang dauert die Führung durch das Schloss, und die vergeht fast wie im Fluge. Kurzweilig, interessant und amüsant führt uns unser Guide durch die Räume und die Jahrhunderte, und ein wenig bedauere ich es, als wir wieder nach draußen und Richtung Museumsshop gehen. Ich wäre gerne noch eine Weile durch das Schloss gelaufen, und hätte den Geschichten gelauscht. Mit entsprechendem Applaus verabschieden wir unseren Schlossführer.

Ich gehe zum Museumsshop, um Jacke und Helm abzuholen, und kaufe mir bei der Gelegenheit gleich noch ein kleines Büchlein über die Burg. Dann gehe ich die Straße entlang Richtung Parkplatz. Einmal drehe ich mich noch um, und mache ein letztes Foto von der Hämelschenburg. Ja, es hat mir hier gefallen, und kann daher Burg und Kirche mit bestem Wissen für einen Besuch empfehlen.







Weitere Informationen im Internet unter
www.schloss-haemelschenburg.de



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