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Motorradtour zum Nordkap vom 27.05. – 10.06.2009


 Freitag, 29.05.2009; Sonne, Schleusen und die Ostsee. 

Jaaah! Genau so soll ein Tag beginnen: Der Himmel ist tiefblau, die Vögel machen bereits einen ziemlichen Krach, und die Sonne trocknet das feuchte Gras. Wenn es bloβ nicht erst kurz vor sieben Uhr in der Früh wäre… Ich weiβ nicht, warum man im Urlaub so früh aufstehen muss, aber für meine beiden Reisepartner scheint das die absolute Erfüllung zu sein :-( Seufzend beuge ich mich der Mehrheit. Kurze Zeit später kocht bereits das Teewasser, und wir sitzen am Frühstückstisch. Eigentlich haben die beiden ja Recht: Wir sollten das schöne Wetter nutzen. Wer weiβ, wie lange es so bleibt.

Unser heutiges Etappenziel ist Stockholm. Um 19:00 Uhr fährt die Fähre hinüber nach Turku / Finnland. Auf dem Weg dorthin wollen wir ein Stück am Götakanal entlang fahren, uns im Städtchen Berg die Schleusentreppe ansehen, und ansonsten auf kleinen, möglichst kurvigen Straβen unserem Ziel entgegen steuern. Unsere Sachen sind von gestern noch nicht ganz trocken, aber das wird unterwegs der Fahrtwind übernehmen.

Gegen halb zehn fahren wir los. Unsere Fahrt geht durch Borensberg, wo sich bereits der Götakanal befindet, und auch das bekannte „Göta-Hotel“ steht. Wir folgen dem Kanal, mal in unmittelbarer Nähe, mal auch nur in Sichtweite, immer weiter Richtung Osten. In Berg schlieβlich stellen wir unsere Maschinen auf einem Parkplatz ab, und sehen uns die Schleusen an.






Das hier ist die gröβte Schleusentreppe des Götakanals, mehrere Schleusen hintereinander sind für die Schiffe zu durchfahren, um den Höhenunterschied zum See „Roxen“ zu überwinden. Leider haben wir diesmal kein Glück. Da ist zwar ein Schiff, aber das verlässt gerade die letzte Schleuse. Trotzdem erkennen wir, dass es hier sehr eng zugeht. Die Schiffe sind extra für diesen Kanal hergestellt worden, an den Schleusen sind rechts und links zumeist nur wenige Zentimeter Platz, also muss der Kapitän voll konzentriert sein, damit er nicht die Wände rammt. Da es an den Schleusen nur sehr langsam vorangeht, haben die Passagiere die Wahl: Entweder sie bleiben auf dem Schiff, oder sie springen hinüber an Land, und laufen neben dem Schiff her. Bei den vielen Schleusen hier können sie problemlos beides machen.

Mitten in unsere Besichtigung wird es auf einmal laut am Himmel: Ein Kunstflieger hat sich den Luftraum über dem Städtchen Berg als übungsplatz ausgesucht. Respektvoll sehen wir ihm dabei zu, wie er immer und immer wieder seine Schleifen und Loopings in der Luft dreht, und schlieβlich, nach rund zwanzig Minuten wieder verschwindet.

Bald darauf verschwinden auch wir von hier, und fahren weiter Richtung Stockholm. Und sind schneller da, als gedacht. Die Straβe wird voller, der Verkehr immer zähflüssiger – keine Frage, wir nähern uns der Hauptstadt Schwedens. Leider kennen wir uns dort überhaupt nicht aus, sehr gerne hätten wir uns nämlich das Vasa-Museum angesehen. Dieses zeigt im Wesentlichen das vollständig erhaltene und 1628 auf seiner Jungfernfahrt gesunkene Kriegsschiff Vasa und dessen Geschichte. Es soll das meist besuchte Museum in Skandinavien sein, und wäre sicher einen Abstecher wert gewesen (http://www.vasamuseet.se). Aber so stehen wir, nach einer Fahrt durch das Stockholmer Tunnelsystem, gegen 15:00 Uhr bereits am Anleger der Vicking-Line, und warten darauf, dass man uns an Bord lässt. Obwohl es noch recht früh ist, sind wir nicht die ersten: Zwei Finnen sind bereits da, sie kommen aus der Stadt Pori an der Westküste. Von da aus sind sie in zwei Tagen bis nach Italien gefahren, und haben dort Urlaub gemacht. Auf dem Rückweg ist dem einem in Frankreich an seiner Harley der Rahmen gebrochen. Daher fahren sie jetzt mit nur einer Maschine nach Hause. In rund 14 Tagen will der Unglücksrabe dann wieder nach Frankreich fliegen, und sein Motorrad abholen. Apropos Harley: An diesem Wochenende ist ein Harley-Treffen in Finnland. Und so treffen nach und nach immer mehr Harleyfahrer hier ein. Wir kommen mit einigen Schweizern ins Gespräch. Bis Hamburg sind sie mit dem Autoreisezug gefahren, dann über die Vogelfluglinie bis hierher nach Stockholm. Eigentlich eine recht lustige Truppe. Allerdings kippen sie sich hier an der Fähre ein Bier nach dem anderen in den Hals. Ich hoffe, sie schaffen es gleich noch bis auf das Schiff.




Als wir schlieβlich einchecken dürfen, bekomme ich einen Zettel mit dem Aufdruck „Åbo “ in die Hand gedrückt. Abo, was für ein Abo? Ich will überhaupt kein Abo! Aber bevor ich anfange zu protestieren, wird mir zum Glück gerade noch klar, dass die Stadt Turku, unser Ziel in Finnland, auf Finnisch Åbo heiβt. So halte ich meine Klappe, und schaue lieber zu, ob es die mittlerweile recht bierseligen Harleyfahrer auf das Schiff schaffen. Aber meine Befürchtungen waren überflüssig, ohne Probleme fahren alle hinauf. Einer von ihnen hilft mir schlieβlich sogar noch, meine Tenere zu befestigen. Da sage noch mal einer, alle Piloten von Harleys wären arrogant…

Wir haben die überfahrt ohne Verpflegung gebucht, und so decken wir uns im Duty-Free-Shop noch kurz mit Erdnüssen und Dosenbier ein, und gehen dann hinauf an Deck. Dort genieβen wir die bereits tief stehende Sonne und die Fahrt durch die Schären. Dabei wagen wir auch schon einen Ausblick auf die Tour im nächstem Jahr: Wo soll es hingehen? Vielleicht nach Irland oder Schottland? Oder mal in den Süden? Oder doch wieder nach Skandinavien? Mitten in unsere Diskussion zeigt Markus plötzlich nach oben zum Himmel. Die Kondensstreifen zweier Flugzeuge haben sich überkreuzt, und alle drei fangen wir gleichzeitig an zu lachen. Die Tour 2010 dürfte dank dieses Himmelszeichen geklärt sein: Es wird wohl nach Schottland gehen… :-)






Später, als es uns oben an Deck zu kalt wird, setzen wir uns unten in einen Aufenthaltsraum, und genieβen nehmen noch ein Kaltgetränk zu uns. Dort spricht uns auch ein älterer Mann an. Zunächst auf Finnisch, dann, als er merkt, wir kommen aus Deutschland, spricht er Deutsch mit uns. Er erzählt, dass er in der Schule ab der zweiten Klasse Deutsch als erste Fremdsprache gelernt hat. Erst in der sechsten Klasse kam Englisch als zweite Sprache hinzu. Grammatisch einwandfrei und mit nur einem kleinen Akzent verblüfft uns der gute Mann mit seinen Sprachkenntnissen. Als wir ihn nach den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Finnland fragen, nach Orten, die man als Tourist unbedingt gesehen haben muss, nennt er uns zwei Dinge, die wir selber auch tatsächlich auf unserer Besichtigungsliste haben: Die Burg „Olavlinna“ in Savonlinna, und die Kirche von Kerimäki. Als er sich nach rund zwanzig Minuten verabschiedet, können wir ihm mit gutem Gewissen versichern, dass er ein wirklich tolles Deutsch spricht, und wir ihn ohne Probleme verstanden haben. Sichtlich stolz verabschiedet er sich.

Auch für uns wird es nun Zeit, in die Kojen zu kommen. Heute Nacht gegen 3:20 Uhr macht das Schiff einen Stopp in Marienhamn auf den Ålandinseln, und kurz überlege ich, aufzustehen, und mir das anzusehen. Aber dann siegt die Bequemlichkeit. Auβerdem: Es wird sowieso nur der Hafen zu sehen sein, und so interessant ist das nun auch wieder nicht.


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