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Motorradtour zum Nordkap vom 27.05. – 10.06.2009


 Samstag, 30.05.2009; Sonne, ein Pferd und finnisch. 

The same procedure as every morning… Wir stehen früh auf, und ich fluche vor mich hin. Ich habe Urlaub, warum kann ich nicht mal bis zehn Uhr schlafen? Oder wenigstens bis neun. OK, ich sehe es ein, heute sind wir auf der Fähre, und um 7:30 Uhr erreichen wir Turku. Da muss ich wohl früh raus. Aber Morgen…!

Kurz gehen wir nach oben an Deck, um zu sehen, wie uns Finnland empfängt. Es ist sonnig, und der Himmel grüβt uns mit einem strahlenden blau. Und auch hier gibt es jede Menge Schären. Schier unzählig sind sie, die vielen kleinen und groβen Inseln. Sie bilden ein verwirrendes, gleichzeitig aber auch faszinierendes Labyrinth. Im Zickzackkurs fährt unser Schiff hier durch. Auf manchen stehen Sommerhäuser, und ich frage mich, wie und wie lange die Besitzer hierher wohl anreisen.




Nicht lange stehen wir hier oben in der Sonne, bald geht es hinunter zu den Motorrädern. Hier müssen wir ausnahmsweise einmal warten, bis die Autos das Schiff verlassen haben. Den Harleyfahrern fällt das Warten wirklich schwer. Sie starten sofort ihre Maschinen, und das ohrenbetäubende Dröhnen der Motoren erfüllt das ganze Autodeck. Man muss ja kein Freund dieser Motorradmarke sein, aber den Klang der Maschinen finde ich wirklich Klasse. Endlich dürfen auch wir fahren, hinunter vom Schiff, vorbei an den grimmig drein blickenden Zollbeamten, und hinein nach Finnland. Wir suchen uns direkt den Weg hinaus aus der Stadt, nach Nordosten, Richtung Forssa und Hämeenlinna. An der ersten Tankstelle, an der wir vorbei kommen, halten wir an. Hier gibt es einen kleinen Bistro. Wir kaufen uns Brötchen und Kakao, setzen uns in die Sonne, und lassen es uns schmecken. Viel los ist hier noch nicht, und auch wir lassen es ruhig angehen.

Nach dem Frühstück fahren wir ganz entspannt weiter, unterbrechen die Tour wie immer ungefähr im Stundenrythmus. Plötzlich aber doch so etwas wie Aufregung: Entgegen kommende Fahrzeuge warnen uns mit der Lichthupe. Was ist da los, wird etwa geblitzt? Wir reduzieren die Geschwindigkeit und halten unsere Augen offen. Dann die Erklärung für die Warnungen: Ein Pferd läuft frei am Straβenrand auf und ab. Es will wohl die Fahrbahn überqueren, traut sich wegen der Fahrzeuge anscheinend aber nicht. Langsam rollen wir an dem Tier vorbei, immer bremsbereit, in der Hoffnung, dass es nicht direkt vor uns auf die Straβe springt. Aber alles geht gut, und bald darauf sind wir wieder in unseren alten Trott.

Die Straβen hier sind eher langweilig. Viel geradeaus, kaum Kurven, rechts und links Bäume, keine Fernsicht – das fahren ist eintönig und ermüdend. Umso wichtiger sind die Pausen. Meist biegen wir kurz von der Straβe ab, und nach ein paar Metern Asphalt beginnt dann fast immer eine Schotterpiste, die in den Wald führt.




So vergeht der Tag, bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen. Am frühen Nachmittag beginnen wir, eine Hütte zu suchen. Der erste Campingplatz, den wir ansteuern, hat noch geschlossen. Das war auch schon gestern in Schweden so, dass einige Platze erst im Juni öffnen. Beim zweiten Versuch werden wir dann allerdings fündig: Der Platz bei Rokansalo, Gemeinde Puumala, ist offen, und es gibt Hütten für 50,- € pro Nacht. Wir sehen sie uns an, und beschlieβen, hier zu bleiben.




Während Johannes und Markus die Motorräder abladen, fahre ich zurück zur Anmeldung, um die üblichen Formalitäten zu erledigen. Dabei komme ich mit der Frau ins Gespräch, die den Platz hier führt. Und lerne dabei meine ersten finnischen Worte: Moi heiβt „Hallo“, moi moi sagt man hier für „tschüss“, und mökki bedeutet „Hütte“. Sie hat mit ihrer Aufgabe als Lehrerin sichtlich Spaβ, und schreibt mir die Wörter sogar noch auf ein Blatt Papier. Mitten in unsere „Unterrichtsstunde“ klingelt dann aber leider das Telefon, und die gute Frau hat keine Zeit mehr für mich. Schade, sie hätte mir bestimmt noch einige Wörter beigebracht. Auf dem Weg zurück zur Hütte überlege ich dann, dass ich auf dem nächsten Campingplatz auch wieder ein paar Wörter lernen könnte. Das für „Bier“ zum Beispiel wäre bestimmt nicht verkehrt...

Gegenüber unserer Hütte ist eine Wiese für die Zelt-Camper, und dort haben es sich unter anderem auch einige Russen bequem gemacht. Tische und Bänke sind zusammengestellt, der Wodka flieβt bereits in Strömen, und einige von ihnen sehen auch schon ziemlich angeschlagen aus. Wir hingegen inspizieren zunächst mal den Campingplatz, der (natürlich) direkt an einem See liegt. Viel los ist hier noch nicht, auβer uns und den Russen sind nur wenige Gäste da. Am Wasser ist ein kleiner Holzsteg, wir setzen uns dort hin und genieβen die Sonne. Oben an der Hütte gab es einige Mücken, direkt am Wasser hingegen weht ein leichter Wind, und so haben wir hier eine mückenfreie Zone. Später setzen wir uns an einem der ausgewiesenen Grillplätze. Wir haben uns unterwegs in einem Supermarkt Fleisch und Würstchen besorgt, und das ist heute unser Abendessen. Gerade als wir fertig sind, kommt eine junge finnische Familie mit zwei kleinen Kindern dazu. Leider scheitert die Kommunikation an der Sprache. Die Finnen sprechen weder Deutsch noch Englisch, wir hingegen können kein Finnisch. So bleibt es bei einem freundlichen moi moi zum Abschied.




Die Russen sitzen noch immer an ihrem Tisch, der übersät ist von leeren und vollen Wodka- und Orangensaftflaschen, Zigarettenpackungen und Essensresten. Mittendrin steht in einer Getränkepfütze eine Spiegelreflex-Digitalkamera von Canon. Sie scheinen eine Menge Spaβ zu haben, denn es wird viel gelacht. Unweit von ihnen baut gerade ein Fahrradfahrer sein Zelt auf. Hinter seinem Bike zieht er noch einen Anhänger hinter sich her. Er ist auf dem Weg von Deutschland zum Nordkap. Von dort fährt er dann mit den Hurtigrouten zurück bis Südnorwegen, von da aus mit dem Fahrrad weiter nach Hause. Rund ein halbes Jahr hat er sich dafür freigenommen. Nicht zum ersten Mal frage ich mich: Wie machen diese Leute das ???

Wir gehen zurück zu unserem mökki. Die Russen haben mittlerweile den See für sich entdeckt, und springen mit viel Geschrei in das noch bitterkalte Wasser. Wir befürchten für die Nacht schon das schlimmste, und stellen uns auf lautes Singen und Grölen ein. Mit der Straβenkarte in der Hand gehen auch wir anschlieβend hinunter zum See. Dort auf dem Holzsteg breiten wir die Karte aus und besprechen die Tour für den nächsten Tag. Laut Wetterbericht soll es Morgen zwar etwas kälter werden, dabei aber trocken bleiben.




Zurück an unserer Hütte schwirren dort auf der Terrasse zwar einige Mücken herum, doch wir schlieβen schnell die Tür. Innen ist es Mückenfrei, und auch die Russen sind wider Erwarten sehr leise. Noch eine letzte Tasse Tee, dann wird es auch in unserer Hütte ruhig…



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