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Motorradtour zum Nordkap vom 27.05. – 10.06.2009


 Sonntag, 31.05.2009; Schotterpisten und Asterix in Finnland. 

Oh Mann, was ist das für ein Radau in unserer Hütte? Verdammt, Johannes und Markus unterhalten sich bereits. Ein Blick auf meiner Uhr zeigt kurz nach sieben. Ich fasse es einfach nicht: Wie kann man im Urlaub nur immer so früh wach sein? Ich glaube, ich muss für die nächste Motorradtour die Wahl meiner Begleiter doch noch einmal überdenken ...

Ich quäle mich langsam aus dem Bett. Wider erwarten habe ich keinen einzigen Mückenstich. Ich schnappe mir Handtuch und Kulturbeutel und mache mich auf den Weg zum Waschhaus. Dabei komme ich auch an den Russen vorbei. Zum Teil liegen sie nur im Schlafsack drauβen auf dem Boden herum. Aber bei den Mengen Wodka, die sie gestern vernichtet haben, merken die bestimmt sowieso kaum etwas von dem harten Untergrund oder der Kälte. Dabei ist es um einiges kälter als gestern Morgen um diese Zeit. Der deutsche Fahrradfahrer, der zum Nordkap will, hat seine Sachen bereits gepackt, und will gerade losfahren, ich wünsche ihm noch eine gute Fahrt. Meinen Respekt hat er, der gute Mann.

Für uns Motorradfahrer beginnt der Morgen wie immer: Frühstücken, Sachen packen, das Motorrad beladen, ein letzter Blick in die Hütte, ob wir auch nichts vergessen haben, dann geht es los. Die ersten Kilometer machen richtig Spaβ: Wir folgen der „434“ und finden eine Kurve nach der anderen. So macht das fahren Spaβ. Leider dauert unser Freude nicht allzu lang. Als wir auf die „435“ abbiegen, haben wir sofort wieder das gleiche Bild wie gestern: Schnurgerade Straβen, hin und wieder mal ein kleiner Hügel, das war‘s.




Immerhin unterbrechen wir die Fahrt schon nach recht kurzer Zeit. In dem örtchen Savonlinna sehen wir uns die Burg Olavinlinna an, die als die am besten erhaltene Festungsanlage Finnlands gilt.




Markus hat den richtigen Riecher, und bleibt gleich auf dem Parkplatz bei den Motorrädern zurück. Johannes und ich wollen uns das innere der Burg ansehen, wobei ich Recht schnell die Lust am besichtigen verliere. Es ist halt das übliche: ein paar Kanonen, ein paar Rüstungen, ein Modell der ganzen Burg… nichts besonderes, zumindest meiner Meinung nach. Also leiste ich schon bald wieder Markus Gesellschaft, der es sich auf eine Bank am Rande des Parkplatzes bequem gemacht hat. Nur Johannes lässt sich Zeit. Gerade, als wir nach schauen wollen, ob er vielleicht ins Burgverlies gefallen ist, taucht er endlich auf. Noch ein paar Auβenaufnahmen von der Burg, dann fahren wir weiter.

Es ist sehr warm. Wir fahren weiter in Nord-östlicher Richtung auf Russland zu. In Ilomantis biegen wir ab auf die 522. Diese „Straβe der Runen und Grenzen“ soll landschaftlich sehr schön sein. Zumindest haben wir hier endlich mal ein wenig Fernsicht. Wir machen Pause an einem Platzt, an dem neben einer Gedenktafel auch alte Geschütze stehen. Wenn wir den Text richtig verstehen, hat hier eine kleine finnische Armee den übermächtigen Gegner aus dem Osten eine ruhmreiche Schlacht geliefert – zum Glück sind diese Zeiten lange vorbei!




Wir fahren die 522 weiter, aber kurz hinter Hattuvaaraa erwartet uns eine überraschung: Die bis dahin gut ausgebaute Straβe wird übergangslos zur Schotterpiste. Rund 25 Km mühe ich mich mit dem losen Untergrund ab, während Johannes und Markus richtig Spaβ haben. Als dann endlich wieder der Asphalt beginnt, sind die Schlaglöcher so groβ, das ich befürchte, fast ganz darin zu versinken, wenn ich nicht aufpasse.






In Lieksa wechseln wir auf die 73, und halten nach einem Campingplatz Ausschau. Gleich am Rande der Stadt werden wir fündig. Ein recht groβer Platz ist das, allerdings ist er noch so gut wie leer. Wir stehen vor dem Anmelde-Häuschen, da kommt auch schon ein Mann aus einem Nebenweg auf uns zu. Er sieht ein wenig aus wie Asterix aus den Comicbüchern. „You need a cabin?“ fragt er uns auf Englisch. Wir antworten ebenso: „Yes, one cabin for three people for one night“. Der Mann nickt. „No problem, 68 Euro“ sagte er. Wir zucken zusammen. „68 Euro“ sage ich auf Deutsch, „ das ist aber teuer“. Der Mann zeigt auf das Motorrad von Johannes, und erwidert ebenfalls auf Deutsch: „Teuer? Das da ist teuer“. Erstaunt blicken wir uns an: Asterix kann ja deutsch! Johannes und Markus führen das weitere Gespräch. Sie lassen sich von dem Platzwart die Hütte zeigen, verhandeln noch ein wenig, und schlieβlich bekommen wir das mökki für 50,- Euro. Nicht schlecht, oder?



Wir beziehen die kleine Holzhütte, Markus und Johannes fahren nach Lieksa zum einkaufen, anschlieβend kochen wir uns etwas zu Essen, und machen dann einen Spaziergang über den Platz. Natürlich gibt es auch hier einen See. Dort setzen wir uns hin, trinken ein Bier (finnisch = Olut) und sprechen über die nächsten Tage. Das Wetter macht uns etwas Sorgen. Von Süden her zieht ein kräftiges Tief Richtung Norden. Wir könnten versuchen, davor her zu fahren und hoffen, dass es sich hinter uns auflöst. Auβerdem nehmen wir uns vor, vorsichtiger mit unserer Unterhaltung auf Deutsch zu sein. Hier sprechen so viele Finnen unsere Sprache, dass man aufpassen muss, nicht mal etwas falsches zu sagen. Morgen geht es weiter Richtung Norden. Rovaniemi am Polarkreis ist unser Ziel. Dort wollen wir uns eine Unterkunft suchen, und den weiteren Verlauf der Tour besprechen.





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Nordkap
2009



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