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Motorradtour zum Nordkap vom 27.05. – 10.06.2009


 Donnerstag, 04.06.2009; Kettendrama. 

Zwar klingelt der Wecker heute Morgen „erst“ um 7:00 Uhr, aber so leicht wie gestern fällt mir das Aufstehen trotzdem nicht. Aber es hilft nichts, wir müssen los.

Das Motorrad von Markus will wieder nicht anspringen. Also „dürfen“ Johannes und ich wieder schieben. In südlicher Richtung fahren wir durch Norwegen, folgen zunächst der „69, dann der E6 bis Alto, dort wechseln wir auf die 93. Dann sind wir wieder für ein paar Kilometer in Finnland. Lausig kalt ist es, ich glaube, so gefroren wie hier habe ich noch nie. Rechts und links der Straβe ist alles offenes Gelände, der Wind fegt über die Landschaft, es kommt uns kaum ein anderes Fahrzeug entgegen. Plötzlich sehe ich im Rückspiegel, dass Johannes anhält, und nach links deutet. Und dann sehe ich ihn auch, den Elch. Zunächst steht er nur herum, dann setzt er sich plötzlich in Bewegung, und verschwindet dann langsam.




Wir fahren weiter, und machen an der Grenze zu Schweden unsere Mittagspause. Zunächst tanken, dann im benachbarten „Grilli“ den Bauch voll schlagen, anschlieβend geht es weiter auf der 45 nach Schweden.

Diesmal fahre ich hinten. Es ist nicht mehr ganz so kalt wie in Finnland, noch ungefähr zwei Stunden, dann werden wir anfangen, uns eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Plötzlich höre ich ein merkwürdiges Geräusch. Es kommt von unten, und klingt überhaupt nicht gut. Ein blechernes Scheppern, das zu allem überfluss auch noch immer lauter wird. Aber ich habe keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen: Das Motorrad verliert schnell an Fahrt, ich ziehe die Kupplung, entdecke wenige Meter vor mir eine Einfahrt zu einem Haus, und halte darauf zu. Kurz vor der Einfahrt komme ich zu stehen, und schaue mir das ganze Dilemma an: Die Kette ist abgesprungen, hat sich zwischen Rahmen und Rad verkeilt. Mein Schutzblech aus Metall hat sich gelöst und sich in die Speichen des Hinterreifens gewickelt, und dabei auch das kleine Werkzeugfach zerfetzt. Der Inhalt liegt weit verstreut hinter mir auf der Straβe. Markus und Johannes haben nichts bemerkt, und sind bereits hinter der nächsten Kurve verschwunden. Das Hinterrad blockiert, ich kann die Maschine nicht weiterschieben, und zu allem überfluss kann ich das Motorrad auch nicht auf den Seitenständer stellen, da die Straβe hier seitlich etwas abschüssig ist, und das leider zur falschen Seite: Es würde umfallen, sobald ich es loslasse. Es ist klar: Hier geht es erst einmal nicht weiter.

So stehe ich hilflos mitten auf der Straβe herum, hoffe, das mich keines wer wenigen Autos, die hier vorbeikommen, über den Haufen fährt, und darauf, dass meine beiden Kollegen möglichst bald wieder zurückkommen. Tatsächlich dauert es gute fünf Minuten, bis die beiden wieder bei mir sind. Gemeinsam heben und wuchten wir die Maschine an den Straβenrand. Während Markus und Johannes mit Hilfe von Zangen das Schutzblech aus den Speichen entwirren, sammle ich das Werkzeug von der Straβe. Die beiden bekommen die Kette soweit wieder hin, dass ich langsam weiterfahren kann. Nach kurzer Beratung entschlieβen wir uns, den Weg zurück zu fahren. Ungefähr zwei Kilometer zuvor sind wir an ein paar Häuser vorbei gekommen, da war auch eine winzige Tankstelle dabei. Dorthin „fahren“ wir nun zurück. Na ja, es ist mehr ein Rollen. Dort angekommen, versuchen ich der Besitzerin der Tankstelle klar zu machen, was mein Problem ist. Sie versteht, um was es geht (mein Englisch kann also gar nicht so schlecht sein), und beginnt, zu telefonieren. Aber eine Mann, der angeblich Motorräder repariert, entpuppt sich als Fahrrad-Bastler, und weit und breit ist keine Unterkunft offen. Wir haben mittlerweile fast fünf Uhr nachmittags. Schlieβlich ruft die gute Frau ihren Bruder an, der nebenan wohnt, und auch recht schnell zu uns kommt. Er begutachtet Kette und Kettenritzel, und bemerkt ganz richtig, dass es damit nicht weitergehen kann. In Kiruna, ca. 120 KM südlich von hier, ist eine Yamaha-Werkstadt, dorthin sollten wir das Motorrad bringen. Wir überlegen hin und her, schlieβlich bietet der gute Mann an, die Maschine Morgen früh nach Kiruna zu bringen. Er hat einen VW Pick-Up, auf dem wir meine Tenere verladen können. Mein Gepäck nimmt zum Teil Markus mit, der Rest bleibt beim Moped. Um neun Uhr macht die Werkstatt auf, gegen halb zehn will er da sein. Seine Schwester zeichnet uns noch auf, wie wir dorthin gelangen, dann sitze ich hinten bei Johannes auf, und wir machen uns auf dem Weg nach Kiruna.




Rund zwei Stunden brauchen wir, und noch einmal eine halbe, bis wir dort eine (ziemlich teure) Unterkunft gefunden haben.Während dieser Zeit gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Es ist mir klar, dass die Tour hier für mich zu Ende ist. Keine Werkstatt hat ein Kettenkit auf Lager von einem Motorrad, das mittlerweile 16 Jahre alt ist, und seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gebaut wird. Also muss es bestellt werden, und diese Verzögerung kann ich nicht mehr aufholen. Die Fähre in Göteborg wartet nicht. Genauso klar ist es, dass Johannes und Markus weiterfahren müssen. Ich beschlieβe abzuwarten, wie lange die Reparatur dauern soll. Entweder warte ich und fahre dann mit dem Motorrad entsprechen später nach Hause. Oder ich stelle die Maschine irgendwo ab, und hole sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder ab, vielleicht im September. Dann fahre ich nun eben mit dem Zug nach Hause. Meine beiden Reisepartner haben mit Sicherheit ähnliche Gedanken, und die Stimmung ist ziemlich gedrückt. Trotzdem wollen wir noch etwas essen, und so gehen wir zu Fuβ durch Kiruna. Eine Temperaturanzeige zeigt 4° C, und es dauert eine Weile, bis wir eine offene Gaststätte gefunden haben. Es ist eine Pizzeria, der Inhaber ist ein Libanese, der perfekt Deutsch spricht. Er ist in seiner Heimat schwer verwundet und in einem deutschen Krankenhaus wieder gesund gepflegt worden. Beim Essen kommt uns noch die Idee, uns am Bahnhof nach einem Autoreisezug zu erkundigen. Dann könnten wir die Maschine bis nach Göteborg bringen, dort auf das Schiff komme ich mit der ramponierten Kette noch irgendwie, und dann wären wir in Kiel, und könnten das Moped entweder dort in eine Werkstatt bringen, oder von dort mit einem Anhänger abholen. Markus spielt mit dem Gedanken, dann auch mit dem Zug zu fahren. Das Problem beim starten seiner BMW lässt ihm keine Ruhe. Schlieβlich gehen wir zurück zu unserer Unterkunft, und schlafen dann auch irgendwann ein.



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