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2014: Oldenburg, Kleinod an der Hunte

Ich gebe zu, Oldenburg gehörte nie zu den Top 5 meiner favorisierten Reiseziele in Deutschland.

Aber es ist doch schön, wenn man sich überraschen lassen kann…


1. Tag

Nach der Ankunft und einem kleinen Imbiss auf dem Wochenmarkt starten wir unseren Kurztrip nach Oldenburg ganz klassisch mit einem Stadtrundgang. Der beginnt jeden Freitag um 14:00 Uhr am Oldenburger Schloss (Stadtrundgang). Vorgebucht haben wir nicht, aber das ist kein Problem, denn wir können uns der kleinen Gruppe anschließen, die sich am Eingang zum Schlossplatz eingefunden hat. Und da wir gerade am Schloss stehen, beginnt unserer Stadtführer auch gleich hier mit seiner Führung. Ursprünglich stand hier eine Wasserburg. Auf der Rückseite des Schlosses ist auch noch ein Teil des alten Wassergrabens zu sehen. Erst Graf Anton Günther, zwischen 1603 und 1667 Landesherr und Reichsgraf von Oldenburg, ließ die mittelalterliche Burganlage in ein prunkvolles Schloss im Renaissancestil umbauen. Acht Jahre dauerte dieser Umbau und fortan diente es allen Grafen und Großherzögen der Stadt als Residenz. Heute ist es Teil des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte (Schloss Oldenburg).


-> Schloss Oldenburg


Von hier aus gehen wir durch die Fußgängerzone. Hier wird gerade fleißig renoviert bzw. erweitert. Recht bald schon stehen wir vor dem Hotel Graf Anton Günther, eines der ältesten Häuser von Oldenburg. Das ist er wieder, der Graf, der auch schon für das Oldenburger Schloss verantwortlich war. Er lebte von 1583 bis 1667, war der letzte Graf der Oldenburger Landesdynastie und gilt auch als der politisch klügste. Als er mit gerade mal 20 Jahren die Regierungsgeschäfte von seinem verstorbenen Vater übernahm, engagierte er sich sehr stark für den Deichbau am Jadebusen und für die Erlangung des Weserzolls. Dieser Zoll brachte in manchen Jahren mehr als 100.000 Reichsthaler ein und machte Oldenburg damit zu einer nicht gerade armen Stadt. An der Fassade des Hotels, vor dem wir jetzt stehen, ist ein Wandgemälde mit dem Grafen zu sehen. Es zeigt den Pferdebegeisterten Grafen hoch zu Ross auf seinem Lieblingspferd, dem Apfelschimmel Kranich vor den Toren seines Oldenburgs.


-> Wandbild am Hotel Graf Anton Günther


Für die nächste Sehenswürdigkeit brauchen wir uns quasi nur umzudrehen. Der „Lappan“, ein rechteckiger Turm, steht schräg gegenüber dem Hotel. Einst war er der Glockenturm des Heilig-Geist-Spitals. Dieses brannte bei einem Stadtbrand im Jahr 1676 vollständig ab, während der Turm das Feuer überstand. Bis 1845 stand dann das Heiligengeisttor, eines der fünf Stadttore Oldenburgs, am Lappan. Heute gilt der Turm als das älteste Wahrzeichen Oldenburgs, und dient den Einheimischen als beliebter Treffpunkt (Lappan).


-> Der Lappan, das älteste Wahrzeichen Oldenburgs


Unser Stadtführer führt uns wieder durch die Fußgängerzone zurück Richtung Schloss. Unterwegs macht er uns auf einen kleinen Garten mitten in der Innenstadt aufmerksam. Dabei handelt es sich um einen von vielen „Stadtgärten“. Dass ist eine Aktion, die seit 2004 durchgeführt wird und an der sich viele Geschäfte, aber auch Privatpersonen beteiligen. Jedes Jahr entstehen dabei mitten in der Stadt an den unterschiedlichsten Plätzen kleine Gärten. Jährlich wird ein anderes Thema vorgegeben, diesmal lautet es "10 Jahre Stadtgärten in Oldenburg und 200 Jahre Schlossgarten".


-> Stadtgarten im Nikolaiviertel, Selbstporträt


Wir gehen weiter, am Schloss vorbei bis zur Lambertikirche: Von außen ist das ein dunkles, recht unförmiges Gebäude. Umso überraschter sind wir, als wir das innere der Kirche betreten: Ein großes, helles Rund, mit einem „großes Lichtkreuz" genannten Kreuz des Künstlers Ludger Hinses, der fast bei mir um die Ecke aus Recklinghausen stammt. Das vollkommen transparente Kreuz hängt von der Mitte der Kuppeldecke hinab, spiegelt das Licht und wechselt dadurch quasi ständig sein Aussehen. Ein absoluter Blickfang in dieser wirklich bemerkenswerten Kirche. In dem kleinem Vorraum der Kirche geht es wieder um Graf Anton Günther: Hier stehen die Sarkophage von ihm und von seiner Gemahlin Sophia Catherina.


-> Die Lambertikirche: von aussen ...



-> ... und von innen.



-> Sarkophage von Graf Anton Günther und seiner Gemahlin Sophia Catherina


Wir verlassen die Kirche und stehen fast direkt vor dem Rathaus der Stadt. Besser gesagt, dem alten Rathaus. Es ist insofern auffällig, als das es dreieckig gebaut ist. 1888 ist es entstanden und war eigentlich sofort zu klein. Trotzdem dauerte es fast 100 Jahre, bis Oldenburg ein Neues Rathaus bekam. Dieses entstand am Pferdemarkt und wurde 1984 bezogen. Das alte jedoch ist auch heute noch Sitz des Oberbürgermeisters. Und das dort installierte Glockenspiel ist täglich gleich vier Mal zu hören: Um 11, 14, 17 und 19 Uhr.


-> Das alte, dreieckige Rathaus


Auch für die nächste Sehenswürdigkeit brauchen wir nicht weit zu gehen. Direkt gegenüber dem alten Rathaus steht das Degode Haus, eines der ältesten noch erhaltenen Bauwerke der Stadt. Es stammt aus dem Jahr 1502 und ist nach dem Kaufmann Wilhelm Degode benannt, der es 1860 erwarb. Heute haben hier ein Optiker und ein Schuhhaus ihre Verkaufsräume. Unser Stadtführer empfiehlt uns, mal einen Blick hinein zu werfen. Innen ist ein großes Deckengemälde aus dem Jahr 1645 zu bewundern. (Degodehaus)


-> Das Degode Haus


Wir gehen weiter, vorbei an dem Staatstheater Oldenburg aus dem Jahre 1893 bis zum Pulverturm. Dieser war Teil der ehemaligen Stadtbefestigung Oldenburgs. Seinen Namen hat der 1529 errichtete Turm daher, weil seinerzeit tatsächlich Pulver in ihm gelagert wurde. Als die Stadtbefestigung rund 200 Jahre nach ihrer Errichtung wieder abgerissen wurde, blieb der Turm nur deshalb erhalten, da in ihm Eis für die Speisen aus der Hofküche eingelagert wurde. Doch das ist alles lange her. Heute ist der Turm mehr einen Sehenswürdigkeit für Touristen. Aber des Öfteren finden hier auch Kunstausstellungen statt.


-> Der Pulverturm, Teil der ehemaligen Stadtbefestigung


Unser Reiseführer begleitet uns noch zurück bis zum Schloss, an dem die Führung dann leider endet. Unterwegs macht er uns aber noch auf einige besondere Gullideckel aufmerksam. Darauf ist ein skizzierter Stadtplan abgebildet, und ein roter Punkt zeigt jeweils den eigenen, aktuellen Standort an. So kann sich hier kein Tourist verlaufen :o)


-> Navigation ohne Navi :o)


Nach dem Dank an unserem Reiseführer für diesen interessanten und abwechslungsreichen Rundgang sehen wir uns die Lambertikirche noch einmal genauer an. Der Kontrast zwischen der düster wirkenden Außenansicht und der hellen Innengestaltung ist einfach nur verblüffend. Erbaut wurde sie vermutlich zwischen 1155 und 1234. Namensgeber war seinerzeit der Bischof von Maastricht, der Heilige Lambertus. In den folgenden Jahrhunderten erfolgten mehrere Umbauten und Restaurationen, bis die Kirche ihr heutiges Aussehen erhalten hat. Und mit seinen 86 Metern ist der höchste der fünf Kirchtürme gleichzeitig auch das höchste Bauwerk Oldenburgs.

Nach dem vielen Eindrücken, die wir heute bekommen haben, lassen wir den Tag mit einem guten Essen ausklingen. Und schmieden dabei fleißig Pläne für den morgigen Tag...



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