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2016: Auf dem Dortmund-Ems-Kanal-Radweg


Tag fünf: Ein Tag in Meppen

Unsere Gefühle sind ein wenig zwiespältig heute Morgen. Nach vier Fahrtagen nun also mal eine Pause. Eigentlich haben wir nicht das Gefühl, diese Unterbrechung nötig zu haben. Trotzdem wird ein wenig Abwechslung vielleicht nicht schaden. Und so sitzen wir am Tisch und genießen ein wirklich gutes Frühstück. Schade nur, dass wir nicht draußen sitzen können. Das Wetter würde es momentan nämlich zulassen.


Prospekt 'Meppen erkunden' Nach dem Frühstück gehen wir zur Touristeninformation und fragen nach einem Reiseführer.

„Meppen in 24 Stunden oder so etwas in der Art“ erkläre ich der jungen Frau, die mich ein wenig ratlos ansieht.

„Nein, so etwas haben wir nicht“ erklärt sie mir.

Ich bleibe hartnäckig und schließlich gibt sie mir eine kleine Broschüre mit dem Titel „Meppen erkunden auf TIMs Pättken“. Ich blättere kurz durch, es ist genau das, was ich gesucht habe. Eine Anleitung für einem Stadtrundgang auf eigener Faust, sozusagen. Einen Euro muss ich dafür auf den Tresen legen und schon kann es losgehen.

TIMs Pättken – Was bedeutet das eigentlich? TIM steht für „Tourist Information Meppen“. Und Pättken bedeutet so viel wie Wege bzw. Weg. Und dieser Weg beginnt nicht weit von hier entfernt am Rathaus von Meppen. Das wurde 1408 erbaut und das Untergeschoß besteht aus ziemlich großen Findlingen. Das sieht schon mal recht ungewöhnlich aus. Erweitert wurde es dann 1605. Auf die Spitze wurde seinerzeit ein kleines Schiff gesetzt, um die Verbindung Meppens zur Hanse zu dokumentieren. Und wer sich über das Relief im oberen Bereich wundert: Früher wurde hier im Rathaus auch Gericht gehalten. Und das dort immer alles ehrlich und fair zuging, sollte diese Darstellung des biblischen Urteils Salomon bezeugen.

Na, dann konnte ja nichts mehr schief gehen …

Heute ist im Untergeschoß ein Café zu Hause. Der obere, historische Ratssaal wird aber noch gerne für Empfänge genutzt. Und auch trauen kann man sich hier. Nämlich „Ja“ zu seiner/seinem Liebsten zu sagen: Hier finden die standesamtlichen Trauungen statt.


Rathaus von Meppen -> Rathaus von Meppen


Rathaus von Meppen -> Rathaus von Meppen


Salomon-Relief am Rathaus -> Salomon-Relief am Rathaus


Das Haus direkt hinter dem Rathaus sieht unscheinbar aus und würde hier auch keine Erwähnung finden, wenn, ja wenn nicht „Stadtverwaltung“ daran stehen würde. Im Jahr 1816 erbaut und zunächst als Arztpraxis genutzt, befindet sich hier seit 1936 die Meppener Stadtverwaltung. Und laut unserem Reiseführer „TIM“ befinden sich darin neben verschieden Wechselausstellungen auch Bilder aus dem Besitz der Herzöge von Arenberg. Die kennen wir zwar nicht, trotzdem wollen wir uns das anschauen und gehen einfach mal hinein. Die derzeitige Wechselausstellung besteht anscheinend aus Bilder von Kindergartenkindern. Bunt, schrill und mit größtenteils unerkennbaren Motiven hängen sie da, ein Stolz für jede Mami und jeden Papi. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin ja auch einer :o) Im kleinen Treppenhaus finden wir dann die erwähnten Gemälde, auch die im Reiseführer angepriesene „sehenswerte Kopie des berühmten Gemäldes „Die Gesandten“ von Hans Holbein d. J. von 1533“. Schnell ein Foto, dann verlassen wir das Gebäude. Ich nehme mir vor, später zu recherchieren, was es mit diesem Bild eigentlich auf sich hat. Und in diesem Stadium der Forschung befinde ich mich momentan immer noch ;-)


Haus der Stadtverwaltung -> Haus der Stadtverwaltung


Das Gemäldes „Die Gesandten“ im Treppenhaus der Meppener Stadtverwaltung -> Das Gemäldes „Die Gesandten“ im Treppenhaus der Meppener Stadtverwaltung


Die nächste Sehenswürdigkeit nehmen wir dagegen ernster. Nach einem kleinen Fußmarsch (und ein wenig suchen) stehen wir vor der recht unscheinbaren jüdischen Gedenkstätte. 1996 wurde sie errichtet, unweit einer Synagoge, die 1938 niedergebrannt worden ist. Im Davidstern auf dem rechten der beiden Steine stehen die Namen all der jüdischen Familien, die zwischen 1933 und 1945 hier in Meppen wohnten. Besonders beeindruckend oder gar imposant finde ich diese Gedenkstätte nicht. Muss sie aber auch nicht sein. Manchmal sagen Worte mehr als große Monumente und mich beeindruckt die Inschrift des kleinen Rechteckes auf dem linken der beiden Steine dafür umso mehr.


n der jüdischen Gedenkstätte von Meppen -> An der jüdischen Gedenkstätte von Meppen


n der jüdischen Gedenkstätte von Meppen -> An der jüdischen Gedenkstätte von Meppen


Im Reiseführer steht außerdem, dass sich am Rande von Meppen noch ein kleiner jüdischer Friedhof befindet. Einen Hinweis darauf direkt hier an der Gedenkstätte wäre sich auch nicht schlecht.

Wir gehen weiter, uns lockt die Straße „Im Sack“. Ich habe keine Ahnung, was ich mir darunter vorstellen kann, aber immerhin soll hier das älteste Bürgerhaus Meppens stehen. Von 1561 ist es und hat damit sogar den 30-jährigen Krieg überstanden. Als wir schließlich davor stehen, bin ich schon ein wenig enttäuscht. Dieses Alter sieht man dem Gemäuer nun wirklich nicht an. Im Gegenteil, hier scheint kräftig renoviert worden zu sein. Ein nochmaliges lesen unseres Reiseführers bringt Licht in die Sache. Dort steht, dass die „Bauhölzer teilweise“ aus der Zeit von 1561 stammen. Aha, daher sieht von außen alles so neu aus. Auch der Brunnen, der am Straßenrand steht, ist „aufgehübscht“. Früher stand hier zwar auch schon einer, aber mit niedrigerem Dach.

Der Name „Im Sack“ soll sich übrigens daraus ableiten, dass diese Straße zu einer Sackgasse geworden ist. Klingt fast schon zu einfach…


Haus in der Straße „Im Sack“ -> Haus in der Straße „Im Sack“


Straße „Im Sack“ mit Brunnen -> Straße „Im Sack“ mit Brunnen


Von hier aus ist es nicht weit bis zur Propsteikirche St. Vitus. Eine erste, kleine Taufkirche soll hier bereits um 780 gestanden haben. Das jetzige Gebäude allerdings stammt aus dem Jahr 1225, Umbauten erfolgten 1463 und 1870. Innen gefällt mir der Flügelaltar. Im Reiseführer lese ich, dass er von dem „Petroleumkönig“ Wilhelm Anton Riedemann gestiftet wurde. Der Name sagt mir ehrlich gesagt nichts, aber die Auflösung steht weiter hinten in meinem Heftchen, wir kommen später noch dazu. Wir setzen uns ein wenig in eine der Bankreihen und genießen wir die Ruhe, die hier herrscht.


Meppens Propsteikirche St. Vitus -> Meppens Propsteikirche St. Vitus


Meppens Propsteikirche St. Vitus -> Meppens Propsteikirche St. Vitus


Meppens Propsteikirche St. Vitus -> Meppens Propsteikirche St. Vitus


Auf unserem weiteren Weg auf „TIMs Pättken“ kommen wir an einem Denkmal vorbei. In einer kleinen Grünanlage steht es und zeigt uns Ludwig Windthorst (1812-1891). Er war Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Meppen und setzte sich für soziale Gerechtigkeit und für Religionsfreiheit ein. Dafür wurde er 1888 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Das Denkmal steht direkt neben einem Gebäude, das nach seinem Bau 1726 bis 1729 die Lateinschule des Jesuitenordens war. Natürlich wurde zwischenzeitig fleißig renoviert und heute ist es ein durchaus ansehnliches Gebäude, in dem das örtliche Gymnasium untergebracht ist.


Denkmal für Ludwig Windthorst, Ehrenbürger von Meppen -> Denkmal für Ludwig Windthorst, Ehrenbürger von Meppen


Meppens Gymnasium
-> Meppens Gymnasium


Mittlerweile ist es Mittag, Zeit für eine kleine Pause. Daher gehen wir Richtung Fußgängerzone, machen dabei allerdings einen Schlenker und kommen an das Stadtmuseum von Meppen vorbei. Das ehemalige Kaufmannshaus aus dem Jahre 1835 wird durch den örtlichen Heimatverein seit 1990 als Museum genutzt. Die Öffnungszeiten sind immer nachmittags. Da die Wolken am Himmel deutlich zugenommen haben und es stark nach Regen aussieht, wäre ein Besuch hier nach unserer Pause durchaus eine Alternative. Durch den Regen laufen wollen wir nämlich nicht.


Das Stadtmuseum von Meppen -> Das Stadtmuseum von Meppen


Apropos Regen: Wir schaffen es gerade noch bis in die Fußgängerzone, da fallen auch schon die ersten Tropfen. Wir flüchten uns in ein Café, an dem wir gerade vorbeikommen und trösten uns mit Kaffee und Kuchen. Oder, in meinem Fall, mit Kakao und einem riesigen Stück Apfelkuchen mit noch mehr Schlagsahne obendrauf. Bis ich das vertilgt habe, hat sogar der Regen aufgehört :o)
Anschließend setzen wir uns noch mit einem Eis in der Hand auf eine Sitzbank, die an einem Wasserspiel steht. Da mittlerweile sogar die Sonne vorsichtig wieder zwischen den Wolken hindurch guckt, sind wird rundum zufrieden.


Wasserspiel in der Fußgängerzone -> Wasserspiel in der Fußgängerzone


Nach dieser Stärkung beschließen wir, lieber weiter draußen auf Tour zu sein als durch ein Museum zu stöbern. Wir machen uns auf Richtung Nordosten, verlassen den Innenstadtbereich. Kurz vor der Hase-Hub-Brücke, die über den DEK führt, biegen wir rechts ab auf den Festungswall. Ausschilderung zum Festungswall So zumindest steht es auf einem Schild. Aber von einem mächtigen Wall, wie ich mir das vorgestellt hatte, ist hier weit und breit nichts zu sehen. Hier ist nur ein Fußweg, gesäumt von einem schönen, alten Baumbestand. Der Reiseführer weiß zu berichten, dass der ursprünglich hier verlaufene Wall 1762 geschleift wurde. Jetzt ist hier nur noch eine kleine Erhöhung, auf der wir nun entlang spazieren. Bald darauf führt eine Fußgängerbrücke über den DEK hinüber auf die andere Kanalseite. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf den Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal. Auf der Landzunge dazwischen steht eine Windmühle, die Höltimgmühle. Vermutlich 1639 in Friesland erbaut, wurde sie 1960 anlässlich der 600 Jahr Feier der Stadt Meppen dort abgebaut und an dieser Stelle neu errichtet. Optisch ist das alles sehr schön. Der Slogan von Meppen "Stadt am Wasser - Stadt im Grünen" finde ich hier an dieser Stelle besonders passend. Fast ist es schon schade, dass wir vor kurzem erste unsere Pause gemacht haben. In der Mühle befindet sich nämlich ein Café. Und hier zu sitzen und auf das Wasser zu schauen, hat bestimmt auch etwas. Aber nach ein paar Fotos gehen wir weiter.


Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal. -> Zusammenfluss von Hase und Dortmund-Ems-Kanal


Die Höltimgmühle in Meppen -> Die Höltimgmühle


Unser Ziel ist die Koppelschleuse. Das ist eine ganz besondere Bauform einer Schleuse. Sie besteht aus zwei hintereinanderliegenden Kammern. Dadurch können Höhenunterschiede in zwei Schleusengängen überwunden werden, ohne dabei mit hohem Aufwand eine einzelne, riesige Schleuse zu bauen. Dieses Prinzip wird zum Beispiel auch auf dem Panamakanal genutzt. Hier allerdings ist die Anlage erheblich kleiner. Zwischen 1824 und 1828 wurde sie erbaut, um den Schiffen auf ihrer Fahrt über dem ehemaligen Ems-Hase-Kanals in die Hase zu ermöglichen. Dazu musste die Schleuse manuell von Männern, den „Schleusenknechten, per Hand mit großem Kraftaufwand geöffnet und geschlossen werden.


Die Koppelschleuse in Meppen -> Die Koppelschleuse


Die Koppelschleuse in Meppen -> Die Koppelschleuse


Noch heute ist die Schleuse hier in Meppen in ihrem ursprünglichen Zustand.

Quasi direkt neben der Koppelschleuse hat der Meppener Kneipp-Vereins eine Kneipp „Wohlfühloase“ errichtet. Ein Wassertrettbecken , ein Barfußgang und ein Kräutergarten befinden sich hier. Eine Anleitung zum richtigen „Kneippen“ steht auf einer Tafel neben dem Becken. Wer möchte, kann hier alles unentgeltlich nutzen. Wir allerdings sehen uns lediglich den Kräutergarten ein wenig näher an, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Innenstadt machen.


Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins -> Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins


Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins -> Der Kräutergarten des Meppener Kneipp-Vereins


Unser Weg zurück führt uns nun auch über die Hase-Hub-Brücke. Und dort, an dem Gitter, sind viele Schlösser befestigt von (Ehe-) Paaren, die hier ihre Unzertrennlichkeit dokumentieren wollen. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch eine Brücke, auf der solche Schlösser nicht zu finden sind. Bis sie es, siehe Hohenzollernbrücke in Köln, wegen dem Gewicht sogar bis in die Zeitung schaffen. Das ist ja dann auch eine Art Publicity für eine Stadt.


Die Hase-Hub-Brücke in Meppen -> Die Hase-Hub-Brücke in Meppen


Keine Brücke ohne Schlösser -> Keine Brücke ohne Schlösser


Einen Punkt in der Innenstadt haben wir allerdings in unserem kleinen Reiseführer noch nicht gefunden: Die Gedenktafel für den „Petroleumkönig“ Wilhelm Anton Riedemann. Genau, das ist der, der den Flügelaltar für die Propsteikirche St. Vitus gestiftet hat. Laut Heftchen soll sich diese ganz in der Nähe des Rathauses befinden. Also machen wir uns noch einmal auf, umrunden das Rathaus mehrfach, schauen auf die umliegenden Gebäude und werden dann tatsächlich doch noch fündig. Klein und unscheinbar ist an einem der Häuser eine kleine Tafel angebracht, auf der neben dem Konterfei Riedemanns auch ein wenig Text steht. Aus dem erfahren wir unter anderem, dass Riedemann 1832 in Meppen geboren wurde und Mitbegründer der „Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft“ war, dem Vorläufer der heutigen ESSO-AG. So haben wir zum guten Schluss auch dieses Rätsel gelöst.


Die Wilhelm Anton Riedemann-Gedenktafel
-> Die Wilhelm Anton Riedemann-Gedenktafel


Es ist zwar noch nicht sehr spät, trotzdem suchen wir uns in einem Lokal am Marktplatz einen Platz und lassen uns dort ein leckeres Abendessen schmecken. Dabei sprechen wir auch über unseren Tag hier in Meppen. Und sind uns einig, dass ein halber Tag Stadterkundung auch gereicht hätte.





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