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Kassel 2016: Wilhelmshöhe, documenta und…?


Sonntag

Während des Frühstücks blättere ich ein wenig in einen der vielen Infohefte über Kassel, die in unserem Hotel ausliegen. Dabei erfahre ich, dass die Stadt im zweiten Weltkrieg sehr stark von Bomben zerstört wurde. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. Dabei entstand ein Stadtbild, das geprägt war von dem damals als „modern“ geltenden Baustil. Funktionell sollte es sein, dafür verschwanden teilweise auch alte Gebäude, die noch intakt waren oder die man mit wenig Auswand wieder hätte restauriert könnten.

Da trifft es sich gut, dass wir nach dem Frühstück eine geführte Radtour durch die Stadt und die näherer Umgebung machen. Dabei kann ich mir selbst ein Bild machen. Wir haben für diese Fahrt E-Bikes gemietet, eine im wahrsten Sinne des Wortes ganz neue Erfahrung für mich. Und so strampeln war bald darauf mit elektronischem Rückenwind los.


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-> Auf E-Bikes durch Kassel


Unsere Fahrt führt uns im gemächlichen Tempo zunächst zur Orangerie. Diese wurde von 1701 bis 1710 von Landgraf Carl und seiner Gemahlin Maria Amalia erbaut und von ihnen und ihren Nachfahren als Sommerresidenz genutzt. Im Oktober 1943 wurde sie bei einem Bombenangriff auf Kassel stark zerstört.

Nach 1982 erfolgte nach und nach der Wiederaufbau. Seit dem 1. Mai 1992 befindet sich dort das Astronomisch-Physikalisches Kabinett.


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-> Die Orangerie


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-> Die Orangerie


Die Orangerie bildet gleichzeitig auch den nördlichen Anfang der Karlsaue. Das ist ein 1,50 qkm großer, öffentlicher Park, eingebettet zwischen Fulda und Rosenhang. Namensgeber ist der Erbauer der Orangerie, Landgraf Carl (heute mit „K“, daher Karlsaue). Der hat übrigens auch den Bau des Herkules veranlasst. Die Karlsaue verfügt über zahlreiche Wassergräben und mehreren Teichen, teilweise mit Inseln mittendrin. Auf einer dieser Insel, der Schwaneninsel, wurde sogar ein klassizistischer Tempel errichtet. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viel Aufwand hier früher betrieben wurde.


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-> Quer durch die Karlsaue


Klassizistischer Tempel auf der Schwaneninsel“ title=
-> Klassizistischer Tempel auf der Schwaneninsel


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-> In der Karlsaue


Unsere Fahrt mit den Rädern führt uns schließlich auch quer durch die Stadt. Ganz so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe, ist das Stadtbild nun auch wieder nicht. Viele deutsche Städte mussten nach dem Krieg neu aufgebaut werden, was häufig nach demselben Muster geschehen ist wie hier. Insofern unterscheidet sich Kassel nicht von anderen Orten, die ähnlich zerbombt waren.


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-> Interessante Fassade


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-> Die Stadthalle von Kassel


Blick über die Fulda auf die Stadt“ title=
-> Blick über die Fulda auf die Stadt


Gut drei Stunden dauert unsere Fahrradtour. Unser Guide weiß immer wieder interessante Anekdoten zu erzählen und die Fahrt somit recht kurzweilig zu gestalten. Mittendrin machen wir zur Stärkung noch eine kleine Pause an einem Eiscafé. Und sind am Ende erstaunt, wie schnell die Zeit während der Fahrt vergangen ist.

Nach der Radtour fahren wir mit dem PKW zum Bergpark Wilhelmshöhe. Das Auto lassen wir auf dem Parkplatz stehen und fahren dann mit dem Shuttlebus hinauf bis zum Fuß der Kaskaden. Bis zum Beginn der Wasserspiele haben wir noch ein wenig Zeit, die wir nutzen, um uns in der nahegelegenen Kaskadenwirtschaft ein wenig kulinarisch zu stärken.

Um 14:30 Uhr ist es dann soweit: Es braucht sechs bis sieben Personen, um die Wasserwege zu öffnen, durch die das Wasser dann ausschließlich durch das Gefälle „angetrieben“ bergab stürzt. Kaum zu glauben, aber Pumpen werden hier nicht benötigt. Rund 1200 Kubikmeter Wasser sollen es sein, die durch den Bergpark bis hinunter zum Schloss Wilhelmshöhe fließen. Es stammt aus mehreren Speicherbecken, in denen am obersten Punkt der Anlage Regenwasser gesammelt wird. Dieses wird dann vom Herkules über die Kaskaden Richtung Schloss Wilhelmshöhe geleitet. Ungefähr 75 Minuten dauert es, bis es von ganz oben schließlich unten den Fontänenteich erreicht und dort, daher auch der Name, in einer riesigen Wasserfontäne gen Himmel gepustet wird. Unterwegs werden so interessante Orte wie der Steinhöfer Wasserfall, die Teufelsbrücke oder das Aquädukt passiert. Da das Wasser für seinen Weg so viel Zeit benötigt, können wir quasi mitgehen, es begleiten von ganz oben bis ganz unten.

Ein wirklich sehenswertes Schauspiel.


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-> Die Kaskaden mit Wasser


Auch am Aquädukt stürzt das Wasser hinab“ title=
-> Auch am Aquädukt stürzt das Wasser hinab


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-> Finale Furioso: Fontäne im Fontänenteich


Auf dem Weg nach unten Richtung Schloss wird mit auch klar, warum der Bergpark Wilhelmshöhe im Jahr 2013 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde. Es ist wirklich imposant zu sehen, wie diese Anlage, die im Jahre 1714 das erste Mal in Betrieb war, auch heute noch mit der damaligen Technik funktioniert. Und so ganz nebenbei ist auch die Aussicht nicht zu verachten. Da haben sich die Baukünstler seinerzeit wirklich etwas Grandioses einfallen lassen.


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-> Aussicht vom Bergpark


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-> Aussicht vom Bergpark


Vom Fontänenteich ist es nun nicht mehr weit bis zum Schloss Wilhelmshöhe. 1786 bis 1798 wurde es für den Landgrafen Wilhelm IX erbaut. Der hatte aber nicht lange seine Freude daran. Von 1806 bis 1813 hatte Napoléon hier das Kommando und das Schloss wurde in „Napoléonshöhe“ umbenannt. Dessen Neffe, Napoléon III, stand hier später gut drei Jahre lang unter Arrest. Zwischen 1891 und 1918 wurde das Schloss dann von der deutschen Kaiserfamilie regelmäßig als Sommerresidenz genutzt.


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-> Viel los auf der Wiese vor dem Schloss


Heute sind hier ein Schlossmuseum sowie die Verwaltung der Staatlichen Museen Kassel untergebracht. Und auch ein Cafe befindet sich hier und genau dort lassen wir uns zum Abschluss unserer Zeit in Kassel Kaffee und Kuchen schmecken.
Dann ist es auch schon wieder Zeit für den Heimweg.


Fazit des Wochenendes:
Ich kann sagen, dass meine anfängliche Skepsis gegenüber Kassel sehr schnell verflogen ist. Nicht nur die GRIMMWELT, auch viele andere Museen gibt es hier zu entdecken. Und der Bergpark Wilhelmshöhe mit seinem Wasserspiel ist fast schon alleine einen Besuch wert. Wer also Kassel bisher noch nicht auf den Zettel seiner Reiseziele hatte, sollte sich dazu ruhig einmal Gedanken machen.




Kassel
2016



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