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2016: Oslo und Bergen, die Großstädte Südnorwegens


Sonntag: Oslo

Das Wetter heute Morgen ist nicht gerade das allerbeste. Zwar regnet es nicht, aber der Grauschleier aus Wolken, der über der Stadt liegt, lädt nicht gerade zum Flanieren ein. Da trifft es sich gut, dass wir heute ohnehin einen Museumstag einlegen wollen. Das kann man hier in Oslo besonders gut, hat man doch die beliebtesten Museen auf der sogenannten „Museumsinsel Bygdøy“ zentriert. Wobei es sich dabei gar nicht um eine Insel, sondern lediglich um eine Halbinsel handelt. Wir könnten also auch mit dem Bus dorthin gelangen, nehmen aber lieber die Museumsfähre, die vom Anleger vor dem Rathaus startet, der „Rådhusbrygge“. Um 10:00 Uhr fährt das erste Schiff und wir sind pünktlich dort. Rund 15 Minuten dauert die Fahrt, dann steigen wir auch schon wieder aus und gehen zu Fuß zu unserem ersten Ziel, dem Wikingermuseum.


Eingang in das Wikingermuseum -> Eingang in das Wikingermuseum


Die am besten bewahrten Wikingerschiffe der Welt

Auf Norwegisch heißt das Museum „Vikingskipshuset“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Wikingerschiffhaus“. Aber egal, wie man es nennt: Hier sind die am besten bewahrten Wikingerschiffe der Welt zu sehen. Das Gokstad-Schiff, das Oseberg-Schiff und das Tune-Schiff. Sie alle stammen aus dem 9. Jahrhundert und wurden jeweils in großen Häuptlingsgräbern gefunden. Sie sollten den Verstorbenen bei ihrer letzten Reise, der Reise ins Totenreich, begleiten.

Das Gokstad-Schiff wurde im Jahr 1880 ausgegraben. Ursprünglich konnte es 34 Mann Besatzung aufnehmen. Von dem Mann, mit dem es „beerdigt“ wurde, ist bekannt, dass er an einem Hirntumor gestorben ist.


Das Gokstad-Schiff -> Das Gokstad-Schiff


Das Gokstad-Schiff -> Das Gokstad-Schiff


Im Jahr 1904 wurde das Oseberg-Schiff entdeckt. Es wurde als eine Art Mausoleum für zwei adelige Damen genutzt, die im Jahr 834 verstorben sind. Mitgegeben auf die Reise  ins Totenreich wurde den beiden auch Pferde, Hunde und Kühe sowie einige Luxusgüter der damaligen Zeit wie Schlitten, Wagen, Kleidung…


Das Oseberg-Schiff -> Das Oseberg-Schiff


Das Oseberg-Schiff -> Das Oseberg-Schiff


Das Tune-Schiff wurde bereits 1867 freigelegt und ist das am schlechtesten erhaltene der drei Boote. Es stammt vermutlich aus dem Jahr 890 und wurde zusammen mit einem toten Edelmann vergraben.


Das Tune-Schiff -> Das Tune-Schiff


Das Tune-Schiff -> Das Tune-Schiff


Aber nicht „nur“ diese drei Schiffe sind hier zu sehen. Ebenfalls gezeigt werden viele verschiedene Gegenstände aus der Wikingerzeit wie Textilien, Haushaltsgegenstände, Betten, Eimer, Werk- und Zaumzeug oder auch kleinere Boote sowie Schlitten. Es sind zum Teil Grabgaben aus den Booten, zum Teil aber auch Funde aus dem Borre-Friedhof in Horten, einer Stadt am westlichen Ufer des Oslojfords. Der Wert dieser Gegenstände ist sicher unschätzbar und es ist dem schwedischen Hochschullehrer Gabriel Gustafson zu verdanken, dass sie alle hier an diesem Ort zusammen ausgestellt sind. Er hatte nämlich im Jahre 1913 die Idee zu diesem Museum.


Ausstellung im Wikingermuseum -> Ausstellung im Wikingermuseum


Ausstellung im Wikingermuseum -> Ausstellung im Wikingermuseum


Das Wikingermuseum -> Das Wikingermuseum


Es ist übrigens ein dreimal so großer Neubau geplant, der nicht nur die Schiffe, sondern auch den Alltag der Wikinger darstellen soll. Wir verlassen das Wikingermuseum ziemlich beeindruckt. Zum einen darüber, was hier alles gezeigt wird, zum anderen aber auch, weil es für mich schlicht erstaunlich ist, was die heutige Wissenschaft so alles nachweisen kann. Bei einem Mann, der im 9. Jahrhundert gestorben ist, einen Hirntumor zu erkennen, dazu gehört schon was.

Kurz überlegen wir, ob wir uns hier mit einem Kaffee stärken wollen, entscheiden uns dann aber dagegen und machen stattdessen einen kleinen Spaziergang zum Kon-Tiki Museum. Rund fünf Minuten dauert der Fußmarsch, dann stehen wir vor dem kleinen und recht unscheinbaren Museumsgebäude, das bereits 1957 eröffnet und 1978 erweitert wurde.


Das Kon-Tiki Museum -> Das Kon-Tiki Museum


Thor Heyerdahl  und sein Kon-Tiki

Kon-Tiki, das war das Floß aus Basalholz, mit dem im Jahre 1947 der Norweger Thor Heyerdahl  von Lima aus über den Pazifik segelte. Als Kind habe ich sein Buch über diese Reise mehrmals quasi „verschlungen“, so gut hatte es mir gefallen. Und nun stehe ich vor dem originalen Floß, sehe mir originale Karten und Geräte der Expedition an, stehe vor großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen dieser abenteuerlichen Fahrt. Und bin abwechselnd ergriffen und beeindruckt. Kon Tiki, das war und ist für mich der Inbegriff von Abenteuer, von Forschungsdrang, von Mut und Beharrlichkeit.


Das Floß Kon-Tiki -> Das Floß Kon-Tiki


Das Floß Kon-Tiki
-> Das Floß Kon-Tiki


Neben dem Kon Tiki Floß sind hier auch noch andere Originale aus der Forschungszeit Heyerdahls zu sehen. Das Schilfboot Raa II zum Beispiel oder eine Osterinselausstellung. Ich weiß, dass ich all dem Unrecht tue, aber ich habe hier und heute (fast) nur Augen für Kon Tiki.

So ist das nun mal mit den Kindheitsträumen :o)


Ausstellung im Kon-Tiki-Museum -> Ausstellung im Kon-Tiki-Museum


Ausstellung im Kon-Tiki-Museum
-> Ausstellung im Kon-Tiki-Museum


Neben dem Souvenirladen gibt es hier auch einen Filmraum, in dem zu bestimmten Zeiten der Originalfilm über die Fahrt der Kon Tiki gezeigt wird. Wir allerdings stöbern ein wenig durch die angebotenen Souvenirs und verlassen dann das Museum. Ich brauche jetzt eigentlich eine Pause. Leider gab es in dem Museum aber keine Cafeteria oder ähnliches und draußen ist es recht windig und somit kühl, als dass wir uns dort hinsetzen könnten. Daher gehen wir die wenigen Schritte hinüber zum Fram-Museum, das quasi vis-a-vis gegenüber dem Kon-Tiki Museum liegt.


Das Fram-Museum
-> Das Fram-Museum


Das stärkste Schiff der Welt

Es gilt als das am meisten besuchte Museum in ganz Norwegen und nennt sich selber auch „Heimat des stärksten Schiff der Welt“: Das Fram-Museum. Mittelpunkt ist das Segelschiff „Fram“. 1892 gebaut, ist es am weitesten sowohl in den Norden als auch in den Süden vorgedrungen. Sie wurde von den drei großen norwegischen Polarforschern Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) für deren Polarexpeditionen genutzt. Rund um das Schiff sind auf mehreren Etagen Galerien angelegt, auf denen man die Fram umrunden kann und die in Schaukästen auch noch viele Gegenstände zeigen, die die Forscher seinerzeit in Gebrauch hatten. Besonders spannend finde ich, dass wir Besucher sowohl auf das Schiff gehen können als auch unter Deck. Und von diesem Angebot wird rege Gebrauch gemacht.


Im Fram-Museum
-> Im Fram-Museum


Im Fram-Museum
-> Im Fram-Museum


Im Fram-Museum
-> Im Fram-Museum


Unten, in der Nähe des Ausgangs, finden wir den Hinweis zur „Gjøa-Ausstellung“. Das ist das Schiff, mit dem Roald Amundsen als Erster die lange gesuchte Nordwestpassage durchfuhr. Aber, ganz ehrlich, wir haben genug Informationen für heute. Mehr brauchen wir nicht. Darum verlassen wir das Fram-Museum, gehen die wenigen Schritte bis zum Anleger des „Båtservice“, der Schiffsgesellschaft, deren Boot uns zurück zum Anleger „Rådhusbrygge“ bringt, von dem wir heute Morgen auch gestartet sind. Die kurze Überfahrt nutzen wir, um unseren Gedanken nachzuhängen, aus dem Fenster zu sehen und ein paar Fotos zu machen.


Mit der Fähre durch die Rathausbucht
-> Mit der Fähre durch die Rathausbucht


Mit der Fähre durch die Rathausbucht
-> Mit der Fähre durch die Rathausbucht


In der Nähe des Rathauses kehren wir in ein Café ein, lassen uns dort ein wenig mit Kuchen verwöhnen und auch die vielen Eindrücke der drei Museen Revue passieren. Uns hat es Spaß gemacht, durch die verschiedenen Ausstellungen zu gehen, uns alte Wikingerboote, Flöße und Polarschiffe anzusehen. Aber nun brachen wir noch ein wenig Bewegung. Ganz in der Nähe liegt das Hafenviertel „Aker Brygge“. Wir schlendern direkt am Wasser entlang, vorbei an vielen Restaurants und Modegeschäften. Selbst heute, an einem trüben Oktobertag, ist hier jede Menge los. Wie voll ist es hier wohl erst im Sommer, wenn die Sonne scheint? Übergangslos kommen wir nach „Tjuvholmen“, dem neuestes Viertel Oslos. Als erstes fällt uns hier das neue Astrup Fearnley Museum auf, besonders wegen dem markanten Glasdach in Form eines Segels. Hier wird moderne und zeitgenössische Kunst ausgestellt. Aber heute haben wir keine Lust mehr auf Besichtigungen. Stattdessen gehen wir weiter und entdecken architektonische ziemlich außergewöhnliche Gebäude, in denen sich nicht nur Wohnungen, sondern auch Galerien, Einkaufs- und Büroflächen befinden. Preislich gesehen gehören diese Gebäude laut unserem Reiseführer zu den teuersten Flächen Oslos. Ob sie aber nun interessant und stilvoll oder einfach nur schrecklich sind, liegt sicher im Auge des Betrachters.


Astrup Fearnley Museum
-> Astrup Fearnley Museum


Brunnen im Stadtviertel Tjuvholmen
-> Brunnen im Stadtviertel Tjuvholmen


Wir haben genug erlebt und gesehen für heute. Das Abendessen nehmen wir wie gewohnt im Hotel ein. Anschließend versuchen wir über das Internet noch Neuigkeiten über den Zugführerstreik herauszubekommen, allerdings ohne Erfolg. So bleibt uns nur zu hoffen, dass unser Zug Morgen fährt und uns zur Westküste Norwegens nach Bergen bringt.

Zum Abschluss des Tages sehe ich mir meine Bilder von Oslo an. Eine schöne Stadt, finde ich, als ich durch die Aufnahmen scrolle. Hier noch einige Impressionen aus der Hauptstadt Norwegens.


Oslo Impressionen
-> Oslo Impressionen






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