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Pilgerweg „Schola Dei“ 2013


Pilgern in Ostfriesland – davon hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Und doch ist es möglich: Der Weg „Schola Dei“, die Schule Gottes, führt auf 40 Kilometern von Ihlow über Marienhafe nach Norden. Unterwegs soll der Wanderer dabei so einige Möglichkeiten zum Innehalten, zur Besinnung, und zum Nachdenken finden. Echtes Pilgern eben.
 

Freitag

Wir sind bereits am Mittag gegen 14:00 Uhr im Ostfriesischen Ihlow. Unsere Unterkunft finden wir Dank Navi ganz problemlos, und wir können auch gleich die Zimmer beziehen. Die sind einfach und auch nicht besonders groß, aber sauber und günstig: 20,- € pro Person und Nacht, und ein Frühstück ist auch noch inklusive – was wollen wir mehr?


Unterwegs hat es immer wieder einige Regenschauer gegeben, und auch jetzt sieht es so aus, als ob der Himmel jeden Moment seine Schleusen öffnen wird. Daher fahren wir mit dem Auto zum Startpunkt unserer Tour, dem ehemaligen Zisterzienserkloster im Wald von Ihlow. Unsere Wanderung wollen wir zwar erst Morgen beginnen, aber warum sollen wir nicht bereits heute einen Blick auf die Anlage werfen. Und diese hat es wirklich in sich. Das eigentliche Kloster ist schon längst verfallen, und an dessen Stelle wurde eine „Klosterkirchen-Imagination“ errichtet: Ein fast 68 Meter langes, rund 35 Meter breites, und beinahe 45 Metern hohes Gewölbe-Ensemble aus Holz und Stahl. Im Jahr 2009 wurde es nach rund vier Jahren Bauzeit fertiggestellt, und als wir da mittendrin stehen, bekommen wir einen guten Eindruck von der Größe, die dieses Kloster einmal gehabt hat. Abgerissen wurde es übrigens im Jahre 1529, nachdem es im Zuge der Reformation aufgelöst wurde.




Man kann diesem Koloss auch über eine Wendeltreppe „auf das Dach steigen“. Von dort soll man eine schöne Aussicht auf das Land rundherum haben. Aber das Wetter ist heute viel zu schlecht. Es hat mittlerweile ein leichter Regen eingesetzt, und daher sehen wir uns den "Raum der Spurensuche" an. Der befindet sich unterhalb der Holz-Stahl-Konstruktion, und hier stehen auch die Fundamente des ehemaligen Klosters. Außerdem beherbergt er den neuen Altar. Der besteht aus einem kreiselförmigen Tisch, der von einer Bronzeplastik gestützt wird.






Ebenfalls zu sehen sind verschiedene Relikte weiterer untergegangener ostfriesischer Klöster, und auch die sogenannten „Ihlower Fliesen“. Das sind Bodenplatten mit verschiedenen Motiven, von denen man vermutet, dass sie im Altarraum des früheren Klosters verlegt gewesen waren. Der Besucher wird bei seinem Gang durch den Raum begleitet von Licht, Text und Töne, und das alles erzeugt eine recht feierliche Atmosphäre in diesem halbunterirdischen Raum. Nur im Bereich des neuen Altars am Ende der Ausstellung fällt Tageslicht, ansonsten wird das Licht nur sparsam und sehr zielgerichtet eingesetzt. Wir halten uns eine ganze Weile hier auf, und sehen uns alles an, bevor wir wieder nach draußen gehen.










Zu der ganzen Anlage gehören auch noch ein Klostergarten, ein Klostercafe sowie ein kleiner Klosterladen. Und genau in dieser Reihenfolge statten wir nun allem einem Besuch ab.

Der Klostergarten ist nicht gerade riesig, und seine ursprüngliche Existenz auch nicht historisch belegt. Aber da die Zisterzienser, also die Mönche der Zisterzienserklöster, seinerzeit Selbstversorger waren, ist es durchaus wahrscheinlich, dass es so einen Garten damals tatsächlich gegeben hat. Allerdings wohl ein wenig größer. Trotzdem werden hier und heute alle vier Themen aufgegriffen, die so eine Anlage zu jener Zeit üblicherweise hatte. Da wäre zunächst der „Heilpflanzengarten“. Hier wachsen die Pflanzen, die im Mittelalter mit mehr oder weniger Erfolg als Arznei genutzt wurden. Der zweite Bereich beinhaltet den „Hexengarten“. Dieser beherbergt Pflanzen, die ganz oder in Teilen giftig sind, oder denen mystische Kraft zugeschrieben wurden. Einen eigenen Bereich, nämlich den „Mariengarten“, erhielten die Pflanzen, die im Mittelalter mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht wurden. Die war nämlich die Schutzpatronin der Zisterzienser. Und schließlich gibt es noch den „Küchengarten“, auch „Karlsgarten“ genannt. Darin wurden all die Pflanzen und auch Bäume gepflanzt, die Karl der Große für seine Untertanen als gut befunden hat. Das alles ist viel Arbeit, trotz der relativ kleinen Ausmaße, und die wird von den „Klosterfrauen“ verrichtet, einer Gruppe von Frauen aus dem Klosterverein sowie der Hermann-Tempel-Gesamtschule in Ihlow.




Nach diesem botanischen Exkurs ist uns der Sinn nach einer Stärkung, und wir genießen im Klostercafe Kaffee bzw. Tee und Kuchen, und machen im Anschluss noch einen Abstecher in den Klosterladen, der einige Andenken nicht nur vom Kloster anbietet.


Nun wissen wir, wo unsere Wanderung Morgen beginnen wird. Mittlerweile hat der Regen aufgehört, und wir fahren am Abend in das nicht weit entfernte Marienhafe, um dort etwas zu essen. Dort erfahren wir auch, dass auf dem Platz hinter der Kirche heute Abend ein „Midsommerfest“ stattfindet. Das wollen wir uns genauer ansehen, und so laufen wir nach dem Essen die paar Schritte bis zu der Kirche mit dem bekannten Störtebekerturm. Das Fest ist schon im vollen Gange. Trachtengruppen führen Tänze vor, an dem sich auch die Touristen beteiligen können, und zwischendurch sorgen zwei lokale Musiker mit Gitarre und Handtrommel für Abwechslung. Nett ist es hier, aber leider ziemlich leer. Obwohl der Platz nicht besonders groß ist, ist er nur gut halb voll. Das nicht gerade schöne Wetter wird wohl einen Großteil dazu beitragen, dass die Künstlerinnen und Künstler ihr Können nur einem recht geringen Publikum präsentieren dürfen. Wirklich schade!




Gegen 22:30 machen auch wir dann Schluss für heute, und fahren zurück in unsere Unterkunft nach Ihlow. Morgen warten immerhin gut 26 Wanderkilometer auf uns, und somit der Großteil der Pilgerstrecke. Wir hoffen, dass das Wetter mitmacht, und wir möglichst trocken die einzelnen Stationen erwandern können.




Zu Tag 2



Scholar Dei
2013



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