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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 1 in Wales  

Das Wetter ist sehr schön an diesem Morgen. So schön, dass wir uns entschließen, draußen zu frühstücken. Außer uns ist anscheinend niemand auf diese Idee gekommen, denn wir sind ganz allein auf der großen Wiese. Dafür checken schon recht früh die ersten Gäste aus. Asiaten, ich weiß nicht, aus welchem Land sie kommen, sind anscheinend Frühaufsteher. Mit einem freundlich-schüchternen Lächeln huschen sie samt Koffer an uns vorbei in Richtung des Parkplatzes. Uns ist das egal, wir lassen uns das Frühstück schmecken.


Jugendherberge Bath

-> Die Jugendherberge in Bath


Irgendwann brechen dann aber auch wir auf. Zuvor haben wir über die Rezeption der Jugendherberge noch eine Unterkunft für die nächste Nacht gebucht. Das war gar nicht so einfach, denn in Wales sind „Bank-Holidays“. Das sind Tage direkt vor und nach Wochenenden, an denen alle Banken, Schulen und Geschäfte geschlossen haben und die von den Walisern gerne zu einem (verlängerten) Wochenendausflug genutzt werden. Daher war es nicht leicht, eine Unterkunft zu bekommen, ein Umstand, den wir in den nächsten Tagen noch des Öfteren zu spüren bekommen werden.


Auf nach Wales

Aber davon ahnen wir jetzt gerade noch nichts und fahren daher guten Mutes in Richtung walisischer Grenze. Der kleine Ort Tintern ist unser erstes Ziel, genauer gesagt die Ruine von Tintern Abbey. Damit wir keinen großen Umweg fahren müssen, queren wir den Bristolkanal auf einer Autobahnbrücke. Die ist eigentlich mautpflichtig, aber wir Motorradfahren werden einfach so durchgewunken. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht passiere ich die Schranke, an der die Fahrer der Autos, Wohnmobile, LKWs und Busse halten und ihre Portemonnaies zücken müssen. Die Aussicht von der Brücke ist recht spektakulär, allerdings gibt es an keiner Stelle die Möglichkeit, anzuhalten und Fotos zu machen. Daher fahren wir zügig durch auf die andere Seite des Kanals, der an dieser Stelle die natürliche Grenze zwischen England und Wales darstellt.

Kurz hinter der Brücke stehen wir dann im Stau. Auf der mehrspurigen Straße ist es mehr ein „STOP“ als ein „GO“, aber wir nehmen es mit der Gelassenheit eines Urlaubers hin. Als ich neben einen kleinen Lieferwagen zu stehen komme, lässt der Fahrer die Scheibe herunter und fragt mich:
„Are you from Denmark?“
Verblüfft schaue ich ihn an und frage ihn, wie er denn auf Dänemark kommt. Er zeigt auf das Nummernschild von Markus‘ BMW, die vor mir steht und die das weiße „D“ auf blauen Grund als Nationalitätskennzeichen hat. Aah, jetzt verstehe ich.
„No, we are from Germany“ erkläre ich ihm.
Nun ist er derjenige, der mich ungläubig anschaut.
„Germany? Where the hell ist a „D“ in „Germany“? fragt er mich etwas gereizt und ich pruste fast laut los vor lachen. Zum Glück rollt genau in diesem Moment der Verkehr auf meiner Spur weiter und ich fahre los, ohne den Mann über dieses Phänomen aufzuklären. Da hat er heute Abend zu Hause etwas zu erzählen.


Tintern Abbey

Kurz darauf haben wir den Grund des Staus erreicht. Ein Bus hat sich in einem Kreisverkehr quer gestellt und blockiert nun drei der vier Spuren. Nachdem wir ihn hinter uns gelassen haben, kommen wir wieder zügig voran und es dauert nicht mehr lange, da rollen wir auf den Parkplatz von Tintern Abbey. Ich muss sagen, schon von hier sieht das ganze riesig aus. Die ganzen Dimensionen des ehemaligen Zisterzienserklosters werden einem aber erst so wirklich bewusst, wenn man sich die Anlage von innen ansieht. Die ältesten Teile des Klosters wurden in den Jahren 1131 bis 1136 gebaut. Jedoch wurde die Anlage in den folgenden Jahrhunderten ständig erweitert. Seit Mitte des 16. Jahrhundert wurde es nicht mehr bewirtschaftet und verfiel nach und nach. Kaum zu glauben, aber dieser riesige Bau geriet tatsächlich in „Vergessenheit“. Erst Ende des 18. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt und Anfang des 20. Jahrhundert umfangreich renoviert. So gilt Tintern Abbey heute als die am besten erhaltene Kirchenruine in Wales und wird momentan von der walisischen Denkmalschutzbehörde Cadw verwaltet.

Und die erhebt aktuell 6,50 Pfund Eintritt…


Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey

-> Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey


Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey

-> Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey


Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey

-> Das ehemalige Zisterzienserkloster Tintern Abbey


Bei dem sonnigen und warmen Wetter macht es richtig Spaß, durch die Anlage zu gehen, denn sie spendet viel Schatten. Es sind zwar noch einige andere Touristen hier, aber die verteilen sich recht gut auf diesem weitläufigen Areal. So können wir ungestört Fotos machen und uns vorstellen, wie früher hier in diesem Kloster gelebt wurde.

Den kleinen Flyer, den wir an der Kasse bekommen haben, findest Du -> hier


Caerphilly Castle

Von Tintern aus fahren wir weiter Richtung Westen. Auf kleinen Straßen umfahren wir großräumig Newport, die drittgrößte Stadt von Wales und steuern auf Caerphilly zu. Der Ort selbst zieht uns weniger an, es ist das gleichnamige Castle, das wir uns ansehen wollen. Und Caerphilly Castle ist nicht irgendein Schloss, sondern nach Windsor Castle in London die zweitgrößte Burg in ganz Großbritannien.


Caerphilly Castle

-> Caerphilly Castle,die zweitgrößte Burg in ganz Großbritannien


Caerphilly Castle

-> Caerphilly Castle,die zweitgrößte Burg in ganz Großbritannien


Laut unserem Reiseführer umfasst das Gelände einschließlich der umgebenden Wasserflächen über 12 ha. Als wir Caerphilly erreichen, fällt es uns daher nicht schwer, die Burg zu finden. Korrekterweise handelt es sich um eine Burgruine, die sich mit ihrer mächtigen Mauer vor uns aufbaut. Wir machen einige Fotos von außen, verzichten aber aufgrund der Größe der Anlage auf einer Umrundung. Das Wetter ist sehr schön heute und uns ist in unseren dicken Motorradsachen mächtig warm, so dass wir uns stattdessen ein Eis im Schatten gönnen. Dabei überlegen wir, ob wir an einer Führung durch die Burg teilnehmen wollen, entschließen uns aber dagegen. Lieber wollen wir das gute Wetter nutzen, um mit unseren Maschinen ein paar Kurven unter die Räder zu nehmen und dabei den Fahrtwind zu genießen. Außerdem liegt unser heutiges Ziel, Port Eynon, direkt am Meer. Vielleicht können wir ja am Abend noch den dicken Zeh ins Wasser tauchen…


Immer weiter nach Westen

Unser Weg führt uns weiter Richtung Westen. Einen kurzen Zwischenstopp machen wir noch an einem Aussichtspunkt, der direkt an der A4061 liegt, der „Bwlch-y-clawdd Road“. Keine Ahnung, wie man das ausspricht, aber die Straße ist einfach nur schön zu fahren. Das sehen anscheinend auch die Waliser so. Bisher sind wir nur recht wenig anderen Motorradfahrern begegnet, aber als wir hier an dem Aussichtspunkt stehen, kommen so einige vorbeigefahren. Wir schauen abwechselnd auf die vorbeihuschenden Maschinen auf der Straße und auf die schöne Aussicht mit Blick auf das Dorf Cwmparc, bis wir uns schließlich selbst wieder auf den Weg machen.


Aussicht an der 'Bwlch-y-clawdd Road'

-> Aussicht an der „Bwlch-y-clawdd Road“


Swansea, mit seinen knapp 170.000 Einwohnern immerhin die zweitgrößte Stadt von Wales, ist nicht so einfach zu umfahren. Wir streifen die Außenbezirke der Stadt und fahren Richtung der Halbinsel Gower. Dort, im Süden, liegt unser heutiges Ziel: Die Jugendherberge in Port Eynon. Den Ort finden wir recht schnell und auch die Beschilderung zur JH ist nicht zu übersehen. Aber dann stehe wir vor dem Parkplatz eines Campingplatzes und wissen nicht mehr weiter. Keine Jugendherberge, kein Schild, kein Zeichen…

Unschlüssig sehen wir uns um. Schließlich lesen wir die Buchungsbestätigung, die wir uns am Morgen in Bath haben ausdrucken lassen und finden den Hinweis, dass wir den Weg mit dem „Durchfahrt verboten“-Schild nehmen müssen. Das ist eine schmale Schotterpiste, die ungefähr in Richtung Meer führt. Wir folgen dem Weg und stehen kurz darauf vor einem verschlossenen Tor. Dahinter befindet sich eine Wiese, auf der schon einige Camper ihre Zelte aufgebaut haben. Zu Fuß versuche ich von hier aus die Jugendherberge zu finden und tatsächlich, gut versteckt hinter hohen Büchen entdecke ich sie, direkt am Meer gelegen mit einer superschönen Aussicht auf das Wasser. Der Herbergsvater kommt direkt mit mir mit. Er hat den Schlüssel für das Tor, durch das wir nun quer über die Campingwiese bis in der Nähe der Herberge fahren und dort die Maschinen abladen können. Danach müssen wir die Motorräder allerdings wieder zurück vor das Tor bringen, dort müssen sie stehen bleiben. Einige PKW sind hier bereits abgestellt. Mit diesem „Parkhandicap“ müssen die Besucher der Jugendherberge hier leider leben. Die Betreiber haben keine Erlaubnis bekommen, dass ihre Gäste direkt am Haus parken dürfen. Etwas umständlich finden wir das schon, aber die schöne Lage samt Aussicht entschädigt uns dafür.


Motorradparkplatz

-> Motorradparkplatz


Jugendherberge Port Eynon

-> Die Jugendherberge in Port Eynon


Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gehen wir zu Fuß in den nahe gelegenen Ort. Dort finden wir einen netten Pub mit Namen „The Ship Inn“, in dem wir nicht nur ein „Feierabendbierchen“ bekommen, sondern wo auch ein recht gutes Essen serviert wird. Ich persönlich kann „Fish & Chips“ hier durchaus empfehlen. Es dämmert bereits, als wir schließlich recht zufrieden mit dem Tag zurück zur Jugendherberge gehen. Dort setzen wir uns in den Aufenthaltsraum und machen uns ein paar Gedanken über die Route, die wir Morgen nehmen wollen. Ein festes Ziel haben wir nicht, sondern wollen uns einfach treiben lassen. So haben wir es unterwegs am liebsten.


Jugendherberge Port Eynon

-> Die Jugendherberge in Port Eynon


Dort in dem Aufenthaltsraum kommen wir auch mit einer Familie aus Wales ins Gespräch. Vater, Mutter und zwei kleine Kinder sitzen an einem Puzzle. Der Vater fragt, woher wir kommen und wir sagen wie immer in solchen Situationen „Dortmund“, weil das die Großstadt ist, die unserer Heimat am nächsten liegt. Der Mann nickt und erzählt dann, dass er häufig nach Düsseldorf fliegt und ab da mit dem Zug weiter bis Essen fährt. Dort hat er regelmäßig beruflich zu tun.

Die Welt ist ein Dorf. Und die Globalisierung hat auch Wales längst erreicht …







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