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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 3 in Wales  

Zu fünft im 7-Bett-Zimmer war nicht so wirklich toll. Ständig wälzte sich jemand hin und her, hustete oder stand auf und ging zur Toilette. Darum habe ich nicht besonders gut geschlafen. Um kurz nach sieben stehe ich dann unter der Dusche und kurz darauf sitze ich im Wintergarten der Jugendherberge, um zu frühstücken. Zwar würden die Temperaturen es auch heute zulassen, draußen auf der Terrasse zu essen. Aber die vielen Mücken, die es hier gibt, stören dort doch sehr. Kurz nach mir kommen auch Johannes und Markus, gemeinsam lassen wir uns in aller Ruhe das Frühstück schmecken.

So ist es fast 10 Uhr, als wir auf unseren Motorrädern in den Tag starten. Heute wollen wir zumindest tagsüber mehr durch das Landesinnere fahren. An der Küste ist es sehr voll, auch auf den Straßen machen sich die „Bank-Holidays“ bemerkbar. Daher lenken wir die Maschinen Richtung Osten. Das Wetter ist zwar nicht das allerbeste, aber es ist trocken und wir sind auf den kleinen und engen Straßen meist alleine unterwegs. Hin und wieder halten wir an, um die Aussichten zu genießen. Die Landschaft ist sehr grün, man merkt, dass in dieser Region recht viel Regen herunter kommt.


Landschaft in Wales

-> Schöne Aussichten im südlichen Wales


Landschaft in Wales

-> Schöne Aussichten im südlichen Wales


Landschaft in Wales

-> Schöne Aussichten im südlichen Wales


Unerwünscht in Carmarthenshire

Nach knapp zwei Stunden Fahrt kommen wir in den Ort Carmarthenshire. Der liegt direkt am Teify, einem zumindest an dieser Stelle recht breiten Fluss. Eine alte Brücke führt darüber und wir nutzen das für einen kleinen Fotostopp. Anschließend wollen wir dann auf der anderen Seite der Brücke in einem Pub eine Cappuccino-Pause machen. Auf dem Parkplatz nebenan stehen bereits einige Motorräder und auch Autos. Als wir allerdings ebenfalls dort unsere Maschinen abstellen wollen, stellt sich uns der Parkwächter in den Weg. Ohne Worte, nur mit eindeutigen Gesten verweigert er uns die Zufahrt. Auf unsere Frage, warum, bekommen wir keine Antwort. Er verzieht nur angeekelt das Gesicht und gibt uns noch einmal das klare Zeichen, das wir verschwinden sollen. Wir können nur vermuten, was diesen Menschen gebissen hat. Aber gut, wenn wir hier nicht willkommen sind, dann eben nicht.


Brücke über den Teify in Carmarthenshire

-> Brücke über den Teify in Carmarthenshire


Blick auf den Teify in Carmarthenshire

-> Blick auf den Teify in Carmarthenshire


Beic modur gwyn

-> “Beic modur gwyn”

Das sind keine Hieroglyphen, das ist walisisch und bedeutet schlicht und einfach “weißes Motorrad”
Wie das allerdings ausgesprochen wird, weiß ich auch nicht so genau ... :o)




Wir können uns nicht beklagen. Kaum zehn Minuten später bekommen wir in dem Nachbarort von einem freundlichen Waliser einen leckeren Cappuccino serviert, den wir draußen in dem Garten vor dem Pub genießen. Danach machen wir uns auf Richtung Norden. Und haben richtig Spaß an den kleinen Straßen. Auch die Landschaft ist hier einfach nur Klasse: Mehr Kurven, mehr Hügel, mehr grün, einfach nur mehr schön. Markus hat eine wirklich schöne Strecke heraus gesucht, da lassen wir ihn gerne vorfahren :o)


Von Brücken und Legenden: Devil's Bridge

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann „Devil’s Bridge“. Dieser Ort steht eigentlich in jedem Reiseführer und wird dort als „spektakuläre Brücke“ angepriesen. Dementsprechend viel ist hier los. Wir stellen unsere Maschinen ab und machen uns zu Fuß auf den Weg. Bei der Brücke handelt es sich nicht nur um eine, sondern gleich um drei Brücken, alle übereinander gebaut. Die erste soll schon im 11. Jahrhundert entstanden sein, die zweit, darüber liegende stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 1901 schließlich wurde die dritte Brücke obendrauf gesetzt. Sie ist eine reine Eisenbrücke und alle drei überspannen den Fluss Mynach.


Welcome to Devil’s Bridge

-> Welcome to Devil’s Bridge


Das eigentlich spannende ist die unterste der drei Brücken, die auch „Teufelsbrücke“ genannt wird. Die Legende sagt, dass sie vom Teufel persönlich erbaut wurde. Der verlangte als Preis für seine Arbeit die Seele des ersten Lebewesens, dass die Brücke betreten würde. Doch die Menschen überlisteten den Teufel, indem sie einen Hund über die fertige Brücke lockten. Wutentbrannt verließ der Teufel Wales und kehrte nie wieder zurück.

Dies ist die Kurzform der Legende. Und ehrlich gesagt, finde ich die spannender als die Brücke(n) selbst. Und irgendwie kommt mir diese Geschichte auch bekannt vor. In ganz ähnlicher Form wird sie über den Bau des Aachener Doms erzählt (-> siehe Reisebericht "Aachen, ein Wochenende in der Domstadt").


Devil' Bridge Wegweiser

-> Da geht's lang


Die Brücken von Devil' Bridge

-> Die drei Brücken von Devil' Bridge


Der Fluss Mynach in Devil’s Bridge

-> Der Fluss Mynach ist eigentlich mehr ein Flüsschen


Wir haben genug Brücken gesehen und Teufelsgeschichten gehört. Es wird Zeit, uns eine Unterkunft zu suchen. Wir fahren Richtung Küste und halten unterwegs die Augen nach einem B&B offen. Aber hier gibt es nicht viele und die wenigen, die wir sehen, sind alle belegt. An der Küste versuchen wir es in der Jugendherberge in Aberystwyth, aber auch dort ist kein Bett mehr frei. Wir beschließen, wieder Richtung Landesinnere zu fahren und rechnen uns dort bessere Chancen aus als an der Küste. Aber überall, wo wir anhalten, ist bereits alles belegt. Schließlich erreichen wir „Machynlleth“, das am südlichen Ende des Snowdonia-Nationalparks liegt. Auch hier ist alles ausgebucht und wir nehmen nun aufgrund der späten Uhrzeit auch Hotels in unsere Suche mit auf. Aber selbst die haben keine freien Betten mehr. Die Bank-Holidays lassen unangenehm grüßen...

Kurz, nachdem wir Machynlleth Richtung Osten verlassen haben, sehen wir einen Abzweig zu „Grandma's Garden“, offensichtlich einem Hotel. Kurz entschlossen folgen wir dem kleinen Weg und stehen kurz darauf vor einem recht nobel aussehenden „Plas Dolguog-Hotel“. Mit "Grandma’s Garden“ ist der nahegelegene Golfplatz gemeint. Die vielen Luxuskarossen, die vor dem Haus stehen, lassen uns zweifeln, ob das hier unsere Kragenweite ist. Trotzdem stampfe ich einfach mal hinein und frage nach. Die junge Frau an der Rezeption mustert mich in meiner Motorradkluft recht skeptisch, bietet mir dann aber doch ein Einzel- und ein Doppelzimmer an. Allerdings zu Preisen, die eigentlich außerhalb unseres Budgets liegen. Aber ein Blick auf die Uhr, die mittlerweile schon nach sieben anzeigt, überzeugt uns schließlich. Wir nehmen uns vor, am nächsten Morgen beim Frühstück den Kühlschrank leer zu essen, dass muss bei diesen Preisen einfach drin sein :o)


Das „Plas Dolguog-Hotel“ in Machynlleth

-> Das „Plas Dolguog-Hotel“ in Machynlleth


Schnell beziehen wir die Zimmer und fahren dann auf unseren Motorräder zurück nach Machynlleth. Dort essen wir noch eine Kleinigkeit. Ein anschließender Spaziergang durch den Ort fällt leider aus, da es zu regnen beginnt. Daher fahren wir zurück ins Hotel und setzen uns noch ein wenig an die Bar. Dort werden wir von zwei älteren Herren angesprochen. Ob wir die Motorradfahrer aus Deutschland sind, wollen sie wissen. Als wir das bejahen, bekommen wir jede Menge Geschichten serviert, bei denen Motorradfahrer aus ihrem Umfeld durch Unfälle Arme, Beine und sogar das Leben verloren haben. Es dauert eine Weile, bis sie endlich unser Desinteresse akzeptieren und wir den Abend ungestört mit der Routenplanung für den morgigen Tag ausklingen lassen können.






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