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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 4 in Wales  

Es regnet. Und der Himmel sieht auch nicht so aus, als würde es schon bald damit aufhören. So ein Mist. Es ist das erste Mal auf dieser Tour, dass wir im Regen aufstehen. Ich hätte nichts dagegen, wenn es auch das letzte Mal wäre.

Immerhin müssen wir uns heute nicht selber um unser Frühstück kümmern. Da wir in einem Hotel sind, bekommen wir das serviert. Wir haben die Wahl zwischen einem „full Welsh breakfast“ oder Lachs mit Ei. Dazu gibt es jede Menge Toast mit Marmelade und verschiedene Sorten Müsli. Die Briten scheinen keine ausgiebigen Frühstücker zu sein, was mich bei dieser recht spartanischen Auswahl aber auch nicht wundert. Die meisten kommen in den Frühstücksraum, schaufeln das Essen in sich hinein und sind dann auch schon wieder weg. Wir erregen tatsächlich etwas Aufmerksamkeit, als wir je eine zweite Kanne Tee und Kaffee bestellen und die auch noch in aller Ruhe leermachen. So etwas kennt man hier anscheinend kaum.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen. Mittlerweile hat es zum Glück aufgehört zu regnen, wenn auch der Himmel immer noch grau und Wolkenverhangen ist. Ganz im Gegensatz zu dem grün der Wiesen und Bäume. Die Aussicht von meinem Balkon ist dementsprechend quasi eine Orgie in Grün- und Grautönen. Es scheint, als regnet es hier öfter. Wir nutzen die momentane „Trockenzeit“, beladen die Motorräder und starten in den Tag.


Das „Plas Dolguog-Hotel“ in Machynlleth.

-> Aussicht vom Balkon meines Hotelzimmers


Plas Dolguog-Hotel

-> Unser Motorradparkplatz vor dem „Plas Dolguog-Hotel“


Wir fahren Richtung Norden. Die Straßen sind noch nass, aber wie gestern wieder recht kurvig. Und da auch die Wolken lichter werden, macht das Ganze richtig Spaß. Bei Penmaenpool, einem kleinem Kaff, das eigentlich nur aus zwei Häusern zu bestehen scheint, nutzen wir die Chance zu einer Abkürzung. Statt noch viele Kilometer entlang eines Flusses weiter bis zur nächsten regulären Strassenbrücke zu fahren, nehmen wir einfach die Holzbrücke, die hier hinüber auf die andere Uferseite führt. Das geht recht problemlos und verspricht ein klein wenig Nervenkitzel.


Holzbrücke bei Penmaenpool

-> Holzbrücke bei Penmaenpool


Nach einem kurzen Stück in westlicher Richtung führt uns schon bald darauf unser Weg weiter nach Norden. Wir fahren für einige Meilen direkt an der Küste entlang und haben immer wieder sehr schöne Aussichten auf das Meer. Hier sind nicht viele Fahrzeuge unterwegs, meist haben wir die Straße für uns allein und eine Parkbucht nutzen wir für einen Fotostopp. Der Himmel ist immer noch grau und ich überlege, wie das ganze hier bei Sonnenschein aussehen mag. Ganz sicher nicht schlechter.


Westküste von Wales

-> Aussicht an der walisischen Westküste


Mittlerweile ist es bereits Mittag, daher steuern wir in dem kleinem Küstenort Llandanwg das „Beach Café“ an. Trotz der nicht gerade sommerlichen Temperaturen ist es hier recht voll. Mit einem Cappuccino in der Hand setzen wir uns draußen vor das Café auf eine Holzbank und werden dort prompt von einer jungen Walisischen Familie angesprochen, die hier die „Bank-Holidays“ für einen kleinen Urlaub nutzen. Der Vater empfiehlt uns, das nahe gelegene „Harlech Castle“ zu besuchen, das wäre sehr schön, eines der schönsten Schlösser überhaupt in Wales. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es gar nicht so weit weg von hier ist. Und wenn wir schon einen Tipp von einem „local“ bekommen, dann wollen wir uns das auch ansehen. Und so rollen wir eine gute halbe Stunde später in den Ort Harlech hinein und es wird uns sogleich klar, dass Ansichten und Geschmäcker verschieden sind. Dieser recht kleine Ort ist vollgestopft mit Touristen und das „schönste Schloss in Wales“ entpuppt sich als Burgruine, die nur über einen nachträglich angelegten Zugang erreichbar ist.

Gegen Gebühr, versteht sich.


Harlech Castle

-> Das schönste Schloss in Wales? Blick auf Harlech Castle


Nein, so hatten wir uns den „heißen“ Tipp eines Einheimischen wirklich nicht vorgestellt. Nach einem Foto steigen wir auf die Motorräder und fahren weiter Richtung Norden.

Wir fahren heute fast schon den ganzen Tag lang durch den "Snowdonia-Nationalpark". Und das merken wir auch. Eine sehr schöne Landschaft, tolle Straßen und sehr viel Grün, all das bekommen wir hier in Hülle und Fülle geboten. Und warum es hier so grün ist, wird uns auch klar, als es wieder zu regnen beginnt. Trotz der noch relativ frühen Uhrzeit beginnen wir daher, nach einer Unterkunft Ausschau zu halten. Davon gibt es hier anscheinend nicht viele, zumindest finden wir keine. Dafür machen wir noch eine Pause in der Nähe von Rhyd Ddu. Hier hat gerade eine historische Eisenbahn einen Halt eingelegt und bunkert Kohle für die Lokomotive. Da just in diesem Moment auch der Regen aufhört, machen wir einen kleinen Fotostopp. Hier ist einiges los. Viele Passagiere des Zuges stehen auf dem Bahngleis, vertreten sich die Beine oder machen wie wir Fotos.


Historische Eisenbahn in Rhyd Ddu

-> Pause der historischen Eisenbahn in Rhyd Ddu


Historische Eisenbahn in Rhyd Ddu

-> Pause der historischen Eisenbahn in Rhyd Ddu


An einer Fahrt mit der Eisenbahn durch diesen Nationalpark hätte ich auf jeden Fall auch Spaß. Vielleicht ergibt sich das ja noch. Jetzt aber fahren wir weiter und erreichen bald darauf das „Basecamp Wales“, ganz in der Nähe von Llanllyfni, etwas nordöstlich des Snowdonia-Nationalparks. Tim, der Verwalter, hat leider kein Zimmer mehr frei, bietet uns aber an, im Aufenthaltsraum einen Tee zu trinken und das kostenlose WLAN für eine Online-Unterkunftssuche zu benutzen. Während wir noch überlegen, was wir machen wollen, kommt ein Mitarbeiter von Tim hinzu. Er schlägt vor, uns einfach drei Matratzen in ein leeres Zimmer zu legen. Wir sehen uns den Raum an, der zwar tatsächlich komplett leer, aber absolut sauber ist. „Warum nicht?“ fragen wir uns und mieten das Zimmer gleich für zwei Nächte. Tim und sein Mitarbeiter packen nagelneue Matratzen aus, legen sie auf den Boden und schon ist unser Zimmer „fertig“ zum Bezug. Innerlich muss ich grinsen: Was für ein Kontrast zu dem Nobelhotel letzte Nacht. Aber für uns ist das hier OK, vom Balkon aus haben wir sogar unsere Motorräder im Blick.


Das „Basecamp Wales“ in der Nähe von Llanllyfni

-> Das „Basecamp Wales“ in der Nähe von Llanllyfni




-> Unsere "Luxussuite" :o)


Recht schnell laden wir unser Gepäck ab und fahren dann in den nahegelegenen Ort, um in den dortigen Supermarkt für unser Abendessen einzukaufen. Das kochen wir uns dann in der Selbstversorgerküche unseres Hostels, die wirklich bestens ausgestattet ist. Sogar eine Spülmaschine gibt es hier. Das ist keine Selbstverständlichkeit in diesen Unterkünften, und wir machen dankend davon Gebrauch.

Nach dem Essen machen wir noch einen kleinen Spaziergang. In der Ferne sehen wir den Mount Snowdon, den mit 1085 Metern Höhe höchsten Berg in Wales und gleichzeitig Namensgeber des Snowdonia-Nationalparks. Laut Tim ist der Gipfel von hier aus fast immer in Wolken gehüllt – so leider auch Heute.


Mount Snowdon

-> Blick auf den Mount Snowdon, der wie fast immer in Wolken gehüllt ist


Zurück im Aufenthaltsraum des „Basecamp Wales“ werden wir noch einen Blick auf die Karte und beschließen, Morgen auf die Insel Anglesey zu fahren, die im ganz im Nordwesten von Wales liegt. Markus füttert sein Navi mit einem schönen Rundkurs, dann ziehen wir uns zurück in unsere „Luxussuite“ :o)






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