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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 5 in Wales  

Heute starten wir für unsere Verhältnisse recht spät in den Tag. Es ist fast halb elf, als wir vom Parkplatz unserer Unterkunft rollen. Dabei fühle mich irgendwie so „erleichtert“. Kein Wunder, denn da wir hier im „Basecamp Wales“ zwei Nächte bleiben, habe ich meine Seitentaschen abgemacht und habe lediglich den Tankrucksack als Gepäck dabei. Und noch einen weiterer Vorteil haben wir mit unserer 2-Nächte-Buchung: Heute Abend müssen wir uns keine Unterkunft suchen. Kein Ärger also mit „Bank-Holidays“ oder ähnlichen Dingen. Dafür allerdings ist der Himmel grau und trüb, hoffentlich bleibt es trocken.


Caernafon Castle

Wir lenken unsere Vorderräder gen Norden. Ziel ist die Insel Anglesey im Nordosten von Wales, die wir heute erkunden möchten. Außerordentlich weit fahren wir allerdings zunächst nicht, denn nach ungefähr 15 Kilometer halten wir bereits wieder an. Wir stehen in dem Örtchen Caernafon vor dem gleichnamigen Schloss. Von außen fällt es gar nicht sofort auf, aber es handelt sich um eine Burgruine. Bereits Ende des 11. Jahrhunderts stand hier eine „Motte“, also eine überwiegend aus Holz errichtete Burg. Erst im späten 13. und frühen 14. Jahrhunderts rissen die Engländer dieses nieder und errichteten an dessen Stelle dieses doch recht imposante Schloss als Symbol der englischen Herrschaft über die Waliser.


Caernafon Castle

-> Caernafon Castle


Im Moment ist hier Ebbe und die vielen Boote vor der Burg liegen überwiegend auf dem trockenen. Trotzdem ist recht viel los in dem kleinen Hafen, was allerdings nicht zuletzt auch an den vielen Touristen liegt, die wie wir rund um das Schloss laufen auf der Suche nach dem besten Standort für ein schönes Foto. Und damit niemanden etwas dabei passiert, sind regelmäßig Schilder aufgestellt, die die Menschen vor den Gefahren warnen, die hier lauern. Hier sieht man mal wieder die Macht des Bildes: Vom Text verstehe ich kein Wort. Und weiß trotzdem genau, um was es geht :o)


Warnschild

-> Auch ohne walisische Sprachkenntnisse eindeutig


In neuerer Zeit wurde Caernafon Castle übrigens bekannt durch die feierliche Einsetzung des „Prince of Wales“, die hier am 1. Juli 1969 stattfand. Niemand geringerem als Prince Charles wurde dieser Titel seinerzeit verliehen.

1986 schließlich wurden die Burg und auch die Stadtmauer von Caernafon auf die Liste als Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Wie schon das Kloster Tintern Abbey wird auch Caernafon Castle von der walisischen Denkmalschutzbehörde Cadw verwaltet.


Auf der Insel Anglesey

Wir sind genug gelaufen und setzen uns wieder auf unsere Motorräder. Kurz fahren wir mitten durch die Innenstadt von Caernafon und bestaunen dabei auch die Ausmaße der Stadtmauer, die wirklich beeindruckend ist. Anschließend folgen wir für ein kurzes Stück der A487, die teilweise direkt an der Küste entlang führt und biegen dann auf die A55. Über die „Britanniabrücke“ überqueren wir die „Menaistraße“, eine Meeresenge, die zwischen Nordwales und der Insel Anglesey liegt.

Anglesey empfängt uns mit total überfüllten Straßen. Gleich die erste Abfahrt nutzen wir, um die A55 zu verlassen, aber auch auf den kleineren Straßen ist jede Menge los. Das ändert sich erst, als wir Richtung Küste abbiegen. Und mit dem abnehmenden Verkehr werden auch die Wolken weniger, was uns natürlich beides außerordentlich gut gefällt. Wir machen eine kleine Pause an einem Parkplatz und auch, wenn der Himmel noch nicht ganz klar ist, genießen wir die Aussicht.


Westküste von Anglesey

-> Pause an der Westküste von Anglesey


Unser Weg führt uns auf kleinen Straßen entlang der Westküste von Anglesey weiter nach Norden. Über eine kleine Brücke fahren wir hinüber auf die Insel „Holy Island“ und dort weiter bis zum Leuchtturm „South Stack“. Dies ist anscheinend ein sehr beliebter Ort, denn hier ist jede Menge los. Wir ignorieren die ersten Parkplätze und fahren einfach weiter bis an das Ende der Straße und haben damit alles richtig gemacht: Für Motorräder findet sich immer ein Platz zum Parken, so auch hier. Mit dem Fotoapparat in der Hand machen wir uns auf Motivsuche, denn dieser Leuchtturm und vor allem seine Lage sind wirklich sehr schön anzusehen.


Leuchtturm South Stack

-> Leuchtturm South Stack


Leuchtturm South Stack

-> Leuchtturm South Stack


Wer möchte, kann auch bis ganz nach unten gehen. 400 Stufen sollen es sein, die über die Treppe hinab führen. Uns ist es für so eine Kletterpartie allerdings zu warm. Mittlerweile verdrängt die Sonne mehr und mehr die grauen Wolken und bringt damit entsprechende Temperaturen, die wir in unserer Motorradkluft ganz besonders zu spüren bekommen. Stattdessen lassen wir unsere Blicke auch in andere Richtungen schweifen und auch diese Aussichten können sich durchaus sehen lassen.


Westküste von Anglesey

-> Westküste in der Nähe des Leuchtturms South Stack


Zurück an den Motorrädern habe ich eine Art „Déjà-vu“. Ein Vater und sein ungefähr zehnjähriger Sohn bauen sich vor unseren Maschinen auf. Vater erklärt, dass dies hier zwei BMWs und eine Kawasaki sind und wir aus „D“ wie Denmark kommen... Nein, nicht schon wieder ;-) Junior jedenfalls ist schwer beeindruckt vom Wissen seines Vaters und schaut ihn staunend und respektvoll an. Wir sagen nichts dazu, warum sollen auch dem Sohn seine Ehrfurcht nehmen?

Grundsätzlich aber sind solche Erlebnisse eine Ausnahme. Die meisten Waliser erkennen uns recht schnell als Deutsche und überraschen uns immer wieder mit ein paar deutschen Wörtern. Ob beim Tanken oder im Supermarkt, ob im Pub oder am Abend in den Unterkünften: Ein freundliches „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“ hören wir sehr oft.

Wir verlassen „South Stack“ und fahren nun quer über die Insel Richtung Osten nach Holyhead. Das ist die größte Stadt auf Anglesey und von hier aus fahren die Fähren hinüber in das irische Dublin. Es ist schon früher Nachmittag, daher gönnen wir uns am Rande des Ortes einen kleinen Snack. Anschließend folgen wir eine Zeitlang der Ostküste der Insel und haben auch hier immer wieder sehr schöne Aussichten.


Auf der Insel Anglesey

-> Schöne Aussichten auf der Insel Anglesey


Um zurück auf das Festland zu kommen wollen wir diesmal nicht die Autobahn und die „Britanniabrücke“ nutzen, sondern die wenige Kilometer östlich davon gelegene „Menai-Bridge“. Diese wurde zwischen 1819 und 1826 errichtet und ist damit älter als die Autobahnbrücke. Bis dahin musste man per Fähre übersetzen oder einen Fußweg nutzen. Dieser führte allerdings nur bei Niedrigwasser durch das Watt.


Menai-Bridge

-> Die Menai-Bridge verbindet Nordwales mit der Insel Anglesey


Menai-Bridge

-> Infotafel an der Menai-Bridge


Gebaut wurde die „Menai-Bridge“ übrigens, da der Handel zwischen dem Königreich Großbritannien und Irland immer mehr zunahm und die Fährverbindung in das irländische Dublin über Holyhead erfolgte. Da waren dann schnelle Anbindungen gefragt.


Durch den Snowdonia Nationalpark

Obwohl es mittlerweile bereits früher Abend ist, fahren wir nicht auf dem direkten Weg zu unserer Unterkunft, sondern schlagen einen Bogen durch den Snowdonia Nationalpark. Und werden dafür mit engen Straßen, vielen Kurven und Hügeln belohnt. Und mit Aussichten, die uns immer wieder anhalten und ein Foto machen lassen.


Snowdonia Nationalpark

-> Grün, grüner, Snowdonia Nationalpark


Irland wird ja gerne „die grüne Insel“ genannt. Aber ich finde, Wales steht dem in nichts nach.

Schließlich wird es Zeit, Richtung unseres „Basecamp Wales“ zu fahren. Zuvor machen wir noch einen Stopp im Supermarkt von Llanllyfni. Zuletzt hatten die Wolken wieder zugenommen und als wir auf unsere Maschinen in den Ort rollen, fängt es an zu regnen. Obwohl wir uns beeilen und es von hier aus nicht weit zu unserer Unterkunft ist, werden wir doch ziemlich nass. Zurück im „Basecamp“ erkennt Tim direkt unser Dilemma und zeigt uns den Heizungsraum, in dem es schön warm ist und wo wir unsere Sachen zum Trocknen aufhängen können. Echt Klasse.

Frisch geduscht und mit trockenen Outfit stehen wir bald darauf in der Selbstversorgerküche und machen uns etwas zu essen. Anschließend sieht die Welt draußen auch schon wieder viel schöner aus. Die Wolken haben sich anscheinend ausgeregnet, zumindest sind sie verschwunden und haben einen wolkenlosen Himmel hinterlassen. Das lässt für Morgen hoffen.


Basecamp Wales in Llanllyfni

-> Abendlicher Blick vom Balkon unserer Unterkunft im "Basecamp Wales"







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