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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 6 in Wales  

Ich weiß nicht warum, aber ich bin sehr früh wach an diesem Morgen. Bereits um halb sieben sitze ich mit einem Becher Tee in der Hand vor dem Eingang unserer Unterkunft auf einen Stuhl und lasse mir die Morgensonne ins Gesicht scheinen. Ein herrlicher Tag kündigt sich an und ich genieße die morgendliche Ruhe und die bereits jetzt schon angenehmen Temperaturen.


Basecamp Wales in Llanllyfni

-> Morgenstund hat ... Sonne im Gesicht :o)


Ich hätte nichts dagegen, noch eine oder zwei weitere Nächte hier zu bleiben und den Snowdonia-Nationalpark weiter zu erkunden. Leider haben wir dasselbe Problem, das wohl alle Reisenden haben: Uns sitzt die Zeit im Nacken. Die Fähre für die Rückfahrt auf das europäische Festland ist gebucht und für uns alternativlos. Das lässt sich nun mal nicht ändern.


Abschied vom „Basecamp Wales“

Rund drei Stunden später haben wir dann gefrühstückt, unsere Sachen gepackt, das Gepäck an den Motorrädern verstaut und stehen abreisefertig neben unseren Maschinen. Ich habe Tim meinen Fotoapparat in die Hand gedrückt, damit er ein Foto von uns macht. Auch für ihn waren wir etwas Besonderes: Wir waren seine ersten Gäste, die auf dem Boden geschlafen haben, wie er uns lachend versichert. Dann bleiben wir wohl bei ihm noch für einige Zeit in (hoffentlich guter) Erinnerung.


Basecamp Wales in Llanllyfni

-> Time to say goodbye ... Abschiedsfoto am "Basecamp Wales"


In den nächsten zwei Stunden fahren wir quer durch den Nationalpark. Offene Landschaften wechseln sich mit Waldreichen Abschnitten ab und wir machen mehr als einen Fotostopp. Auch jetzt bedauere ich, dass wir nicht noch ein wenig länger hier bleiben können. Die Straßen sind in einem guten Zustand, es gibt Kurven und Hügel, es herrscht wenig Verkehr und das schöne Wetter trägt natürlich auch zu unserer guten Laune bei.


Snowdonia-Nationalpark

-> Fahrt durch den Snowdonia-Nationalpark


Snowdonia-Nationalpark

-> Fahrt durch den Snowdonia-Nationalpark


Snowdonia-Nationalpark

-> Fahrt durch den Snowdonia-Nationalpark


Stromschnellen am Wegesrand

Es ist früher Mittag, als wir aus dem Augenwinkel in der Nähe des Ortes Bala etwas abseits der Straße ein Haus sehen, das wie eine Mischung aus Café und Motel wirkt. Kurz entschlossen setzt der vorne fahrende Markus den Blinker, wir biegen ab auf die Zufahrt des Hauses und stehen dann vor dem „White Water Centre“. Was wir von der Straße aus nicht sehen konnten, ist der Fluss Tryweryn, der direkt hinter dem Haus verläuft. Und der Tryweryn ist nicht nur irgendein Fluss, sondern er wird durch eine Dammfreisetzung entgegen der Flussrichtung weiter oben zu einem richtigen Wildwasser mit Stromschnellen. Das Wasser saust hier vorbei und wer möchte, kann sich direkt am Wasser auf eine schöne Terrasse setzen und den Anblick genießen. Aber diese Stromschnellen sehen nicht nur optisch gut aus, sondern werden hier auch zu verschiedene Arten von Wassersport genutzt, zum Beispiel zum Rafting. Es können Touren gebucht werden und egal ob Anfänger oder Profi, hier soll jeder auf seine Kosten kommen.


White Water Centre

-> Im "White Water Centre"


White Water Centre

-> Im "White Water Centre"


Wir nutzen diesen schönen Ort und machen eine kleine Pause. Die Leute hier sind alles recht entspannt, egal ob Kleinkind oder Rentner. Leider kommt in der Zeit, in der wir hier sitzen, kein Boot vorbei. Aber auch so ist es richtig schöne hier, es macht Spaß, auf das wilde Wasser zu schauen.

Während unserer Pause nimmt leider die Bewölkung zu. Wir bemerken das erst, als wir uns auf unsere Maschinen setzen und weiterfahren. Aus dem blauen Himmel wird mehr und mehr ein grauer Himmel. An der schönen Landschaft ändert das nichts, mehr als einmal bleiben wir stehen, um ein Foto zu machen. Die Straßen sind oftmals sehr schmal, wir drücken uns an den Straßenrand, wenn einer von uns mal wieder die Kamera zückt.


Walisische Landschaft

-> Unterwegs in Wales


Walisische Landschaft

-> Unterwegs in Wales"


Unterwegs in Wales

-> Unterwegs in Wales


Powis Castle

Ungefähr 2 ½ Stunden und einige Kilometer später biegen wir in der Nähe von „Welshpool“ ab auf die Zufahrt von „Castle Powis“. Auf dem riesigen Parkplatz stehen wirklich Unmengen von Autos. Jede Menge Menschen sind unterwegs, entweder hin zur Burg oder von dort zurück zu ihren Fahrzeugen. Entspannt ist anders. Als wir dann, wie immer die „offiziellen“ Parkplätze ignorierend, weiterfahren und unsere Motorräder in unmittelbarer Nähe der Burg abstellen, beginnt es zu regnen. „Shit happend“, würde der Waliser wohl dazu sagen. Wir wollen den Regen bei einer Besichtigung des Schlosses überbrücken, aber der Eintrittspreis ist uns dann doch zu hoch. Stattdessen stellen wir uns in dem Burgtor unter, das in den dicken Mauern eingelassen ist. Zufällig steht hier auch ein Eiswagen, was wir natürlich direkt ausnutzen. Wir sind nicht die einzigen, die das so machen und in dem schmalen Durchgang wird es immer voller. Zum Glück lässt der Regen bald nach. Wir machen einige Fotos, sitzen wir wieder auf und fahren weiter.


Powis Castle

-> Powis Castle


Powis Castle

-> Powis Castle


Unser heutiges Ziel ist der „Brecon Beacons Nationalpark“, zumindest den Norden davon wollen wir heute erreichen. Die Straßen, die wir fahren, sind teilweise extrem schmal. Und auch tückisch. An einer Stelle geht es stark bergab und unten wartet dann eine enge, scharfe Rechtskurve. Hinzu kommt, dass hier der Straßenbeleg noch glitschig ist vom Regen und mitten auf dem Weg auch noch dunkle Matsche liegt. Markus, der vorweg fährt, kann seine Maschine noch dort hindurch manövrieren, aber ich habe wohl einen Augenblick nicht aufgepasst. In der Kurve rutscht mir die Versys weg. Fast in Zeitlupe legt sie sich auf die Seite, zum Glück fast im Schritttempo. Daran, die Maschine zu halten, brauche ich gar nicht zu denken. Schwupps, liegt sie auf den Boden und ich stehe breitbeinig darüber. Johannes und Markus sind sofort da und gemeinsam richten wir sie problemlos wieder auf. Schäden sind keine zu erkennen, sie ist ja auch weich auf das Gebüsch am Straßenrand gefallen. Kurz schießt mir der idiotische Gedanke durch den Kopf, dass wir dieses Malheur nicht fotografiert haben. Aber auch für das schönste Foto lege ich die Versys nicht wieder hin :o)


Eine Unterkunft in Brecon

Am frühen Abend erreichen wir schließlich die YHA Brecon Beacons, die recht abgelegen außerhalb des Ortes Brecon am nördlichen Rand des Brecon Beacons Nationalpark liegt. Besonders gut gefällt mir das Haus nicht und dass dort keine Betten mehr für uns frei sind, kann ich problemlos akzeptieren. Aber die Arroganz des Mitarbeiters am Empfang stößt mir doch ziemlich sauer auf. Der junge Mann hält sich offensichtlich für etwas ganz besonderes. Die Sonne, die sich mittlerweile wieder durch die Wolken gekämpft hat, bringt meine Laune aber recht schnell wieder zurück nach oben. Wir fahren in die Innenstadt von Brecon und haben gleich beim ersten B&B, an dem wir anhalten, Erfolg. Hier im "Borderers Guest House" ist Platz für uns. Die Motorräder finden im abgeschlossenen Innenraum Platz und werden zudem noch von zwei scharfen Wachhunden bewacht.


Borderers Guest House in Brecon

-> Das Borderers Guest House in Brecon


Borderers Guest House in Brecon

-> Gut bewacht: Unsere Motorräder


Na gut, Wachhunde sind es nicht wirklich. Eher Spielhunde. Aber auf dem ersten Blick erkennt man das ja nicht unbedingt ;-)


Nachdem wir unsere Sachen auf den Zimmern verstaut und uns „ausgehfein“ gemacht haben, machen wir uns auf Richtung Innenstadt. Von unserer Unterkunft aus ist das nicht weit. Bereits nach wenigen Metern werden wir von einem Mann in ungefähr unserem Alter angesprochen. Ob wir etwas suchen würden, er uns helfen könne, möchte er wissen. Wir antworten, dass wir ein nettes Lokal suchen, in dem wir essen und ein Feierabendbierchen genießen können. „Follow me“ sagt der Mann und schon geht es los, er vorweg und wir neben bzw. hinter ihm her. Zwischendurch fragt er uns, woher wir kommen und als wir das übliche „Dortmund“ sagen, sind wir schon mitten in einem Gespräch über Fußball verwickelt. Selbst hier in Wales scheint Jürgen Klopp, der ehemalige Dortmunder Fußballlehrer, der nun in Liverpool tätig ist, recht beliebt zu sein. Nebenbei folgen wir der Hauptstraße, biegen zweimal ab und stehen dann vor dem „The George Weatherspoons“, einem Hotel mit Restaurant und Pub. Hier verabschiedet sich unser „Cityguide“ von uns und geht nach Hause. Wir hingegen setzen uns in den sonnigen Wintergarten des Pubs, bekommen ein schmackhaftes Essen serviert und lassen den Tag mit einem nicht minder leckeren Bier ausklingen.
Diesmal war der Tipp von einem "local" genau richtig ;-)






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