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Eine Motorradreise durch Wales
 Tag 7 in Wales  

Beim Frühstück fragen wir unsere Vermieterin, ob wir bei ihr noch eine Nacht verlängern können. Hier hat es uns wirklich gut gefallen und von hier aus könnten wir eine schöne Rundtour machen. Aber leider hat sie nichts mehr frei.

Eine Viertelstunde später steht sie freudestrahlend wieder bei uns am Frühstückstisch. Sie hat sich umgehört und eine Unterkunft für uns gefunden. Hier in Brecon, wir können sogar sofort hinfahren und die Zimmer beziehen. Das nenne ich mal einen tollen Service. Kurz telefoniere ich mit dem Vermieter, der nicht nur einen sympathischen Eindruckt macht, sondern für die Zimmer auch noch einen recht günstigen Preis nennt. Wir verabreden, dass wir in ungefähr eine Stunde bei ihm sind. Denn auch, wenn wir uns freuen, dass wir schon eine Unterkunft für die nächste Nacht haben, so wollen wir doch in aller Ruhe zu Ende frühstücken ;-)

Gut eine Stunde später stehen wir dann vor dem „Old Castle Farm Guest House“. Mit dem Vermieterehepaar verstehen wir uns sofort. Wir bringen alles, was wir heute tagsüber nicht benötigen, auf die Zimmer, dann starten wir die Motorräder und fahren Richtung Norden.


Old Castle Farm Guest House

-> Das "Old Castle Farm Guest House" in Brecon


Das „Woodstock des Geistes“: Hay-on-Wye

Wirklich weit haben wir es nicht. „Hay-on-Wye“ ist unser Ziel, das erste und bis heute größte so genannte Bücherdorf. Rund dreißig Kilometer sind es bis dahin. Bereits einige Kilometer davor sehen wir Park&Ride-Möglichkeiten, an denen man sein Fahrzeug abstellen und sich von einem Pendelbus in den Ort bringen lassen kann. „Hay“, wie es die Einheimischen kurz und knapp nennen, ist nämlich gnadenlos voll, denn hier findet zurzeit das jährlich „Hay Festival of Literature & Art“ statt, das Literaturfestival. Wir machen es wie immer, ignorieren die Parkplätze und fahren mitten hinein in die völlig überfüllte Stadt. Dort haben wir dann tatsächlich Mühe, Parkplätze für unsere Maschinen zu bekommen. Erst nach einigen Suchen werden wir fündig und können dann entspannt durch die Stadt schlendern.


Hay-on-Wye

-> Hay-on-Wye


Hay-on-Wye

-> Hay-on-Wye


Hier gibt es Vorlesungen, Geschichtenerzähler, Live-Musik und natürlich jeder Menge Bücher. Über 40 Häuser sind es, die über und über mit den verschiedensten Büchern vollgestopft sind. Ich persönlich finde die Preise für die gebrauchten Bände nicht gerade günstig. Aber die Auswahl ist schon gigantisch. Bill Clinton, der ehemalige US-Präsident, nannte dieses Festival übrigens das „Woodstock des Geistes“. Ein schöner Vergleich, wie ich finde.


Und natürlich kaufe ich mir auch ein Buch. Ich hätte gerne einen englischen Reiseführer über das Ruhrgebiet oder das Münsterland mit nach Hause genommen, denn aus der Gegend komme ich ja. Aber leider finde ich so etwas nicht. Also kommt ein Buch über das Rheinland in mein Gepäck. Das ist nicht so weit von mir entfernt und außerdem bin ich des Öfteren dort, denn ich habe da Bekannte.


Hay-on-Wye Hay-on-Wye

-> Auf dem Literaturfestival in Hay-on-Wye


Hay-on-Wye

-> Auf dem Literaturfestival in Hay-on-Wye


Hay-on-Wye

-> Auf dem Literaturfestival in Hay-on-Wye


Gerne wäre ich noch ein wenig hier geblieben und hätte durch die Bücherregale gestöbert. Aber bis ich alle 40 Häuser mit Büchern durchforstet hätte, wäre nicht nur dieser Urlaub aufgebraucht. Und außerdem lockt unser nächstes Ziel: Die Stadt Penderyn mit ihrer Whisky Destillerie.

Wir verlassen Hay-on-Wye wieder Richtung Süden. Allerdings nicht, ohne dass ich mir fest vornehme, noch einmal wieder zu kommen. Es muss ja nicht unbedingt während des Literaturfestival sein …


The Welsh Whisky Company

Wir fahren den gleichen Weg zurück, den wir am Morgen von Brecon nach „Hay“ genommen haben. Nur einen kleinen Zwangsstopp legen wir ein, als ein Schafsherde über die Straße zu ihrer neuen Weide getrieben wird.


Schafswanderung

-> Schafe haben hier Vorfahrt


Durch den Ort Brecon fahren wir hindurch, dann führt uns der Weg quer durch den „Brecon Beacons National Park“. Dieser wurde 1957 als letzter der drei walisischen Nationalparks gegründet und ist mit seinem rund 100 Meilen langen Wanderweg "Beacons Way" insbesondere bei Wanderern recht beliebt. Aber auch mit dem Motorrad kann man hier durchaus gut fahren, wie wir jetzt Fahrt feststellen. Auch wenn die Fahrt momentan durch weite, offene Flächen führt und nicht , wie im „Snowdonia“ durch Wälder, über Hügel und durch enge Straßen.


Brecon Beacons National Park

-> Der Brecon Beacons National Park


Die knapp 60 Kilometer lange Fahrt macht aber Spaß und wir bringen sie im zügigen Tempo hinter uns.

Die Whisky-Brennerei in Penderyn zu finde ist nicht schwer. Schon früh ist die „Welsh Whisky Company“ ausgeschildert Und so rollen wir auf den Parkplatz der Destillerie, die von außen recht unscheinbar aussieht. Im Reiseführer haben wir gelesen, dass hier stündlich Führungen angeboten werden und wir hoffen, kurzfristig an einer teilnehmen zu können.


Welsh Whisky Company

-> Die Welsh Whisky Company in Penderyn


Und es klappt. Am Eingang bezahlen wir unseren Obolus und erhalten dafür je einen „Tasting Token“, der uns berechtigt, nach der Führung noch an einer Verköstigung teilzunehmen. Gemeinsam mit acht anderen Besuchern machen wir uns kurz darauf auf den Weg durch das innerer der Brennerei. Fotografieren ist hier verboten, aber wir haben sowieso genug damit zu tun, unseren Guide zu verstehen. Zum einem wird die Führung auf Englisch gemacht und das walisische Englisch wird sehr schnell gesprochen. Zum anderen ist es hier innerhalb der Betriebsstätte recht laut. Wir sind froh, in Schottland bereits ähnliche Führungen mitgemacht zu haben, so dass wir bereits so ungefähr wissen, wie so ein Brennvorgang funktioniert. Auch wenn es dabei von Destillerie zu Destillerie Unterschiede gibt.

An der anschließenden Verköstigung nehmen wir als Motorradfahrer dann allerdings nicht teil. Eigentlich schade, denn hier wird der Whisky recht großzügig ausgeschenkt, die verschiedenen Sorten können wirklich ausgiebig getestet werden. Wir bekommen dafür aber als „Ersatz“ je eine kleine Probierflasche mit auf dem Weg, so dass wir am Abend unser eigenes Tasting veranstalten können.


Welsh Whisky Company

-> Im Shop der Welsh Whisky Company


Welsh Whisky Company Welsh Whisky Company

-> Welsh Whisky Company


Wir verlassen die „Welsh Whisky Company“, nicht aber ohne vorher noch einen Abstecher in den Verkaufsraum gemacht zu haben. Und das eine oder andere „Probierfläschchen“ zu kaufen, dass dann anschließend in unsere Tankrucksäcke wandert :o)

Es ist zwar mittlerweile bereits später Nachmittag, aber das Wetter ist einfach zu schön, als dass wir das nicht ausnutzen wollen. Daher drehen wir noch eine ausgiebige Runde durch den „Brecon Beacons National Park“. Und stehen dabei gleich vor einer Herausforderung. Hier ist ein großes Gebiet abgesperrt, in dem die Tiere frei herumlaufen können. Und genau durch dieses Gebiet läuft eine schöne Straße, die eigentlich zum entspannten Fahren einladen würde. Aber die Schafe, Pferde, Kühe und Bullen, die wir sehen und die direkt neben und auch auf der Straße frei herumlaufen, lassen das nicht zu. Stattdessen ist höchste Konzentration angesagt, wer weiß, ob eines dieser lieben Tierchen nicht plötzlich seine Richtung ändert.


Brecon Beacons National Park

-> Tierische Begegnungen im Brecon Beacons National Park


Nachdem wir dieses „Freigehege“ verlassen haben, folgen wir kleinen und meist recht engen Straßen, die uns an verschiedenen Wasserreservoiren verbeiführen und die richtig Laune machen. So viel Laune, dass wir überhaupt nicht auf die Idee kommen, für ein Foto anzuhalten. Nach etwas über einer Stunde lang Kurvenräubern stehen wir dann unvermittelt am Ortseingang von Breacon. Das war eine schöne Runde, die wirklich Spaß gemacht hat.

Nachdem wir uns in unserm Guesthouse Stadtfein gemacht haben, machen wir uns zu Fuß auf Richtung Innenstadt. Im Biergarten des direkt am Ufer des Flusses Usk gelegenen „Watergate Fish Bar & Cafe“ legen wir einen kleinen Zwischenstopp ein und lassen anschließend den Tag wie gestern im „The George Weatherspoons“ mit einem leckeren Essen ausklingen.






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