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Weimar: Hauptstadt der Dichter und Denker

Weimar? Mir fielen in diesem Zusammenhang immer gleich Goethe und Schiller ein. Vielleicht denkt der eine oder andere auch noch an die Herzogin Anna Amalia. Der Brand der nach ihr benannten Bibliothek war im September 2004 in allen Nachrichten, ebenso wie die Wiedereröffnung nach der Restauration im Oktober 2007. Und dann gibt es da natürlich auch noch Buchenwald, eines der gröβten Konzentrationslager auf deutschem Boden.

Aber immer schön der Reihe nach: Wer Weimar besucht, der findet ein kleines und überschaubares Städtchen. Gerade mal rund 66.000 Einwohner zählt dieser in der Nähe der thüringischen Hauptstadt Erfurt gelegene Ort. Und dennoch findet man hier ein kulturelles Erbe, mit dem zu beschäftigen es sich lohnt. Insbesondere mit der Epoche, die als „Weimarer Klassik“ in den Geschichtsbüchern steht.

Ausgangspunkt und wohl auch wichtigste Person dieser Zeit ist die Herzogin Anna Amalia. Die 1739 in Wolfenbüttel geborene Herzogstochter heiratet 1756 Herzog Ernst August II. Constantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, und kam auf diese Weise nach Weimar. Das Paar bekam zwei Söhne: Carl August (geb. 1757), und Friedrich Ferdinand Constantin (geb. 1758). Die Geburt seines zweiten Kindes erlebte Herzog Ernst August II. aber bereits nicht mehr, er verstarb am 28. Mai 1758, und machte Anna Amalia bereits im Alter von 19 Jahren zur Witwe.

Anna Amalia nahm die Erziehung Ihrer Söhne selbst in die Hand, und berief dazu unter anderem auch den in Erfurt weilenden Christoph Martin Wieland nach Weimar, den zu dieser Zeit bedeutendsten Schriftsteller im deutschen Sprachgebiet. Auch die Staatsgeschäfte führte sie weiter, als Vormund für ihren ältesten Sohn.

Eben diese Sohn, Erbprinz Karl August, unternahm im Jahre 1774 als 17 jähriger eine Bildungsreise nach Frankreich. Auf dem Rückweg verlobte er sich dann nicht nur so mal eben mit Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, sondern lud in Frankfurt auch noch den zu dieser Zeit bereits berühmten Dichter Johann Wolfgang Goethe nach Weimar ein. Der folgte der Einladung, und blieb dann gleich sein Leben lang dort. Nur eine rund zweijährige „Auszeit“ in Italien gönnte er sich. Während seines Wirkens in Weimar lockte sein Name auch andere Persönlichkeiten an, so zum Beispiel die Dichter bzw. Schriftsteller Friedrich Schiller, Johannes Daniel Falk und Johann Gottfried Herder. Insbesondere Goethe und Schiller sind heute noch äuβerst präsent in der Stadt: Ihre Wohnhäusern sind zu besichtigen, Denkmäler ebenso, und Straβen, Cafés und sogar Kaufhäuser sind nach Ihnen benannt.




Aber auch andere Sehenswürdigkeiten sollte man sich in Weimar nicht entgehen lassen, wie das Wohnhaus von Anna Amalia, den Park an der Ilm, das Bauhaus-Museum, das Schloss Belvedere südlich der Stadt oder das Weimarer Stadtschloss. Hier lebte der Sohn von Karl August und seiner Gemahlin Luise, der Erbprinz Karl Friedrich mit seiner Frau, der russische Groβfürstin Maria Pawlowna. Auch Franz Liszt sowie Richard Wagner verbrachten einige Zeit in Weimar, und hinterlieβen hier ihre Spuren. Mein persönliches Highlight ist jedoch die „Anna-Amalia-Bibliothek“ mit ihrem wirklich sehenswerten Rokokosaal. Absolut Empfehlenswert!


Geschichte ganz anderer Art dagegen bringt die Zeit des „Dritten Reiches“. Nordwestlich der Stadt, auf dem Ettersberg, wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 das Konzentrationslager Buchenwald als Arbeitslager betrieben. Die Zahl der Todesopfer in diesem Lager wird auf ca. 56.000 Menschen geschätzt.




Nach der Befreiung durch die US-Armee im Jahr 1945 war die leidbringende Geschichte dieses Lagers aber leider noch nicht beendet. Nachdem die Amerikaner abgezogen waren, fiel das Gelände an die sowjetische Besatzungsmacht, die es als „Speziallager Nr. 2“ nutzte. Bis 1950 mussten dort weiter 7000 Menschen sterben.

1958 schlieβlich lieβ die Regierung der DDR die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ eröffnen. Ein monumentaler Betonklotz mit einem für den „Arbeiter- und Bauernstatt“ typischen Denkmal davor erinnert seitdem an dieses dunkle Kapitel der Stadt. Seit 1991 heiβt es nur noch „Gedenkstätte Buchenwald“. Viele Ausstellungen bringen dem Besucher seitdem die Geschichte des Konzentrationslagers näher. Ich habe zusammengenommen dort fast einen ganzen Tag verbracht, und trotzdem nicht alles gesehen. Es war ein mulmiges Gefühl, das sich während der Besichtigung bei mir eingestellt hat. Es ist schier unglaublich, wozu Individuen, die sich "Menschen" nennen, in der Lage sind.


Mein Fazit: Es gibt viel zu sehen in Weimar, und es sollten einige Tage für die Besichtigungen eingeplant werden. Das einzige, was mich wirklich störte, war das in allen Sehenswürdigkeiten geltende Verbot, zu fotografieren (auβer der Gedenkstätte Buchenwald). Ich finde, zumindest ohne Blitzlicht sollte es erlaubt werden. Da ist man in den Kulturstätten anderer Städte wesentlich flexibler!

Wem Weimar noch nicht reicht, dem bietet auch das Umfeld jede Menge lohnende Ziele. Auf der Anreise zum Beispiel besichtigte ich die Wartburg. Auch Erfurt mit seinem Dom und der Krämerbrücke ist nicht weit. Und so kommt für den interessierten Urlauber hier in dieser Region bestimmt keine Langeweile auf.

Einige Bilder dieser schönen Stadt findet ihr hier:

Zu den Weimarbildern (14 Bilder)



Interessante Links:

www.weimar.de
www.klassik-stiftung.de
www.buchenwald.de
www.das-bauhaus-kommt.de


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