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2015: Unterwegs auf dem Weserradweg


Vier Tage lang waren wir unterwegs auf Deutschlands beliebtesten Radweg (lt. Tourismus-Umfrage aus dem Jahr 2007) und radelten dabei rund 160 der insgesamt knapp 500 Kilometern. Der Weg führte uns dabei von Hann. Münden bis Minden.

1. Tag: Von Hann. Münden bis Beverungen


Da stehen wir also. Am sogenannten "Weserstein" unter der großen Kastanie. Wie viele andere vor uns lesen auch wir den Text der Inschrift:



-> Am Zusammenfluss von Fulda und Werra



-> Der Weserstein" unter der großen Kastanie


Wo Werra sich und Fulda küssen
Sie ihre Namen büssen müssen,
Und hier entsteht durch diesen Kuss
Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.
Hann. Münden, d. 31. Juli 1899


Von links kommt die Fulda, von rechts die Werra, beide vereinigen sich hier und ergeben die Weser. Was schon ungewöhnlich ist. Normalerweise fließt der kleinere, kürzere Fluss in den größeren und der behält dann seinen Namen. Hier allerdings entsteht etwas neues, die Weser eben.

Wenige Meter neben dem (alten) Weserstein wurde im Jahre 2000 ein neuer aufgestellt. Im Rahmen der EXPO 2000 verfasste der bulgarische Künstler Nedko Solakov einen Text, der ebenfalls auf einem Stein präsentiert wird:



-> Der neue Weserstein, aufgestellt anlässlich der EXPO 2000


Der enttäuschte Fluss

Mein lieber Wanderer, bitte schau doch einmal auf die Fulda (zu Deiner Linken). Wirkt sie nicht irgendwie enttäuscht, sogar unglücklich, wenn man ihr Wasser so müde fließen sieht? Ja, sie ist es auch und ich sage Dir warum.

Es trug sich zu, dass ihre innig geliebten Buchstaben F,U,L,D und A beim Zusammenschluß mit der WERRA vollkommen vernachlässigt wurden. Wie Du siehst, fehlen diese Buchstaben im neuen Namen des Flusses: WESER. Die arme FULDA durfte lediglich stellvertretend im neuen Wort erscheinen, so wählte sie den Buchstaben S. Dieses S ersetzte eines der beiden R's der WERRA. Warum das S? Die Kurven im S erinnerten die wehmütigen Buchstaben F,U,L und D an die lieblichen Kurven an der Quelle der FULDA. Dort, wo diese Buchstaben noch quirlige Bäche sind. Die empfindsame FULDA fühlte sich vom Schicksal ungerecht behandelt; hatte sie doch all die Jahrhunderte so hart gearbeitet – scheinbar für nichts und wieder nichts. Um wenigstens ihren seelischen Frieden zu bekommen, fing sie damit an, den Händlern behilflich zu sein. Die Händler mussten schreckliche Stapelrechte und hohe Steuern für Waren und Güter zahlen, die sie in die Stadt Hann. Münden brachten. Übrigens wurden diese fürchterlichen Steuern dafür verwendet, elegante Häuser an den Ufern der Konkurrentin WERRA zu bauen. Deshalb entschloss sich die FULDA, einige Waren über ihre Wasser zu schmuggeln – ein kleiner, aber stiller Akt der Vergeltung.

Die beiden A's aus FULDA und WERRA waren ebenfalls sehr unzufrieden mit dem Zusammenschluss. Stell Dir das einmal vor! Der erste Buchstabe im Alphabet wird auf eine so brutale Art und Weise übergangen! Jedoch erhielten die A's eine kleine Entschädigung. Es wurde eine Vereinbarung getroffen und nun erscheinen sie am Anfang im Namen einer schönen deutschen Stadt, irgendwo im Westen…



Ironisch humorvoll, so der Künstler, habe er hier über Fulda, Werra und Weser nachgedacht.
Nun ja…

Um allerdings ein echter Klassiker zu werden wie die Inschrift vom „alten“ Weserstein, ist der Text meiner Meinung nach allerdings viel zu lang.

Aber wir sind ja nicht zum lesen oder gar philosophieren hier. Wir wollen Radfahren. Und zwar entlang der Weser auf dem Weserradweg. Und der startet nun mal hier in Hann. Münden. Was übrigens ein netter kleiner Ort ist. Viel Fachwerk, sehr viel sogar. Ein kleiner Bummel durch die Stadt macht wirklich Spaß. Besonders dann, wenn man das Glück hat, das kleine Schauspiel zu bewundern, dass sich täglich um 12, 15 und 17 Uhr außen am Turm des Rathauses abspielt. In Anlehnung an einen berühmten Sohn der Stadt, an Dr. Eisenbart nämlich, wird dort oben „live“ eine Zahn-OP gezeigt. Einfach mal ansehen.



-> Zahn-OP von Dr. Eisenbart am Rathausturm


Wir allerdings verlassen Hann. Münden, ohne Dr. Eisenbart oder einen seiner Nachfahren besuchen zu müssen. Dafür haben wir etwas anderes entdeckt. Was zunächst wie ein Zigarettenautomat aussieht, entpuppt sich als „Reserveschlauchautomat“. Hann. Münden ist ganz offensichtlich auf Radfahrer eingestellt ;-)



-> Für Nachschub ist gesorgt


Wir fahren aus dem Ort hinaus Richtung Norden. Vorbei an dem Welfenschloss, einst Residenz und Verwaltungssitz, heute das städt. Museum. Zunächst führt der Radweg direkt an der B 80 entlang, von wo aus wir einen letzten Blick zurück auf den "Kuss" von Werra und Fulda werfen.



-> Das Welfenschloss, heute das städt. Museum von Hann. Münden



-> Blick zurück auf den Zusammenfluss von Werra und Fulda


Kurz darauf biegt die B 80 nach links ab, wir aberfolgen der Straße weiter geradeaus. Immerhin fahren wir nicht auf der Straße selbst, sondern auf einem extra angelegten Radweg. Dieser befindet sich mal direkt neben der Straße, mal ein paar Meter davon entfernt. Die Weser selbst ist aber meistens zu sehen.



-> Fahrt entlang der Weser


Der Weg führt mit wenigen auf und ab’s durch eine unspektakuläre Landschaft. Wir passieren kleine Ortschaften wie Ginte oder Hemeln und freuen uns, dass es trocken ist und wir immer wieder die Weser im Blick haben. Rund zwei Stunden benötigen wir, bis wir Bursfelde erreichen. Hier befindet sich ein ehemaliges Benediktinerkloster.



-> Das Benediktinerkloster Bursfelde


Im Jahre 1093 wurde es von einigen Mönchen aus dem Kloster Corvey erbaut. In Vordergrund standen hier die Lehre der Wissenschaft und die Unterrichtung der Mönche. Als sich Förderer und Finanzierer des Klosters mehr und mehr zurück zogen, wuchs auch dessen Bedeutungslosigkeit. Auch die Reformation änderte nicht viel daran. Immerhin wurde eine Klosterbibliothek gegründet, für die Bücher geschrieben, kopiert und gesammelt wurden.

Wechselnde Machtverhältnisse zwischen der katholischen und evangelischen Kirche setzten auch dem Kloster Bursfelde zu. Nach und nach wurde es immer unbedeutender. Seit 1828 leben dort auch keine Mönche mehr. Heute untersteht es der Klosterkammer Hannover und dient in erster Linie als Tagungszentrum. Aber die Kirche wird auch immer noch für Gottesdienste genutzt. Schön anzusehen, da gut gepflegt, ist das Kloster auf jeden Fall. Mir hat es Spaß gemacht, ein wenig durch die verschiedenen Räume zu stöbern.



-> Innenansicht des Klosters



-> Innenansicht des Klosters


Kaum haben wir uns nach diesem Rundgang auf unsere Räder geschwungen, da steigen wir auch schon wieder ab. Am Ortsausgang von Bursfelde lädt ein wirklich nettes Lokal zur Pause ein. Da lassen wir uns nicht lange bitten und kehren dort ein, um Kaffee und Kuchen zu genießen. Und dazu die Sonne, die uns vom mittlerweile blauen Himmel verwöhnt. Einfach herrlich. Es fällt uns nicht leicht, wieder auf die Räder zu steigen und weiter entlang der Weser zu fahren. Aber wir haben ein Tagesziel, dass es zu erreichen gilt.



-> Pause an der Klostermühle


Als nächstes erreichen wir Oedelsheim. Hier sollen die Gebrüder Grimm das Märchen vom gestiefelten Kater erfunden haben. Die berühmten deutschen Märchenerzähler waren häufig in dieser Gegend zu Gast. Auch Schneewittchen und die sieben Zwerge sollen ihren Ursprung hier an der Weser haben. Uns aber zieht es weiter nach Bodenfelde. Dabei müssen wir auch teils heftige Steigungen bewältigen. Einmal steigen wir sogar ab und schieben die Räder. Dabei sind wir allerdings in guter Gesellschaft: Auch andere Radfahrer, die wir treffen, haben an dieser Stelle kapituliert.

Teilweise führt der Weserradweg direkt am Fluss entlang, teilweise auch nur in der Nähe. Und einmal quer wir die Weser auch, um auf der anderen Seite weiter zu fahren.



-> Weseridylle



-> Seitenwechsel


So kommen wir nach Bad Karlshafen. Kurz zuvor, bei einer kleinen Pause am Wegesrand, ist bei einem unserer Fahrräder der Ständer abgebrochen. Hier in Bad Karlshafen finden wir recht schnell einen Ersatz. Allerdings haben wir unterwegs ein wenig getrödelt und sind daher schon recht spät dran. Eine Pause in dem Ort machen wir daher nicht, sondern fahren direkt weiter. Die Zufahrt zum Weser - Skywalk, einer Aussichtsplattform, von der aus man eine herrliche Aussicht auf die Weser haben soll, ist uns zu steil. Stattdessen machen wir noch eine kurze Pause in einem Cafe direkt am Fluss, bevor wir weiterfahren und gegen 18:00 Uhr unser heutiges Ziel Beverungen erreichen.

Nun stehen einchecken, duschen und sauberer Sachen anziehen auf dem Programm. Auf der Suche nach einem Lokal für unser Abendessen bummeln wir durch die Stadt und bekommen so einen kleinen Eindruck von Beverungen.



-> Cordt-Holstein-Haus aus dem 17. Jahrhundert



-> Brunnen auf dem Jakobusplatz


Gut fünfzig Kilometer sind wir heute gefahren. Mir als Gelegenheitsradler reicht das. Es hat Spaß gemacht, ohne in Stress auszuarten. Und das ist gut so, denn schließlich habe ich Urlaub.



-> Unsere Unterkunft in Beverungen







Zu Tag 2



Weserradweg
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