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2017: Worpswede - vom Teufelsmoor zum Künstlerdorf


Montag

Wie kam es eigentlich dazu, dass ausgerechnet Worpswede zur „Künstlerkolonie“ wurde? „Schuld“ daran ist Emilie, genannt Mimi, Stolte. Sie war die Tochter des Worpsweder Kaufmanns Carl Otto Ferdinand Stolte und besuchte im Jahre 1884 ihre Tante in Düsseldorf. Dort lernte sie den Kunststudenten Fritz Mackensen kennen und schwärmte ihm so viel über die Schönheit ihres Heimatortes vor, dass der ihre Einladung zu einem Besuch annahm und gleich im September des gleichen Jahres in die Tat umsetzte.

Worpswede gefiel ihm auf Anhieb so gut, dass er zurück in Düsseldorf seine beiden Mitstudenten Hans am Ende und Otto Modersohn dazu überredete, sich nach dem Studium gemeinsam mit ihm in Worpswede niederzulassen und zu malen. Im Jahre 1889 setzten die drei Freunde ihren Plan in die Tat um, so dass dieses Jahr als das Gründungsjahr der Künstlerkolonie gilt. In den nächsten Jahren folgten weitere Künstler, wie Heinrich Vogeler, Paula Becker oder Clara Westhoff.

Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung wurde der „Barkenhoff“, den Heinrich Vogeler 1895 erwarb und im Jugendstil umbaute. Hier trafen sich die befreundeten Künstler einmal pro Woche zu Gesprächen und Pläne schmieden…




Schild Landkreis Osterholz Ich habe genug Zeit, mir die Geschichte von Worpswede im Landkreis Osterholz (bei Bremen) durch den Kopf gehen zu lassen. Für die 255 KM lange Anreise brauche ich heute fünfeinhalb Stunden. Die Autobahn scheint nur aus Baustellen zu bestehen. Die verantwortlichen Planer haben sich das wirklich gut ausgedacht, hier auf der A1 Richtung Norden eine Straßen- und Brückensanierung an die nächste zu reihen. Ich vermute mal, sie selber brauchen hier momentan wohl nicht lang zufahren... ?


Es ist bereits früher Nachmittag, als ich schließlich meine Unterkunft in Worpswede erreiche. Kurzes einchecken, dann mache ich mich auch schon auf den Weg zu einem Spaziergang durch den Ort und die nähere Umgebung. Und dieser Gang startet in der Nähe der Touristeninformation und des großen Parkplatzes bei der Statue „Bonze des Humors“. Diese lachende Buddha-Statue wurde von Bernhard Hoetger erschaffen, einem deutscher Bildhauer, Maler, Architekt und Kunsthandwerker, dessen Spuren nicht nur hier in Worpswede zu finden sind. So hat er unter anderem auch die Böttcherstraße in Bremen neu gestaltet. Der „Bonze des Humors“ ist Teil eines Zyklus von Gegensatzpaaren, mit denen Bernhard Hoetger die „Licht- und Schattenseiten“ des Menschen darstellen wollte. Wobei der lachenden Buddha eindeutig zur Lichtseite gehört.


Bonze des Humors
-> Der „Bonze des Humors“ von Bernhard Hoetger


Nur wenige Schritte von der Statue entfernt befindet sich das „Café Worpswede“. Ursprünglich war es ein Café und Restaurant, in den 1970er Jahren wurde ein Hotel angeschlossen. Auch dieses Haus ist ein Werk von Bernhard Hoetger, der sich hier an keinen Baustil hielt und einfach „frei Schnauze“ ohne richtige Bauzeichnungen und ohne rechte Winkel baute. Das brachte dem Haus bei den Worpswedern seinen Spitznamen „Café Verrückt“ ein.


Café Worpswede
-> Das „Café Worpswede" von vorne ...


Café Worpswede
-> ... und von hinten.


Hier direkt nebenan befindet sich auch die „Große Kunstschau Worpswede“, in der in einer Dauerausstellung Bildern von Worpsweder Künstlern gezeigt wird. Dass sehe ich mir jetzt aber nur von außen an. Stattdessen gehe ich weiter und erreiche nach einem kurzen Fußmarsch das Wohnhaus des Schriftsteller Edwin Koenemann, der es im Jahre 1926 erbaute und „Glockenhaus“ nannte. Die Bewohner von Worpswede tauften es aber aufgrund seiner ungewöhnlichen Form „Käseglocke“. In dem Haus wird heute das Lebensumfeld von Edwin Koenemanns gezeigt und soll auch von innen sehr interessant sein, hat aber leider es bereits geschlossen.


Käseglocke Worpswede
-> Die „Käseglocke“, Wohnhaus des Schriftsteller Edwin Koenemann


Von der „Käseglocke“ aus führt der Weg ein Stück weit durch den Wald und zweigt dann ab zum Barkenhoff. Dieser ehemalige Bauernhof wurde 1895 von Heinrich Vogeler gekauft. Vogeler war Maler, Grafiker, Pädagoge, Schriftsteller und Designer und baute den Barkenhoff zu einem wahren Schmuckstück um. Dabei kümmerte er sich nicht nur um das Haus und den Garten. Er entwarf auch einen Teil der Möbel und sogar die Tapeten. So erschuf er sich hier sozusagen seine eigene Welt.


Barkenhoff Worpswede
-> Der Barkenhoff, Wohnhaus von Heinrich Vogeler


Barkenhoff Worpswede
-> Blick vom Barkenhoff in den Garten


Der Barkenhoff entwickelte sich recht schnell zum Mittelpunkt der Worpsweder Künstlerbewegung. Heute dient er als Museum und auch für Ausstellungen wird er genutzt. Daher freue ich mich, dass er noch geöffnet hat. Leider erfahre ich erst nach dem Kauf der Eintrittskarte, dass das Fotografieren hier verboten ist, auch ohne Blitz. Nicht nur deswegen bin ich ein wenig enttäuscht. So gut, wie mir der Hof selbst mit seinem Garten gefällt, so wenig kann ich mit dem inneren des Gebäudes anfangen. Die hier ausgestellten Bilder sprechen mich nicht an, daher dauert mein Besuch auch nicht allzu lange.

Vom Barkenhoff aus gehe ich ein Stück durch den Wald zurück, folge einer wenig befahrenen Straße und gehe dann am Waldrand entlang einem Feldweg den Weyerberg hinauf zum Niedersachsenstein. Das ist ein 18 Meter hoher Gedenkstein, der an die gefallenen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg erinnern soll. Schöpfer dieses Monument war im Jahre 1922 Bernhard Hoetger, den wir ja weiter oben bereits kennen gelernt haben. Unumstritten war dieses Denkmal allerdings seinerzeit nicht. In einer Zeit, in der Lebensmittel knapp waren, hätten viele das Geld, das dafür ausgegeben wurde, lieber für die Bekämpfung der Armut investiert.


Niedersachsenstein Worpswede
-> Gedenkstätte Niedersachsenstein


Niedersachsenstein Worpswede
-> Gedenkstätte Niedersachsenstein


Von diesem „Ungetüm“ aus führt mich der Weg zurück in den Ort. Ein schöner Spaziergang war das, der sehr gut in einem Infoblatt beschrieben wird, der in der Touristeninformation zu bekommen ist.

Mein erster Tag in Worpswede war leider kürzer als gedacht. Der Stau auf der A1 sei Dank. Den Tag lasse ich dann mit einem guten Abendessen ausklingen. Und freue mich dabei schon auf Morgen.





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